Audi, 2026, bei Formel-1-Tests in Bahrain. Am Steuer: Nico Hülkenberg
Foto: Giuseppe Cacace / AFPWenn die Reifen des R26 am Sonntag, den 8. März, beim Großen Preis von Australien (5.00 Uhr MEZ, TV: Sky) über die Start-Ziel-Linie des Albert Park Circuit rollen, ist die Königsklasse des Motorsports um einen deutschen Teilnehmer reicher. Audi debütiert in Melbourne als Werksteam in der Formel 1, am Steuer in einem der Cockpits wird Nico Hülkenberg sitzen, der derzeit einzige deutsche Fahrer in der Rennserie.
Injektor-Prüfstand bei Audi am Standort Neuburg: Dort wird die Powerunit für die Formel 1 entwickelt
Foto: TSP / AUDI AGGrund für den Einstieg? Das neue sportliche Reglement, das unter anderem neue Motoren mit mehr E-Power vorsieht (Details hier ). »Der Einstieg in die Formel 1 war nie besser als in den vergangenen 30 Jahren mit dieser Regeländerung«, hatte Audi-Chef Gernot Döllner gesagt.
Für das Projekt Formel 1 hatte die Volkswagen-Tochter den Schweizer Rennstall Sauber übernommen. Das Chassis entsteht in der Sauber-Fabrik in Hinwil, der Antriebsstrang – bestehend aus Powerunit und Getriebe – wird bei Audi in Neuburg an der Donau gebaut. Neuburg sei damit der einzige operative Standort eines Formel-1-Teams in Deutschland, betont der Hersteller auf seiner Website – eventuell ist der Hinweis auch als kleiner Seitenhieb in Richtung Mercedes zu lesen.
Juan-Manuel Fangio, 1955, im Mercedes W 196. Der Argentinier prägte die Anfangsjahre der Formel 1, Fahrer und Auto gelten bis heute als Legenden im Motorsport
Foto: Molter / AP / Daimler-Benz-WerkfotoSeitenhieb in Richtung Mercedes? Sind die Silberpfeile nicht die erfolgreichsten deutschen Rennwagen in der bisherigen Formel-1-Geschichte? Absolut, sie sorgten (ebenso wie Audi, damals noch im Rahmen der Auto Union) bereits vor dem Zweiten Weltkrieg für Aufsehen im Motorsport. Ab 1954 nahm Mercedes dann als Werksteam an der vier Jahre zuvor gegründeten Formel-1-Weltmeisterschaft teil. Juan Manuel Fangio fuhr mit dem in Stuttgart entwickelten W196 die Konkurrenz in Grund und Boden und sicherte sich 1954 und 1955 den Titel. Doch so schnell Mercedes in der Formel 1 aufgetaucht war, so schnell waren sie auch wieder weg.
Michael Schumacher und Nico Rosberg, 2010
Foto: Heino Kalis / REUTERSDie Katastrophe von Le Mans, bei der 1955 ein brennender Mercedes in die Zuschauerränge schleuderte, soll den Entschluss besiegelt haben, sich aus dem Grand-Prix-Sport zurückzuziehen. Es dauerte bis zum Jahr 2010, bis Mercedes als Werksteam in die Formel 1 zurückkehrte. Seit den Neunzigerjahren lieferte man allerdings bereits Motoren an McLaren und gewann so mehrere Titel. Gebaut werden Mercedes’ Formel-1-Antriebe seither in England. In Brixworth hatte Mercedes sich 1994 in die Motorenschmiede Ilmor eingekauft, später übernahm man sie ganz.
Der siebenfache Weltmeister Lewis Hamilton, hier 2020, und Mercedes – keine Fahrer-Team-Kombination war in der Formel 1 je erfolgreicher
Foto:Albert Gea / AP
Und auch der Stammsitz des heutigen Werksteams ist seit dem Comeback 2010 in England. In dem Jahr übernahm die Daimler AG das Team Brawn GP aus Brackley und nannte es in Mercedes Grand Prix um. Am Steuer zwei Deutsche: Rekordchampion Michael Schumacher und der spätere Weltmeister Nico Rosberg. Aktuell gehört das Formel-1-Team nur noch zu einem Drittel Mercedes; am Erfolg änderte das nichts. Von 2014 bis 2020 errang der Rennstall sieben Saisons in Folge sowohl den Fahrertitel (sechsmal mit Lewis Hamilton, einmal mit Rosberg) als auch den Konstrukteurstitel – einmalig in der Geschichte der Formel 1.
Mit Fahrer Nelson Piquet (hier im Jahr 1997) wurde Brabham-BMW 1983, nur ein Jahr nach dem Debüt, Formel-1-Weltmeister
Foto: Bernd Kammerer / APDie Bayerischen Motorenwerke hatten mehrere Auftritte in der Formel 1, zunächst als Motorenlieferant. Mit dem Brabham-Team von Bernie Ecclestone wurde BMW 1983 Weltmeister. Der eingesetzte Vierzylinder-Turbomotor sorgte für Aufsehen, er galt als der bislang stärkste Antrieb in der Königsklasse. Nach mehreren Jahren Pause belieferte BMW ab 2000 das Williams-Team. Ralf Schumacher fuhr 2001 den ersten Grand-Prix-Sieg ein. Für den Weltmeistertitel reichte es aber nicht.
Fahrer Robert Kubica aus Polen und der Deutsche Nick Heidfeld feiern 2008 in Montreal einen Doppelerfolg für BMW-Sauber
Foto: Andre Pichette / dpa / picture allianceGanz oder gar nicht im Jahr 2006: BMW wollte die Geschicke selbst in die Hand nehmen und trat erstmals mit einem eigenen Werksteam an. Dazu kaufte man sich im Schweizer Sauber-Team ein. Mehr als ein Grand-Prix-Sieg sprang dabei aber nicht heraus. Im Juli 2009 verkündeten der damalige BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen und Vorstände des Konzerns auch unter dem Kostendruck der Finanzkrise den Ausstieg aus der Formel 1 zum Saisonende.
Dan Gurney siegt im silbernen Porsche 804 beim Großen Preis von Frankreich im Jahr 1962
Foto: PorscheDer Stuttgarter Sportwagenhersteller dominiert im Langstrecken- und GT-Sport, in der Formel E feierte man zuletzt mehrere Titel. Das Engagement der Zuffenhausener in der Formel 1 mutet dagegen eher wie eine Stippvisite an. Porsche war 1958 erstmals in der Formel 2 gestartet und fuhr dann zwei Jahre in der Königsklasse, als deren Reglement 1961 und 1962 jedoch jenem der Formel 2 nachgebildet (und die Formel 2 zwischenzeitlich beendet) wurde. Dan Gurney holte 1962 in Rouen mit dem speziell für die Formel 1 konstruierten Rennwagen 804 den einzigen Grand-Prix-Sieg. Mit dem erneuten Reglementwechsel 1963 zog sich Porsche aufgrund hoher Kosten und geringer Serienrelevanz wieder zurück.
Später mischte Porsche als Motorlieferant aber noch zweimal in der Königsklasse mit. Mit McLaren konnte man ab 1984 sogar dreimal in Folge den Fahrertitel feiern. Die Zusammenarbeit mit dem Mittelfeldteam Arrows 1991 wurde dagegen zum Flop und dauerte nur rund ein Jahr. Zuletzt scheiterten die Pläne eines Wiedereinstiegs in die Formel 1 mit Red Bull.
Zakspeed
Teamchef Erik Zakowski, 1986, beim Großen Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring
Foto: Ferdi Hartung / IMAGONeben großen Autofirmen tummelten sich in der Formel-1-Geschichte auch immer wieder kleinere privat geführte Teams, die es mit den Platzhirschen aufnehmen wollten. Aus deutscher Sicht war das Zakspeed-Team, gegründet von Erich Zakowski, mit dabei. Der ausgebildete Kfz-Mechaniker gründete den Rennstall 1968 in Niederzissen im Kreis Ahrweiler. Seit Ende 1983 plante Erich Zakowski mit seinem Team am eigenen F1-Boliden. Der Rennstall entwickelte sowohl Chassis als auch Motor in Eigenregie – das machten zu der Zeit nur wenige, etwa die berühmte Scuderia Ferrari.
Zakowski mit dem ehemaligen Formel-1-Piloten Bernd Schneider, 1988
Foto: Werek / IMAGO1985 debütierte der Rennstall aus der Eifel, finanziell unterstützt von der Zigarettenmarke West, in der Königsklasse. Mit einem fünften Platz fuhr der heutige Sky-Experte Martin Brundle 1987 in San Marino das beste Ergebnis ein. Nach der Saison 1989 zog sich das Team aus der Formel 1 zurück. Es folgten weitere Erfolge in verschiedenen Rennserien, unter anderem in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft und beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring.
ATS Racing
Manfred Winkelhock, 1984, für das ATS-Racing-Team auf dem Hockenheimring
Foto: Sven Simon / IMAGO1977 wagte ein weiterer deutscher Rennstall das Abenteuer Formel 1. In diesem Jahr debütierte das ATS Racing Team, benannt nach dem Felgenhersteller Auto Technisches Spezialzubehör, den Gründer Günter Schmid in Bad Dürkheim betrieb – und für den er den Motorsport als Werbefläche nutzen wollte. Das Team war zuvor bereits in der Formel 2 angetreten. Für die Königsklasse erwarb man zunächst Material von den Teams Penske und March, später konstruierte man auch selbst. Bis 1984 war ATS in der Formel 1 dabei. Die großen Erfolge blieben aus, doch mit Manfred Winkelhock, Hans-Joachim Stuck, Jochen Mass, Marc Surer, Keke Rosberg und Gerhard Berger fuhren einige bekannte Namen für das Team.
Später übernahm Schmid das Unternehmen Rial Leichtmetallfelgen und gründete erneut einen Rennstall – in den Hallen des Felgenherstellers im rheinland-pfälzischen Fußgönheim. Rial Racing ging 1988 und 1989 unter anderem mit dem späteren RTL-Experten Christian Danner im Cockpit in der Formel 1 an den Start und sammelte sechs WM-Punkte.
Eisenacher Motoren Werk
Edgar Barth, hier 1957, beim Großen Preis von Deutschland. In diesem Jahr fuhr Barth bereits für Porsche, Fahrer der Formel 2 wurden in die Formel-1-Statistik aufgenommen
Foto: Willy Pragher / Landesarchiv Baden-Württemberg1953 ging ein Rennwagen aus der DDR in der Formel 1 an den Start. Edgar Barth fuhr beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring für das »Staatliche Rennkollektiv«. Eingesetzt wurde ein Fahrzeug der Eisenacher Motorenwerke EMW, Barth konnte das Rennen wegen eines Defekts aber nicht beenden. Als das Rennkollektiv später aufgelöst wurde, wechselte Barth 1957 in die Bundesrepublik und fuhr für Porsche.
Rolf Stommelen, 1971, im Eifelland March E21
Foto: Werek / IMAGODie Geschichte von Eifelland ist sicher eine der kuriosesten der Formel 1, vor allem des speziellen Designs des Autos: Günther Hennerici war Unternehmer im Wohnwagenbau aus Mayen in der Eifel und Ehemann der Rennfahrerin Hannelore Werner, die in der Formel 2 und Formel 3 an den Start gegangen war – was damals selbst schon eine Sensation war. Ende der Sechzigerjahre begann Hennerici, den Rennstall Eifelland Caravans aufzubauen, der zunächst in der Formel 2 und schließlich 1972 in der Formel 1 an den Start ging.
Rolf Stommelen, 1971, beim Großen Preis von Südafrika
Foto: Werek / IMAGODas Auto brachte es mit dem deutschen Rennsporthelden Rolf Stommelen lediglich auf acht Starts, das Besondere aber war seine Form. Hennerici legte ein gekauftes March-Chassis in die Hände von Luigi Colani, einem Designer für Konsumgüter, der besonders für seine runden und fließenden Formen bekannt war. Besonders ins Auge fiel der einzige Rückspiegel, der sich mittig und erhöht auf der Frontpartie befand – und den Stommelen als »gewöhnungsbedürftig« bezeichnete. Das Ergebnis: Ein sportlicher Misserfolg, das Auto war zu schwer und hatte Probleme mit der Kühlung. Aber ein Hingucker auf der Strecke.
Willi Kauhsen Racing Team
Willibert »Willi« Kauhsen, 1973, am Nürburgring
Foto: Thomas Zimmermann / IMAGOUnterstützung von außen holte sich auch der Speditionsunternehmer und Rennfahrer Willibert »Willi« Kauhsen aus Eschweiler bei Aachen, als er 1979 mit einem selbst entwickelten Auto in der Formel 1 starten wollte. Zunächst versuchte er sich mit dem Willi Kauhsen Racing Team in der Formel 2. Als die Übernahme eines japanischen Autos scheiterte, suchte Kauhsen Expertise bei der Fachhochschule Aachen für den Aufbau eines eigenen Rennwagens nach dem Vorbild eines Lotus.
Mit dem WK004 und dem Ersatzauto WK005 erschien das Team bei zwei Trainings der Formel 1, beim Großen Preis von Spanien und beim Großen Preis von Belgien in Zolder. An den Start schaffte es Kauhsen mit seinen Rennern jedoch nicht, sie gingen bereits im Training kaputt. Kauhsen beendete das Abenteuer Formel 1 und verkaufte ein Auto an Arturo Merzario, jenen italienischen Rennfahrer, der Niki Lauda 1976 am Nürburgring aus dem brennenden Ferrari gezogen hatte.
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