António Guterres hört als Uno-Generalsekretär auf: Beerbt ihn eine Frau?

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Uno-Chef Guterres tritt Ende des Jahres ab
Uno-Chef Guterres tritt Ende des Jahres ab

Uno-Chef Guterres tritt Ende des Jahres ab

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Michael M. Santiago / Getty Images

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Ende des Jahres ist es vorbei für den Portugiesen António Guterres, nach zwei Amtszeiten tritt er als Uno-Generalsekretär ab. Für seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin sind die Herausforderungen riesig und vielleicht kniffliger denn je. Vom nächsten Uno-Generalsekretär – vielleicht der nächsten Uno-Generalsekretärin – wird erwartet, eine immer stärker gespaltene Welt, in der es immer mehr Zweifel und Kritik am Multilateralismus gibt, zusammenzuhalten und wieder enger zusammenzuführen. Kriege, Konflikte und Krisen müssen gelöst werden. Und der Bedarf an humanitärer Hilfe nimmt stetig zu. Gleichzeitig wurden der Uno massiv Gelder gekürzt, vor allem durch die USA.

Uno-Logo vor dem Hauptquartier in New York

Uno-Logo vor dem Hauptquartier in New York

Foto: Kena Betancur / AFP

Wer ist dieser großen Aufgabe gewachsen? Wird zum ersten Mal seit Gründung der Uno eine Frau den Posten bekommen?

Fragerunde durch die Uno-Mitgliedsländer

Das Rennen um die Guterres-Nachfolge ist komplex. Der Posten rotiert zwischen den Weltregionen und diesmal wäre Lateinamerika an der Reihe. Das ist allerdings nicht offiziell festgeschrieben und es gab bereits Stimmen, die das offen halten wollen. Vier Kandidierende gibt es. Sie stellen sich am heutigen Dienstag und Mittwoch den Fragen von Vertretern der 193 Uno‑Mitgliedsländer.

Wer sind sie und welche Bewerbung gilt als besonders aussichtsreich?

 Pendeldiplomat aus Argentinien

Rafael Grossi: Pendeldiplomat aus Argentinien

Foto: Juan Mabromata / AFP
  • RAFAEL GROSSI: Der 65 Jahre alte Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wurde von seinem Heimatland Argentinien nominiert. Grossi hat in seinem derzeitigen Amt versucht, das Atomabkommen mit Iran zu retten, nachdem die USA 2018 in der ersten Amtszeit Trumps ausgestiegen waren. Der achtfache Vater und Polyglott – Grossi spricht Englisch, Spanisch, Französisch und Italienisch – hat durch seine Pendeldiplomatie in internationalen Krisen sowohl sein eigenes Profil als auch das der IAEA geschärft. Manche bemängeln, er habe sein Amt für den Wahlkampf in eigener Sache genutzt. Als Grossis größter Erfolg gilt die Stationierung eines kleinen IAEA-Teams im von Russland besetzten Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine. Viele Diplomaten sehen den Argentinier als Favoriten. Grossi hat jahrelang versucht, die fünf ständigen Mitglieder des Uno-Sicherheitsrats – die USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich – für sich zu gewinnen, deren Unterstützung für die Position entscheidend ist.

 Kann sie die erste Frau im Amt werden?

Rebeca Grynspan aus Costa Rica: Kann sie die erste Frau im Amt werden?

Foto: Fabrice Coffrini / AFP
  • REBECA GRYNSPAN: Die 70-jährige Costa Ricanerin beschreibt sich selbst als reformorientierte Multilateralistin, die gegen Geschlechterbarrieren gekämpft und ihr Leben lang an die Vereinten Nationen und deren Engagement für Frieden, Entwicklung und Menschenrechte geglaubt hat. Ihre Eltern flohen nach dem Zweiten Weltkrieg aus Europa. Grynspan ist ehemalige Vizepräsidentin von Costa Rica und Vorsitzende der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung, kurz Welthandels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD). Sie erklärte, sie habe ihre Aufgaben bis September ruhen lassen, um Interessenkonflikte während des Wahlkampfs zu vermeiden. Zugleich ist ihr die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Anliegen: Als erste Frau an der Spitze von UNCTAD zu stehen, habe ihren Führungsstil geprägt. Die Ökonomin beschreibt sich selbst als »reife Führungspersönlichkeit«, die durch die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren eine agilere Uno gestalten und gleichzeitig deren Kernwerte verteidigen wolle. Sollte Grynspan gewählt werden, wäre sie die erste Generalsekretärin der Vereinten Nationen.

 Die Ex-Präsidentin Chiles wird unterstützt von Brasilien und Mexiko, von der Regierung ihres eigenen Landes nicht mehr

Michelle Bachelet: Die Ex-Präsidentin Chiles wird unterstützt von Brasilien und Mexiko, von der Regierung ihres eigenen Landes nicht mehr

Foto: Cristobal Basaure / AFP
  • MICHELLE BACHELET: Die 74-Jährige ist ehemalige Präsidentin Chiles und ehemalige Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte. Von 2010 bis 2013 war Bachelet zudem Exekutivdirektorin von UN-Women, einer Organisation, die sich für Frauenrechte einsetzt. Bachelet wurde von Chile gemeinsam mit Brasilien und Mexiko nominiert. Im März hatte ihr Heimatland Bachelet unter dem neuen rechtspopulistischen Präsidenten José Antonio Kast ihr jedoch die Unterstützung entzogen. Die Regierung Kasts erklärte, Bachelets Kampagne genieße im Inland keinen breiten politischen Konsens mehr und attestierte ihr international schlechte Chancen. Bachelet wurde auch von US-Konservativen kritisiert – sie setzt sich für das Recht auf Abtreibung ein. Der republikanische Senator Pete Ricketts warf Bachelet zudem vor, als Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte in einem Bericht von 2022 das chinesische Vorgehen gegen die Uiguren nicht klar als Völkermord bezeichnet zu haben. Bachelet hatte in dem Bericht hingegen von schweren Menschenrechtsverletzungen und Hinweisen auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit geschrieben.

Foto: Karim Sahib / AFP
  • MACKY SALL: Der 64-jährige Geologe ist der einzige Afrikaner unter den Kandidierenden. Bis 2024 war Sall zwölf Jahre lang Präsident Senegals, diese Erfahrung als Staatsoberhaupt betont er als entscheidende Qualifikation für das Amt des Generalsekretärs. Sall hat sich als Sohn eines Erdnussverkäufers aus einem armen Teil des westafrikanischen Landes hochgearbeitet. Während seiner Amtszeit setzte er im Senegal bedeutende Infrastrukturprojekte um. Er drängte außerdem darauf, hoch verschuldete Schwellenländer besser zu unterstützen. Der Senegalese fordert eine Reform des Uno-Sicherheitsrats und kommt damit den Forderungen der Entwicklungsländer nach ständigen Sitzen im mächtigsten Gremium der Vereinten Nationen nach. Sall, der leise spricht und sich im Französischen wohler fühlt als im Englischen, wurde von Burundi nominiert. Seine Kandidatur stößt in Afrika nicht nur auf Wohlwollen, sein Heimatland und Nigeria etwa verweigern ihm die Unterstützung, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf diplomatische Vermerke.

Urteil hinter verschlossenen Türen

Die Befragung in den Vorstellungsrunden entscheidet noch nicht, wer am Ende die Uno anführen darf. Das macht allein der Sicherheitsrat hinter verschlossenen Türen – die Personalie ist also von den fünf Veto-Mächten Russland, USA, Frankreich, China und Großbritannien abhängig. Erst dann kann die Generalversammlung die Person noch offiziell per Abstimmung absegnen. Gegen Herbstbeginn dürfte es ein Ergebnis geben.

Kritikerinnen und Kritiker bemängeln den Prozess und drängen seit Jahren auf eine Reform. Trotz aller großen Befragungsrunden – die geheime Beratung des Sicherheitsrates lasse den Großteil der Mitgliedsstaaten außen vor. Der frühere Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon und Guterres-Vorgänger schlug kürzlich etwa vor, dem Uno-Chef künftig nur noch eine, dafür aber eine siebenjährige Amtszeit zu gewähren. Damit sei er unabhängiger von den Veto-Mächten, die auch bei der Entscheidung über eine zweite Amtszeit das Sagen haben.

Guterres war seit 2017 im Amt. Er bekommt von vielen Seiten Lob für seine Arbeit und sein großes Engagement. So steuerte er die Vereinten Nationen beispielsweise durch die Coronapandemie und muss die Organisation derzeit durch die wohl größte Budgetkrise ihrer 80-jährigen Geschichte führen. Für sein letztes Jahr hat er angekündigt, das Budget um rund 15 und die Zahl der Mitarbeiter um fast 20 Prozent kürzen zu müssen, vor allem auch wegen der nachlassenden Unterstützung der USA.

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