Der Angriff von Tumbler Ridge hat in Kanada für Entsetzen gesorgt. Nun, zwei Wochen nach der Attacke, gehen die Ermittlungen zu den Hintergründen der Bluttat weiter (mehr dazu hier). Der Blick richtet sich auch auf das Online-Verhalten der Täterin. Kanada hat deswegen Spitzenvertreter des ChatGPT-Entwicklers OpenAI einbestellt.
Zur Begründung sagte am Montag der Minister für künstliche Intelligenz (KI), Evan Solomon, das Unternehmen habe interne Bedenken hinsichtlich der späteren Täterin nicht weitergegeben.
Er habe leitende Mitarbeiter der Sicherheitsabteilung von OpenAI aus den USA nach Ottawa zitiert, so Solomon. Bei dem Treffen solle das Unternehmen seine Sicherheitsrichtlinien erläutern. Auf die Frage, wie die Regierung die Kanadier vor Gefahren im Internet schützen wolle, hielt sich Solomon bedeckt. »Alle Optionen liegen auf dem Tisch«, sagte er lediglich.
Am 10. Februar hatte eine 18-Jährige mit psychischen Problemen in Tumbler Ridge im Westen des Landes acht Menschen erschossen und sich anschließend das Leben genommen. Die kanadische Polizei teilte mit, dass sie zunächst ihre Mutter und ihren Stiefbruder im Elternhaus getötet habe, bevor sie die nahe gelegene Schule angriff. Sie hatte zuvor Kontakte zur Polizei und psychischen Gesundheitsdiensten gehabt.
OpenAI hatte das ChatGPT-Konto der Täterin im vergangenen Juni wegen Verstößen gegen die Nutzungsrichtlinien gesperrt. Dies sei im Rahmen von Maßnahmen zur Erkennung von Regelverstößen wegen der »Förderung gewalttätiger Aktivitäten« geschehen.
Unternehmen sieht Anforderungen nicht erfüllt
Das Unternehmen meldete den Vorfall jedoch nicht den Behörden, obwohl dies intern erwogen wurde (mehr hier). Die internen Kriterien für eine solche Meldung seien nicht erfüllt gewesen, hieß es zur Begründung.
OpenAI erklärte, dass die Schwelle für die Meldung eines Nutzers an die Strafverfolgungsbehörden darin bestehe, ob ein »unmittelbares und glaubwürdiges Risiko ernsthafter körperlicher Schäden für andere« vorliege. Das Unternehmen sagte, es habe keine glaubwürdigen oder unmittelbaren Planungen erkannt. Zunächst hatte das »Wall Street Journal« über die Enthüllung von OpenAI berichtet.
Die Stadt Tumbler Ridge mit 2700 Einwohnern in den kanadischen Rockies liegt mehr als tausend Kilometer nordöstlich von Vancouver, in der Nähe der Provinzgrenze zu Alberta. Die Polizei teilte mit, dass zu den Opfern eine 39-jährige Lehrassistentin und fünf Schüler im Alter von 12 bis 13 Jahren gehörten. Der Angriff war der tödlichste Amoklauf in Kanada seit 2020, als ein Schütze in Nova Scotia 13 Menschen tötete und Brände legte, bei denen weitere neun starben.

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