Zu behaupten, die Amtszeit von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer stünde unter einem Unstern, wäre eine astrologische Verniedlichung. Mittlerweile ist es eine ganze Konstellation aus Pleiten, Pech und Pannen, die ihn begleitet – nennen wir nur die jüngsten bösen Omen „Tegernsee“, „Tricia Tuttle“ und „Deutscher Buchhandlungspreis“.
Die Verleihung des Letzteren hat Weimer nun abgesagt; vorgesehen war sie für den 19. März auf der Leipziger Buchmesse. Dort wäre Weimer endlich einmal persönlich auf all jene getroffen, die er mit seinem aus Geistesdunkel und -dünkel resultierenden Affront brüskiert hat, als er drei von 118 für den Buchhandlungspreis vorgesehenen Läden per odre du mufti streichen ließ, weil er erfahren hatte, dass über sie „verfassungsschutzrelevante Informationen“ vorlägen, ohne diese aber zu kennen.
Woher will Weimer nun die erwünschte Würde nehmen?
In Leipzig hätten vor ihm gesessen: a) die diskreditierte Jury, b) die Kurt-Wolff-Stiftung und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels als düpierte treue Partnerinstitutionen bei der Vergabe des seit 2015 existierenden Preises, c) die hypernervösen 115 verbliebenen Gewinner, die sich bis zuletzt nicht hätten einigen können, ob sie aus Solidarität mit den ausgesonderten Kollegen nun alle auf die Auszeichnung verzichten sollten, d) die Vertreter der drei gestrichenen Preisträger, denn es war ausgemacht, dass sie von einigen Geladenen eingeschmuggelt werden würden. Dazu noch e) eine Horde Journalisten, die jedes weitere Weimer-Wort auf die Goldwaage gelegt hätten.
Dieses kleine ABC macht deutlich, dass es mit einem „konzentrierten, würdevollen Festakt“, wie ihn sich Weimer laut Wortlaut der Presseerklärung mit seiner Absage vorgestellt hatte, nichts geworden wäre. Also Flucht nach vorne und Eingeständnis, dass man die Situation in der verbliebenen Woche niemals hätte einhegen können.
„Die ausgewählten Buchhandlungen werden Preisgeld und Urkunde auf direktem Wege erhalten“, heißt es. Darunter darf man sich wohl etwas durchaus Konzentriertes, aber kaum Würdevolles vorstellen: nämlich Postversand der Urkunden und Banküberweisung der mit der Auszeichnung verbundenen Prämien, denn Weimer wird wohl kaum übers Land ziehen, um 115 Mal Glückwünsche zu überbringen.
Er bleibt auf seinem Posten
Das Spannungselement der bisherigen Preisverleihungen, die dem Kulturstaatsminister offenbar zu lang vorkamen, war immer die Bekanntgabe der drei Haupt- und bis zu fünf Sonderpreisträger unter den Ausgezeichneten gewesen, die sich über 25.000 beziehungsweise 15.000 Euro Prämie statt der sonst üblichen 7000 freuen konnten. Diese Bekanntgabe, so lässt die Presseerklärung wissen, werde diesmal „in gesonderter Form erfolgen“. Mutmaßlich per weiterer Presseerklärung.
Was bleibt? Vorerst noch der Kulturstaatsminister: auf seinem Posten. Und ein Scherbenhaufen. Weimer hat sich mit seiner Buchhandlungsunfähigkeit einmal mehr als handlungsunfähig erwiesen. Zum Fixstern dieser Bundesregierung dürfte er nicht mehr taugen. Aber bleibt er weiterhin die fixe Idee des Kanzlers?

vor 3 Stunden
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