Die Entwicklungsschmiede von Lockheed Martin, Lockheed Martin Skunk Works, und die Test Pilot School der US Air Force haben in einem gemeinsamen Test-Programm die autonomen Fähigkeiten des experimentellen Kampfjets X-62A Vista (Variable In-Flight Simulation Test Aircraft) gezeigt. Das teilte Lockheed Martin am Dienstag mit. Das Flugzeug griff in insgesamt acht Flügen auf operative Live-Sensorik zurück, deren Daten die Künstliche Intelligenz (KI) des Flugzeugs zur Entscheidungsfindung nutzte, um den Jet auf einen Abfangkurs zu einem angreifenden Kampfflugzeug zu steuern. Das gelang in den acht Testflügen insgesamt 27-mal.
Automatisch auf Abfangkurs
In der Testkampagne der X-62A Vista auf der kalifornischen Edwards Air Force Base stand das Sensorsystem „Legion Pod“ im Mittelpunkt. Das System liefert reale Sensordaten über ein Infrarot-Such- und Verfolgungssystem (Infrared Search and Track – IRST). Im Fokus der Sensoren stand eine zweistrahlige Northrop T-38, die einen simulierten Angriff flog. Mithilfe des Legion Pod konnte die X-62A die angreifende Maschine erfassen und verfolgen. Auf Grundlage dieser Live-Sensordaten, ähnlich denen, die auch Kampfpiloten im Einsatz erhalten, konnte die autonome Software des Flugzeugs einen Abfangkurs berechnen und ein Abfangmanöver einleiten. Auf insgesamt acht Testflügen sei das insgesamt 27-mal gelungen und bilde einen wichtigen Schritt in Richtung KI-gestützter Luftkampfmanöver. Bisher wurden solche Tests lediglich auf Grundlage simulierter Sensordaten durchgeführt.
Nach Angaben von Lockheed Martin seien die Integration der KI, die Validierung der Software sowie die dafür nötigen Bodentests in lediglich drei Monaten erfolgt. Dieser kurze Zeitraum sei möglich gewesen, weil das Unternehmen das KI-Entwicklungsframework „Supermassive“ nutze. Damit können neue autonome Flugsysteme schneller von der Entwicklung in die Flugerprobung überführt werden. Mit herkömmlichen Methoden wäre das nicht möglich gewesen.
Autonome Manöver bei Militärmissionen
Mit der Verbindung der Sensorik direkt mit der autonomen Software will sich die US Air Force einen Vorteil gegenüber dem Gegner verschaffen. Die KI kann so schneller reagieren als ein Kampfpilot, der seine Entscheidungen aufgrund ähnlicher Sensordaten trifft. Das soll bei komplexen Missionen die Arbeitsbelastung des Piloten und des Waffensystemoffiziers (WSO) verringern. Die Flugbesatzungen haben so mehr Zeit, sich auf taktische Entscheidungen zu konzentrieren. Die autonome Software übernimmt vor allem zeitkritische Aktionen. Piloten und WSOs sollen wohl nicht ersetzt werden.
Die US Air Force unterstützt Lockheed Martin bei der Erprobung autonomer Techniken in der militärischen Luftfahrt. Die X-62A Vista bildet dabei eine Art fliegendes KI-Labor, in dem autonome Software-Varianten ausprobiert werden. Erst später, nach erfolgreicher Evaluierung, sollen sie dann in einsatzfähige Flugzeuge integriert werden. Ein wichtiger Baustein dieser Erprobungen ist die Test Pilot School der US Air Force. Sie testet die Systeme unter realen Bedingungen, sammelt Systemdaten und gibt den Ingenieuren Rückmeldung über die Funktionsfähigkeit der einzelnen autonomen Funktionen.
Die Missionssysteme der X-62A Vista sollen auf Grundlage der jüngsten Tests ein Update erhalten. Die offene Struktur des Systems in Soft- und Hardware lässt es zu, dass neue Techniken schnell integriert werden können, ohne größere Umbauten an dem Kampfjet vorzunehmen oder ihn neu konstruieren zu müssen.
(olb)












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