War Britannien matriarchal, bevor die Römer kamen?

vor 12 Stunden 1

Vor der römischen Invasion im ersten Jahrhundert könnte die Gesellschaft in Britannien stark matriarchal geprägt gewesen sein. Darauf deuten DNA-Untersuchungen von Proben aus Gräbern in England hin, berichtet ein Team um den Genetiker David Reich von der Universität Harvard auf dem Wissenschaftsportal »Biorxiv« .

Die Archäologin Rachel Pope von Universität in Liverpool bezeichnet die Studie gegenüber dem »New Scientist«  als revolutionär. Sie werde die »Sichtweise auf die Eisenzeit grundlegend verändern«. Bislang erschien die Studie jedoch nur als sogenannter Preprint; unabhängige wissenschaftliche Gutachten stehen aus.

Zwar kommen in historischen Texten mächtige Frauen aus der Eisenzeit vor, darunter die Heerführerin Boudicca, die einen Aufstand gegen die römischen Invasoren anführte. Im 20. Jahrhundert setzte sich allerdings unter Anthropologen die Sicht durch, dass die Gemeinschaften in der Eisenzeit patriarchal waren.

Wegzug der Männer

Die Forschenden untersuchten nun Proben von mehr als 500 Individuen aus der sogenannten Arras-Kultur, die aus verschiedenen Grabstätten stammen. Die Arras-Kultur war vom fünften bis zum ersten Jahrhundert vor Christus im Nordosten Englands verbreitet. Ihre Toten bestattete sie mitunter zusammen mit deren Streitwagen.

Das Team fand zahlreiche Belege, dass Männer, die aus einem Ort stammten, Kinder in einem anderen zeugten. Während Frauen also in ihrem Geburtsort blieben, zogen die Männer um. Fachleute sprechen von einer matrilokalen Struktur.

Eine Frau, mehrere Partner

Matrilokalität bedeutet nicht zwangsläufig, dass Frauen auch herrschen. Doch stieß die Forschungsgruppe auf weitere Indizien, dass die Gesellschaft rund um die mütterliche Abstammungslinie organisiert war.

Zwölf Frauen hatten beispielsweise Kinder mit mehr als einem Mann. Möglicherweise hätten die Frauen seriell monogam gelebt, schreiben die Forscher. Der Fund könne aber auch auf eine polyandrische Lebensweise in einer stark weiblich dominierten sozialen Struktur hinweisen – also auf Frauen, die mehrere Partner gleichzeitig haben.

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Zudem zeugten die Nachkommen aus derselben mütterlichen Linien untereinander keine Kinder. Das belege, dass die Menschen detailliertes Wissen zur Abstammung speziell der Frauen weitergegeben hätten.

»Die Abstammung über die weibliche Linie war in der Arras-Kultur kein Zufall, sondern ein leitendes Organisationsprinzip«, schließen die Forscher in der Studie. Das könne auch für weitere britannische Gemeinschaften in der Eisenzeit gelten.

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