Bernhard Zand, DER SPIEGEL:
»In Dubai, auf dieser Seite des Persischen Golfs, dieser Seite der Straße von Hormus, wurde die Verkündung dieser vorübergehenden Waffenruhe im Iran-Krieg mit großer Erleichterung aufgenommen.
Die Menschen in der Früh, die aufgewacht sind, Freunde von mir, texteten mir sofort, wie froh sie sind, wie erleichtert sie sind, dass nun dieser Alpdruck von ihnen genommen ist, der fast sechs Wochen lang gedauert hat. Wo es fast jeden Tag mehrere solcher Warnungen vor Drohnen und Raketen aus Iran gegeben hat.
Die Regierungen in den Golfstaaten befinden sich aber in der Patsche, muss man sagen. Sie wollten diesen Krieg von Anfang an nicht. Sie haben vergeblich versucht, Donald Trump, sie haben vergeblich versucht, Iran und natürlich auch Israel davon abzuhalten, diesen Krieg überhaupt zu beginnen. Der Krieg begann trotzdem. Trump setzte sich über sie hinweg, die Iraner sowieso, die Israelis auch, sodass die Staaten, die wichtigen Staaten hier am Golf zur Überzeugung kamen: Wenn der Krieg nun schon begonnen hat, dann sollte er wenigstens mit einem greifbaren Ergebnis enden. Und die wichtigste Forderung aller Golfstaaten hier ist natürlich, dass die Straße von Hormus wieder aufgemacht wird. Für die meisten dieser Staaten die einzige Möglichkeit, ihr Öl und ihr Gas, an den ihre Staaten letztlich wirtschaftlich hängen, auf die Weltmärkte zu bringen.
Was wir jetzt haben, ist stattdessen genau dieser brüchige, vorläufige Waffenstillstand, eigentlich nur eine Waffenruhe, die die Golfstaaten genau nicht haben wollten.
Die Golfstaaten stehen vor der Frage, ob Iran diese Trumpfkarte – nämlich die Trumpfkarte, die Straße von Hormus zu kontrollieren –, jemals wieder aus der Hand geben werden. Jetzt, wo sie sie einmal ausgespielt und so erfolgreich eingesetzt haben, werden sie, die Iraner, das in zwei Wochen wieder tun? Wenn vielleicht die Verhandlungen mit den Amerikanern scheitern? Werden sie es in zwei Monaten tun, in zwei Jahren, in 20 Jahren?
Die Golfstaaten sind in einer ganz schwierigen Situation, auch wenn die Bevölkerungen hier froh sind, dass das Schießen und die permanenten Bedrohungen für den Augenblick aufgehört haben.«

vor 1 Tag
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