Vereinte Nationen: Gaza-Sondergesandter beklagt schleppende Umsetzung von Friedensplan

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Seit Monaten stockt der Plan zum Wiederaufbau des Gazastreifens. Ohne Entwaffnung der Hamas drohe dauerhaftes Elend, warnte der Vermittler Nickolaj Mladenow die UN.

Quelle: DIE ZEIT, AP, dpa, AFP, 22. Mai 2026, 5:12 Uhr

 Rund 80 Prozent aller Gebäude im Gazastreifen sind nach Angaben des Gaza-Gesandten Nickolaj Mladenow beschädigt oder zerstört.
Rund 80 Prozent aller Gebäude im Gazastreifen sind nach Angaben des Gaza-Gesandten Nickolaj Mladenow beschädigt oder zerstört. © Eyad Baba/​AFP/​Getty Images

Sechs Monate nach der Vorstellung eines von den Vereinten Nationen unterstützten Friedensplans für den Gazastreifen beklagen Sondergesandte und Hilfsorganisationen die katastrophale Lage in dem zerstörten Palästinensergebiet. Der UN-Sicherheitsrat müsse den Druck auf die militante Palästinenserorganisation Hamas erhöhen, ihre Waffen abzugeben, forderte der Gaza-Repräsentant Nickolaj Mladenow am Donnerstag in einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York. Er kritisierte die schleppende Umsetzung des bisherigen Friedensplans.

Mladenow, ein früherer UN-Nahostgesandter, fungiert zurzeit als Vermittler zwischen dem von US-Präsident Donald Trump gegründeten Board of Peace und der palästinensischen Übergangsverwaltung im Gazastreifen. Er sprach während der UN-Sitzung über den ersten Bericht des Gremiums, das er vertritt.

Entwaffnung der Hamas als Bedingung

In dem Bericht hieß es, das größte Hindernis für eine vollständige Umsetzung des Waffenruheabkommens sei die Haltung der Hamas. Die Gruppe lehnt eine Entwaffnung bislang ab. Aber: »Die Finanzierung für den Wiederaufbau wird nicht kommen, wenn die Waffen nicht niedergelegt worden sind«, sagte der Gesandte und gebürtige Bulgare. Die Waffen der Hamas und anderer bewaffneter palästinensischer Gruppen würden laut dem Plan nicht an Israel gehen, sondern an eine Übergangsregierung in Gaza, sagte Mladenow.

Ohne Fortschritte beim Friedensplan drohe die »sich verschlechternde Lage« im Gazastreifen zum Dauerzustand zu werden, warnte Mladenow. Der Sicherheitsrat müsse »jedes ihm zur Verfügung stehende Mittel« nutzen, um die Hamas zur Aufgabe ihrer Waffen zu bewegen. Die Hamas kritisierte, der Bericht lasse außer Acht, dass Israel sich nicht an die Bedingungen der Waffenruhe halte.

Auch Israel müsse seinen Pflichten unter dem Waffenruheabkommen nachkommen, sagte Mladenow bei der UN-Sitzung. Er verwies auf anhaltende israelische Angriffe, die Palästinser getötet hätten, sowie Einschränkungen von humanitären Hilfsgüterlieferungen. Rund 80 Prozent der Gebäude im Gazastreifen seien beschädigt oder zerstört, sagte Mladenow. Mehr als eine Million Menschen hätten keine feste Unterkunft mehr und lebten in Zelten oder Trümmern.

Die militant-islamistische Hamas und Israel stünden nun vor der Wahl zwischen »einem sich verschlechternden Status quo« und einem Neuanfang für die Palästinenser. »Es gibt keine dritte Option«, sagte Mladenow.

Hilfsorganisationen bemängeln Israels leere Versprechen

Ramiz Alakbarov, der stellvertretende UN-Sonderkoordinator für den Nahost-Friedensprozess, äußerte sich besorgt über die zunehmende Gewalt im Gazastreifen und im Westjordanland. Die Lage in den besetzten Palästinensergebieten sei »zunehmend prekär«, sagte er. Das anfängliche Tempo nach der vereinbarten Waffenruhe sei einer anhaltenden humanitären Krise gewichen.

Vertreter der Hilfsorganisationen Oxfam, Save the Children und Refugees International beklagten während der UN-Sitzung in New York, es klaffe eine Lücke zwischen den israelischen Zusagen und der Realität für die Palästinenser.

Die Präsidentin von Oxfam America, Abby Maxman, sagte, Israel verweigere den erfahrensten Hilfsorganisationen weiterhin, im notwendigen Maße Güter in den Gazastreifen zu bringen. Das betreffe unter anderem Material zum Reparieren von Wassersystemen, Notunterkünfte und Medizin. »Und das trotz der Versprechungen von Wiederaufbau, wirtschaftlicher Entwicklung und langfristigem Wohlstand«, sagte Maxman.

Die US-Chirurgin Teresa Soldner berichtete von anhaltenden israelischen Angriffen. Während ihrer Zeit im Gazastreifen seien jeden Tag Verletzte eingeliefert worden. Das palästinensische Gesundheitswesen sei »absolut dezimiert« worden. Janti Soeripto von Save the Children berichtete von schwer unterernährten Kindern im Gazastreifen. Mehr als 600.000 Kinder würden zudem das dritte Jahr in Folge nicht in die Schule gehen können.

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