US-Einwanderungsbehörde: ICE-Polizist erschießt Mexikaner in Houston

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Der tödliche Schuss fiel am Dienstagmorgen in Houston während einer Kontrolle. Beim Opfer handelt es sich um Lorenzo Salgado Araujo, einen 52-jährigen Mexikaner, der sich laut der Einwanderungsbehörde ICE illegal in den USA aufhielt. Bei der Kontrolle habe er sich geweigert, den Anweisungen Folge zu leisten.

Der Mann habe ein Fahrzeug gerammt und sein Fahrzeug als Waffe eingesetzt, um einen ICE-Polizisten zu überfahren, schrieb die Behörde in einer Mitteilung. Daraufhin habe der ICE-Polizist seine Waffe abgefeuert. Lorenzo Salgado Araujo sei im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen.

Der Vorfall wird von Homeland Security untersucht, dem Ministerium für Innere Sicherheit, dem ICE angegliedert ist. Auch das FBI ermittelt, wegen eines „mutmaßlichen Angriffs auf Bundespolizisten“.

Erster tödlicher Schuss seit Minneapolis

Es handelt sich um den ersten tödlichen Vorfall mit Beteiligung von Polizisten der Einwanderungs- oder Grenzbehörde, seit im Januar in Minneapolis Renée Good und Alex Pretti erschossen worden waren. Bei beiden handelte es sich um US-Bürger.

Damals hatten die Behörden auch umgehend behauptet, es habe sich um Notwehr gehandelt. Von beiden Vorfällen existierten aber Videos aus verschiedenen Blickwinkeln, die diese Darstellung widerlegten. Die Aufnahmen zeigten, dass von den Getöteten keine Gefahr ausging. Renée Good versuchte wegzufahren, als sie erschossen wurde, und Alex Pretti lag wehrlos am Boden. Auch in Fällen, in denen Migranten angeschossen wurden, erwies sich die erste Darstellung der Behörden später als falsch.

Die Regierung passte die Strategie an

Die beiden Todesfälle in Minneapolis lösten breite Proteste aus und führten dazu, dass die Regierung ICE aus Minneapolis abzog und die Strategie anpasste: Fortan verzichtete ICE auf große Razzien und demonstrative Härte. Die Behörde setzte vermehrt auf gezielte Einsätze und nahm Einwanderer an deren Arbeitsplätzen fest.

Lorenzo Salgado Araujo arbeitete wie viele Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis im Baugewerbe. Nach Darstellung der Familie waren drei weitere Männer mit ihm im Fahrzeug, als er getötet wurde. Die Männer sollen sich auf dem Weg zu einer Baustelle befunden haben.

Er lebte und arbeitete seit 35 Jahren in den USA

Einer der Söhne des Opfers, Ronaldo Salgado, wandte sich am Mittwoch an einer Medienkonferenz an die Öffentlichkeit. Unter Tränen sagte er, sein Vater habe fast 35 Jahre lang in den USA gelebt und hart gearbeitet. Er sei dabei gewesen, einen legalen Aufenthaltsstatus zu erlangen, und habe alle nötigen Termine wahrgenommen. Sein Vater habe sich nie etwas zuschulden kommen lassen.

„Das hat er nicht verdient“, sagte Ronaldo Salgado. Er habe es nicht verdient, zu sterben und auf die Schlagzeile „Mexikaner von ICE erschossen“ reduziert zu werden. Sein Leben lang habe sein Vater Häuser gebaut und den Menschen ihren „amerikanischen Traum“ erfüllt. Auch seinen eigenen Traum habe er erfüllt, er habe seiner Familie ein Haus gebaut. Nach der Arbeit sei er jeweils vor diesem Haus gesessen und habe Musik gehört. Sein Vater sei ein Familienmensch gewesen.

Vom Tod des Vaters erfuhr Ronaldo Salgado in den sozialen Medien. Dort habe er ein Video gesehen, in dem sein Vater zu sehen und zu hören gewesen sei – am Boden gefesselt und vor Schmerzen wimmernd. Auf dem Video sind auch die anderen Insassen des Fahrzeugs zu sehen, die sich nun in ICE-Gewahrsam befinden. Vom Moment der Schussabgabe zirkulierten zunächst keine Videos.

Demokratische Abgeordnete kritisieren ICE

Bei der Pressekonferenz äußerten sich auch Politikerinnen und Politiker sowie Vertreter von Migrantenorganisationen. Sie sprachen von einer Tragödie und forderten einhellig eine unabhängige Untersuchung. Eine Vertuschung müsse verhindert werden.

Sylvia Garcia, demokratische Abgeordnete aus Texas im Repräsentantenhaus, forderte, dass alle verfügbaren Videoaufnahmen und Kommunikationsaufzeichnungen gesichert und geprüft werden. Die Familie des Opfers und die gesamte Gemeinde hätten das Recht auf vollständige Transparenz. Christina Morales, Abgeordnete im Staat Texas, sagte: „So darf die Durchsetzung der Einwanderungsgesetze nicht aussehen.“

„Es könnte jeder von uns sein“

Die Migrantenorganisationen Fiel und Lulac forderten ebenfalls eine unabhängige Untersuchung. „Es könnte jeder von uns sein“, sagte ein Vertreter. ICE dürfe nicht Richter, Geschworene und Henker in einem sein. Am Ort des Geschehens versammelten sich Demonstrierende und Trauernde. Auf Bildern waren Blumen und Kränze zu sehen – und Schilder mit der Aufschrift „Melt ICE“ zu sehen.

In Houston wird seit Längerem darüber diskutiert, ob und wie die örtliche Polizei mit ICE kooperieren sollte. Laut der Organisation Fiel hatten die ICE-Aktivitäten im Raum Houston in den vergangenen Tagen zugenommen.

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