Kyjiw hat schon viele Luftangriffe erlebt in diesem Krieg, aber was in der Nacht zu Sonntag hier geschehen ist, das ist etwas Besonderes. Und das liegt daran, dass Wladimir Putin an teuren Waffen nicht gespart hat.
Es sind 30 ballistische Raketen, die kaum abzufangen sind, die er eingesetzt hat in dieser Nacht, mehr als 50 Marschflugkörper, hunderte Drohnen und sogar eine Mittelstreckenrakete des Typs Oreschnik, die eigentlich für nukleare Sprengköpfe gedacht ist und die in diesem Krieg überhaupt erst das dritte Mal eingesetzt wurde.
Nachts und am frühen Morgen konnte ich von meinem Balkon aus die Rauchentwicklung von einem Großbrand sehen, der hier an der U-Bahn-Station Lukyanivka in einem Einkaufszentrum ausbrach.
Es ist eigentlich ein Wunder, dass es nicht mehr Tote und Verwundete gegeben hat nach diesem Großangriff. Bisher sind zwei Tote, und deutlich mehr als 50 Verwundete gezählt worden. Aber die Lösch- und Rettungsarbeiten halten auch noch an.
Die Frage ist, warum hat Putin sich gerade jetzt zu diesem Großangriff entschieden? Er hat selber vorab bereits einen Grund genannt: Er hat von Vergeltung gesprochen für einen ukrainischen Angriff auf die Stadt Starobilsk in der Oblast Luhansk, in der Ostukraine, die russisch besetzt ist. Ein Angriff, bei dem vor Kurzem offenbar viele Zivilisten starben. Aber der eigentliche Grund wird sein, dass Putin zeigen will und vielleicht auch zeigen muss, seinem Volk, dass er in diesem Krieg immer noch am längeren Hebel sitze.
Denn es läuft gerade nicht so gut, an der Front kommen die Russen kaum voran, haben sehr hohe Verluste und die militärische Spezialoperation, die eigentlich ja in wenigen Wochen abgeschlossen sein sollte, die zieht sich nun schon ins fünfte Jahr.

vor 7 Stunden
1










English (US) ·