UEFA-Supercup: Zehn Geschichten über den Wettbewerb – Alles super!

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1. Wer soll uns bitte schlagen?

1972 suchte der Sportjournalist Anton Witkamp eine neue Herausforderung für die in Europa so erfolgreichen niederländischen Teams. Anfang der Siebziger war der totale holländische Fußball um die Teams aus Amsterdam und Rotterdam das Maß aller Dinge. Zwischen 1969 und 1973 stand jedes Jahr ein niederländisches Team im Finale des Europapokals der Landesmeister. Um das beste Team Europas zu ermitteln, sollten also der Sieger des Landesmeister- und der des Pokalsiegerpokals gegeneinander spielen. 1972 waren das Ajax Amsterdam und die Glasgow Rangers. Finanziell davon profitieren sollten beide Vereine, daher ein Hin- und ein Rückspiel. Witkamp wollte die Premiere des neuen Wettbewerbs unter Schirmherrschaft der UEFA austragen, doch diese weigerte sich dagegen. Grund war die ausschreitungsbedingte Sperre, unter der die Rangers standen. Kurzerhand entschieden sich die beiden Vereine für eine Austragung 1973 anlässlich des 100. Geburtstages des Traditionsklubs aus Glasgow. Ajax gewann die Spiele und die UEFA erkannte den Titel später als offiziell an. Der europäische Fußballverband beschloss, den Wettbewerb nun jährlich auszutragen. Der Supercup war geboren.

 Den allerersten Supercup spielten die Glasgow Rangers und Ajax Amsterdam aus.

Premiere: Den allerersten Supercup spielten die Glasgow Rangers und Ajax Amsterdam aus.

Foto: Cor Mooij / PU / BSR Agency / IMAGO

2. 14 Jahre Monaco und zurück

Nach 25 Jahren entschied sich die UEFA 1998, neue Wege zu gehen: Statt den Supercup mit Hin- und Rückspiel in den Stadien der beiden teilnehmenden Teams auszutragen, wollte man den Sieger nur einem Spiel ermitteln. Gleichzeitig entschied der Verband, den Wettbewerb von nun an immer im Stade Louis II. in Monaco auszutragen und der Auslosung der Europapokal-Gruppen einen würdigen Rahmen zu geben. Bis 2012 reckten alle Supercupsieger die Trophäe in den monegassischen Nachthimmel, im EM-Jahr entschied die UEFA das Konzept erneut zu ändern. Das Spiel um die Krone von Fußballeuropa tourt seitdem über den Kontinent und findet jedes Jahr in einem anderen Land statt. In Deutschland machte der Wettbewerb bislang noch keinen Halt.

3. Gleicher Wettbewerb für alle?

Insgesamt stemmten bereits 26 Klubs aus 13 verschiedenen Ländern den Pokal in die Höhe. Real Madrid tat dies schon sechsmal und ist damit Rekordsieger des Wettbewerbs. In 31 Austragungen des Wettbewerbs konnte sich der Gewinner des Europapokals der Landesmeister bzw. der Champions League durchsetzen, die anderen 20 Male gewann der Verein aus der Europa League bzw. dem UEFA-Pokals bzw. dem Europapokal der Pokalsieger. Auffällig: Seit dem Sieg von Atlético Madrid 2018 schaffte es kein Vertreter der Europa League mehr, den Supercup zu gewinnen.

4. Super. Pokal.

Die aktuelle Trophäe ist bereits der vierte Superpokal, den es zu gewinnen gibt. Dreimal änderte sich das Design. Bereits vier Jahre nach der Erstaustragung wollte sich die UEFA auf der Trophäe verewigen und fügte ihr Logo hinzu. Nochmal veränderte sich der Pokal 1987 und war bis zu einer erneuten Änderung 2006 mit nur fünf Kilogramm Gewicht der leichteste Pokal im europäischen Fußball. Zum Vergleich: Die Trophäe der Europa League wiegt rund 15 Kilogramm, der Pokal der Champions League bringt acht Kilo auf die Waage. Vielleicht war das Gewicht eine Metapher, denn nach erfolgreicher Qualifikation war es am leichtesten, diese Trophäe zu gewinnen: Es waren schließlich nur zwei Spiele zu bestreiten.

Marco van Basten mit der Supercup-Trophäe.

Marco van Basten mit der Supercup-Trophäe.

Foto: Studio Buzzi Srl / Buzzi / IMAGO

5. Abgesagtes Nachbarschaftsduell

Knapp drei Monate nach dem Aufeinandertreffen der Nationalmannschaften der beiden Deutschlands während der Weltmeisterschaft 1974 sollte es zum nächsten deutsch-deutschen Fußballduell kommen: Der FC Bayern und der 1. FC Magdeburg sollten den Supercup ausspielen, doch der Fußballverband der DDR, der DFV, hatte etwas dagegen. Der FCM musste die Spiele gegen die Bayern wegen angeblicher Terminprobleme absagen, der Druck aus der Politik war zu groß. Die zweite Austragung des Supercups unter Führung der UEFA konnte also nicht stattfinden. Auf Europapokalspiele gegen Bayern mussten die Magdeburger aber nicht lange warten. Bereits im Oktober 1974 traf der einzige Europapokalsieger der DDR im Landesmeisterpokal auf die Bayern und verlor Hin- und Rückspiel nur knapp.

Deutsch-deutsches Duell im Europapokal der Landesmeister 1974.

Deutsch-deutsches Duell im Europapokal der Landesmeister 1974.

Foto: IMAGO sportfotodienst

6. Stell dir vor, es ist Supercup und keiner hat Zeit

Das Duell zwischen dem FCM und dem FCB war nicht der einzige Supercup, der nicht stattfand. Insgesamt wurden drei Paarungen in der Wettbewerbshistorie abgesagt. 1981 konnten sich der Liverpool FC und Dinamo Tiflis nicht auf einen Termin für die beiden Spiele einigen. Auch der Supercup 1985 konnte nicht stattfinden, da die UEFA englische Teams im Nachgang der Tragödie von Heysel wenige Monate vor dem geplanten Supercup für fünf Jahre von europäischen Wettbewerben ausschloss. Daher konnte der FC Everton sich nicht mit den Bianconeri von Juventus Turin messen.

7. Rekorde, Rekorde, Rekorde

Der Rekordtorschütze des Wettbewerbs ist noch immer ein Zeuge der niederländischen Dominanz in Europa: In acht Supercupspielen traf Arie Haan fünfmal. Er spielte also in vier Supercups, je zwei für Ajax Amsterdam und zwei für den RSC Anderlecht. Gewinnen konnte er sie alle. Rekordspieler des Wettbewerbs zu werden, ist seit Wegfall des Rückspiels 1998 deutlich schwieriger. Bislang halten Arie Haan, Alessandro Costacurta und Roberto Donadoni mit ihren acht Einsätzen diesen Titel. Rekordsieger sind Paolo Maldini, Luka Modrić und Dani Carvajal mit fünf Titeln. Rekordtrainer ist Carlo Ancelotti, der ebenfalls fünf Superpokale gewann.

8. Dahoam in Prag

Riesig war der Frust bei den Münchner Bayern, als der FC Chelsea 2012 den Henkelpott in die Höhe stemmte und das Finale Dahoam im Fiasko Dahoam endete. Ein Jahr später krönte sich der FC Bayern aber doch noch zu den Königen Europas, allerdings etwas über 900 Kilometer von Dahoam entfernt. Die Möglichkeit zur Revanche bot sich im Supercup 2013, an dem der FC Chelsea als Gewinner der Europa League teilnahm. Wie schon ein Jahr zuvor stand es nach 90 Minuten 1:1 und auch in der Verlängerung fand sich kein Sieger. Erneut standen sich die beiden Klubs im Elfmeterschießen gegenüber. In Prag setzte sich der FC Bayern durch und die Münchner durften endlich eine europäische Trophäe nach einem Sieg gegen Chelsea bejubeln. Nur eben nicht in München.

Die Spieler des FC Bayern jubeln über den Sieg gegen den FC Chelsea im Supercup.

Die Spieler des FC Bayern jubeln über den Sieg gegen den FC Chelsea im Supercup.

Foto: Oryk HAIST fuer Fotoagentur SVEN / Sven Simon / IMAGO

9. Supercup auf Steroiden

Das spektakulärste Spiel in der langen Historie des Supercups fand 2015 in Tiflis statt. Dort spielten der FC Barcelona und der ewige Europa-League-Gewinner aus Sevilla um den silbernen Pokal. Das Starensemble um Messi, Suárez und ter Stegen führte zwischenzeitlich schon 4:1, als Sevilla eine furiose Aufholjagd startete, drei Tore schoss und sich nach dem 4:4 in die Verlängerung kämpfte. Dort erlöste Pedro die zitternden Katalanen aber fünf Minuten vor Schluss und Barcelona gewann 5:4. Ein Spielstand, der sich wie ein Elfmeterschießen liest.

10. Juvelströme in Paris

Für beide Vereine, die dieses Jahr in Salzburg antreten, wäre ein Sieg nicht die erste Supercup-Trophäe. Das Team aus Paris gewann den Supercup zum ersten Mal im vergangenen Jahr gegen Tottenham und möchte heute nachlegen. Aston Villa krallte sich die Trophäe schon 1982 nach Gewinn des Europapokals der Landesmeister. Als Europokalsieger der Pokalsieger nahm PSG schon 1997 am Supercup teil und empfing damals Juventus Turin im Prinzenpark. An der Seine schweigt man wohl lieber über dieses Spiel, denn PSG ließ sich mit 1:6 aus dem eigenen Stadion ballern. Dagegen wirkte die 1:3-Niederlage im Rückspiel wie Ergebniskosmetik.

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