Tennis: Boris Becker unterstützt Profis im Streit über höhere Preisgelder

vor 2 Tage 1

Boris Becker hat im Prämienstreit der Tennisprofis mit den Organisatoren der Grand-Slam-Turniere klar Stellung bezogen. »Ich kann die Spieler verstehen, eine Tenniskarriere kann morgen vorbei sein«, sagte der dreimalige Wimbledon-Gewinner in einer Eurosport-Medienrunde: »Ja, verdammt noch mal, wenn ihr so viel Geld verdient, gebt es doch aus an Preisgeldern auch in den Anfangsrunden für Spieler, die das zum Überleben brauchen.«

Aus dem Spielerkreis hatte es deswegen zuletzt sogar Boykottdrohungen gegeben. Doch dazu kommt es bei den am Sonntag beginnenden French Open in Paris nicht. Die Profis wollen Medienberichten zufolge dennoch ein Zeichen des Protests setzen und die Pressekonferenzen vor Turnierstart nach 15 Minuten verlassen.

Darum geht es in dem Zoff

Hintergrund des Streits ist, dass die Spielerinnen und Spieler den Anteil an den steigenden Einnahmen, der derzeit zwischen 12 und 16 Prozent liegt, als zu gering erachten. Sie verlangen 22 Prozent. Begründung: Vor allem Profis aus der zweiten und dritten Reihe wäre damit enorm geholfen. Tennisprofis reisen als Alleinunternehmer um die Welt, zahlen Trainer und Physiotherapeuten aus eigener Tasche. Nur wenige können sich das problemlos leisten.

61,7 Millionen Euro werden bei den diesjährigen French Open ausgeschüttet, das sind 9,5 Prozent mehr als im Vorjahr und sogar etwa 45 Prozent mehr als bei der Ausgabe 2019. Auch bei den drei anderen Grand-Slam-Turnieren in Melbourne, Wimbledon und New York steigen die Summen regelmäßig.

»Der normalsterbliche, arbeitende Mitbürger wird das nicht verstehen«, meinte Becker: »Die Spieler kommen rüber, als wären sie geldgierig.« Das sei aber nicht richtig. Er sehe klar »die Grand Slams in der Pflicht«, den Spielern entgegenzukommen, damit die Situation nicht eskaliert.

 »Irgendwann werden wir das boykottieren«

Aryna Sabalenka: »Irgendwann werden wir das boykottieren«

Foto: Baptiste Autissier / PsnewZ / IMAGO

Die Weltranglistenersten als Wortführer

»Ich glaube, irgendwann werden wir das boykottieren«, hatte die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka aus Belarus gesagt. Und auch Italiens Tennisstar Jannik Sinner zählt zu den Wortführern in diesem Konflikt. »Es geht mehr um den Respekt«, erklärte der große Turnierfavorit für die French Open: »Ich denke, wir geben mehr als das, was wir zurückbekommen.«

Die Organisatoren müssten die Spieler ernst nehmen, forderte Becker, eine Erhöhung auf 22 Prozent sei für ihn »fair« – auch mit Blick auf die gängige Praxis in den US-Profiligen: »Die wollen jetzt nicht 50 Prozent wie die anderen Sportarten, sondern sieben Prozent mehr.«

Die French Open, der Höhepunkt der langen Sandplatzsaison, beginnen am Sonntag, die erste Runde erstreckt sich über drei Tage. Das Finale bei den Frauen findet am 6. Juni statt, einen Tag später spielen die Männer ihren Sieger aus. Das Stade Roland Garros im Bois de Boulogne von Paris ist eine der traditionsreichsten Tennisanlagen der Welt. Der Court Philippe-Chatrier als Hauptplatz bietet Platz für etwa 15.000 Zuschauerinnen und Zuschauer.

Neben Alexander Zverev sind noch acht weitere deutsche Tennisprofis für das Hauptfeld direkt qualifiziert. Klarer Favorit bei den Männern ist Jannik Sinner. Der Dominator ist seit 29 Matches unbesiegt und hat sechs Masters-1000-Turniere hintereinander gewonnen. Sein Dauerrivale Carlos Alcaraz fehlt verletzt, größter Herausforderer ist Zverev.

Bei den Frauen ist das Topfeld deutlich breiter aufgestellt. Sabalenka kommt ebenso für den Sieg infrage wie Titelverteidigerin Coco Gauff aus den USA, die Kasachin Jelena Rybakina und die Polin Iga Świątek. Auch eine Überraschungssiegerin ist möglich.

Gesamten Artikel lesen