Strack-Zimmermann zum FDP-Fiasko in Rheinland-Pfalz: „Wenn eine Partei nur noch zwei Prozent der Stimmen bekommt, ist das existenziell“

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Frau Strack-Zimmermann, nach Baden-Württemberg ist die FDP nun auch in Rheinland-Pfalz aus dem Landtag geflogen, dieses Mal reichte es laut ersten Hochrechnungen sogar nur für etwas mehr als zwei Prozent. Wie verheerend ist dieser Abend?
Machen wir uns nichts vor. Das sind nach wie vor die dramatischen Nachwehen einer für die FDP desaströsen Bundestagswahl. Einmal nicht mehr in den Bundestag gewählt worden zu sein, ist tragisch, ein zweites Mal ein politisches Versagen. Dieser Schock steckt immer noch allen in den Knochen.

Was heißt das konkret?
Wir sind weit davon entfernt, wieder in die Gänge gekommen zu sein. Das ist besonders bitter für unsere Spitzenkandidaten in Baden-Württemberg, Uli Rülke, und die Kandidaten heute in Rheinland-Pfalz, die nicht nur gekämpft, sondern auch geliefert haben. Daniela Schmitt hat Rheinland-Pfalz als Wirtschaftsministerin genauso gutgetan wie Justizminister Philipp Fernis. Keiner von ihnen muss sich etwas vorwerfen lassen.

Beobachter sind sich einig, dass es für die FDP inzwischen um die blanke Existenz geht. Wie steht es nach diesem erneuten Desaster um die Partei?
Das kann man so sagen, ohne besonders originell zu sein. Wenn eine Partei nur noch zwei Prozent der Stimmen bekommt, ist das in der Tat existenziell.

In Rheinland-Pfalz regierte Ihre Partei in einer Ampel mit und trug in zwei zentralen Ministerien die Verantwortung. Warum konnten Sie nicht davon profitieren?
Wie gesagt: Das Abschneiden bei der Bundestagswahl, wo wir im Endspurt verzweifelt den Wählern das Angebot gemacht haben: „Die 2 für die Zweitstimme“, wirkt immer noch nach. Dagegen können sich die besten Landesminister und -ministerinnen nicht stemmen. Die bei vielen verhasste Ampel hat in Rheinland-Pfalz übrigens problemlos funktioniert. Kurz gesagt: Hast du Scheiße am Fuß, hast du Scheiße am Fuß.

Nach Monaten ohne erkennbare Strategie fehlt vielen die Zuversicht, dass sich etwas zum Besseren ändert.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) kritisiert das Auftreten ihrer Partei

Laut einer Umfrage halten nur sieben Prozent der Wähler es für „sehr wichtig“, dass die FDP in den Landesparlamenten vertreten ist – die Mehrheit hält sie für verzichtbar. Woran liegt das?
Dass uns sieben Prozent der Wählerinnen und Wähler als sehr wichtig erachten, darauf lässt sich ja aufbauen. Diese sieben Prozent müssten wir dann mal als feste Wählerbasis binden.

Ihr Parteichef Christian Dürr sprach zuletzt über die jüngsten Niederlagen als Teil eines „Marathons“, den die Partei nun bestreiten müsse, um wieder politisch relevant zu werden. Sehen Sie das auch so?
Metaphern erzeugen Bilder, die dann aber auch mit Leben gefüllt werden müssen. Ich befürchte, dass viele in und außerhalb der FDP das Gefühl haben, dass wir seit der Bundestagswahl noch nicht einmal losgelaufen sind. Nach Monaten ohne erkennbare Strategie fehlt vielen die Zuversicht, dass sich etwas zum Besseren ändert.

Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Stimmenverteilung

Nach dem Fiasko bei der Bundestagswahl hat die FDP kaum etwas geändert, man setzt auf „radikale Mitte“. Ein Fehler?
Radikal bedeutet immer, kompromisslos zu sein, und genau darüber sind wir bereits während der letzten Legislatur im Bundestag gestolpert.

Nach dem heutigen Abend ist die FDP nur noch in einer Landesregierung vertreten, in Sachsen-Anhalt. Im September wird dort ebenfalls gewählt, die FDP steht aktuell bei zwei Prozent. Lohnt es sich da überhaupt noch zu kämpfen?
Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Wenn beispielsweise die Auflage Ihrer Zeitung sinkt, dann gehen Sie doch auch nicht einfach nach Hause und machen hinter sich das Licht aus. Lydia Hüskens, unsere Spitzenkandidatin in Sachsen-Anhalt und Ministerin für Infrastruktur und Digitales, macht einen super Job. Und mit ihr gehen wir in den Wahlkampf.

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