„Das Land ist fiebrig”, diagnostiziert Markus Söder, die Menschen seien fiebrig. Die Spargelfahrt der Seeheimer, des konservativen SPD-Flügels, auf dem Tegeler See soll dieses Fieber senken helfen. Deshalb ist Söder hier, genau wie Generalsekretär Carsten Linnemann und Außenminister Johann Wadephul von der CDU. Der Koalitionsfrieden, der gemeinsame Aufbruch wird an diesem sonnigen Dienstagabend beschworen – und zwar, bis es quietscht.
An Tisch sechs wird der Reformgipfel, der am Mittwochabend ansteht, vorweggenommen. Hier sitzen gemeinsam mit Söder, Linnemann, SPD-Parteichef Lars Klingbeil und SPD-Fraktionschef Matthias Miersch auch drei Spitzen der Sozialpartner: Steffen Kampeter (Bundesverband der Arbeitgeber), Stefan Körzell (DGB) und Michael Vassiliadis (IG Bergbau, Chemie, Energie). Die Laune ist demonstrativ bestens.
„Ich habe keinen Bock, eine Art von Papen zu werden”, sagt Söder in seiner kurzen Rede, er wolle kein Steigbügelhalter für Radikale sein. „Je fiebriger das Land, desto fokussierter müssen wir sein.” Da blitzt er auf, der neue, ernsthafte Söder, als der er sich seit Längerem zeigt.

© dpa/Markus Schreiber
Doch Söder sorgt auch für Lacher. „Personenkult gibt es in Bayern ja nicht”, sagt er, als er die diesjährige Spargelfahrt-Tasse überreicht bekommt, auf der dieses Mal das Antlitz von Verteidigungsminister Boris Pistorius prangt.
Und Söder erinnert gar nicht so dezent an eine Peinlichkeit, mit der die Seeheimer im vergangenen Jahr Schlagzeilen gemacht haben: Beim gemeinsamen Besuch auf dem Oktoberfest gab es einen Streit. Am Ende soll Uwe Schmidt, damals einer der Sprecher des Seeheimer Kreises, seinen Amtskollegen Esra Limbacher körperlich angegangen sei.
Söder spottet gerade heraus: Zum Glück habe es nach der Visite der Seeheimer in München keine einzige Nachricht über auffälliges Verhalten gegeben.
Zu Beginn des Abends wird noch verkündet, der bayerische Ministerpräsident werde an Bord bleiben, wenn der Spargel verspeist ist und das Schiff losschippert über den Tegeler See, Kurs wohl auch auf die Villa Borsig. Söder geht nach dem Essen stattdessen aber doch von Bord. Man sieht sich ja ohnehin bald wieder.

vor 2 Stunden
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