Russische Schattenflotte: Kapitän von russischer Schattenflotte zu Haftstrafe verurteilt

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Ein französisches Gericht hat den Kapitän des Öltankers "Boracay" in Abwesenheit zu einem Jahr Haft verurteilt. Das Schiff soll zur russischen Schattenflotte gehören.

Aktualisiert am 30. März 2026, 18:59 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, AFP,

 Der Kapitän des Öltanker "Boracay" wurde in Frankreich verurteilt.
Der Kapitän des Öltanker "Boracay" wurde in Frankreich verurteilt. © Damien Meyer/​AFP/​Getty Images

Ein französisches Gericht hat den Kapitän des vorübergehend festgesetzten Öltankers Boracay in Abwesenheit zu einem Jahr Haft verurteilt. Das Schiff wird der russischen Schattenflotte zugerechnet. Außerdem verurteilte das Gericht im westfranzösischen Brest den chinesischen Kapitän zu einer Geldstrafe von 150.000 Euro, wie die Zeitung Ouest France berichtete. Dem Kapitän war vorgeworfen worden, französische Anweisungen nicht befolgt zu haben, als französische Seestreitkräfte den Tanker Ende September vor der bretonischen Küste aufhielten.

Der Kapitän erschien nicht selbst vor Gericht, sondern ließ sich von einem Anwalt vertreten. Dieser sagte, das französische Gericht sei nicht zuständig, da die Marine den Tanker in internationalen Gewässern gestoppt habe. Dieser Auffassung folgte das Gericht jedoch nicht. Im Januar und Ende März hielt Frankreich erneut Ölfrachter auf, die verdächtigt wurden, zur Schattenflotte zu gehören.

Die französische Marine hatte den Öltanker Boracay, der auf der EU-Sanktionsliste steht, Ende September nahe der Insel Ouessant im Atlantik aufgehalten und den Kapitän zu einer Kursänderung Richtung Küste aufgefordert. Mehrere französische Soldaten gingen dann an Bord. Das Schiff ankerte mehrere Tage vor Saint-Nazaire, bevor es seine Fahrt fortsetzten durfte.

Mutmaßliche Verwicklung in Drohnen-Störfälle

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte den Fall als Beispiel dafür zitiert, wie westliche Staaten gegen die Schattenflotte vorgehen sollten. "Wenn wir die Schiffe mehrere Tage oder Wochen festhalten, (...) dann zerstören wir das Geschäftsmodell", sagte er. 800 bis 1.000 Schiffen sollen laut Macron die zur russischen Schattenflotte zählen. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte Frankreich wegen des Festhaltens des Tankers "Piraterie" vorgeworfen und Vergeltungsmaßnahmen angedroht.

Nicht Gegenstand des Gerichtsverfahrens waren Mutmaßungen, wonach die Boracay zuvor beim Passieren der dänischen Küste in Drohnen-Störfälle verwickelt gewesen sein könnte. Diese führten vor allem in Kopenhagen zu erheblichen Einschränkungen des Flugverkehrs. Die EU warnt schon länger davor, dass Schiffe der Schattenflotte als Plattform für den Start von Drohnen für Stör- oder Spionageangriffe genutzt werden können.

Nach Recherchen des US-Senders CNN befanden sich an Bord der Boracay zwei Russen, die für eine private russische Sicherheitsfirma mit Verbindungen zur Armee und zum Geheimdienst gearbeitet haben sollen. Entsprechende russische Sicherheitskräfte kämen auf etlichen Tankern der Schattenflotte zum Einsatz. Sie überwachten die Mannschaft der Schiffe und machten Fotos von europäischen militärischen Einrichtungen, berichtete CNN unter Verweis auf westliche Geheimdienstinformationen.

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