Der Ringconn Smart Ring Gen 3 überwacht Gesundheit, Schlaf und erkennt Anzeichen von Bluthochdruck und Schlafapnoe. Wie stark ist der Smart Ring ohne Abo?
Der Ringconn Smart Ring Gen 2 (Testbericht) gehörte im vergangenen Jahr zu den besten Oura-Alternativen auf dem Markt: herausragende Technik, lange Akkulaufzeit, Hinweise auf Schlafapnoe und präzise Messung – und das ganz ohne Abo. Der neue Ringconn Smart Ring Gen 3 legt nach und bringt eine spannende Neuerung: Hinweise auf erhöhten Blutdruck. Ob er dem teureren Oura Ring 5 (Testbericht) das Wasser reichen kann, zeigt dieser Test.
Design & Tragekomfort
Der Ringconn Smart Ring Gen 3 setzt wie sein Vorgänger auf ein spezielles Design. Außen folgt er keiner exakten Kreisform, sondern erinnert eher an ein Quadrat mit stark abgerundeten Ecken. Mit 2,3 mm an der dünnsten und 2,7 mm an der dicksten Stelle fällt er angenehm schlank aus – je nach Größe bringt er 2,5 bis 3,5 g auf die Waage. Erhältlich ist er in Gold, glänzendem Silber, mattem Schwarz sowie gebürstetem Silber oder Roségold.
Am Finger trägt er sich relativ bequem, wirkt aber verglichen mit dem neuen Oura Ring 5 deutlich dicker und klobiger – bedingt durch die leicht eckige Form und den potenten Akku. Man spürt ihn schon deutlich am Finger. Die obere Kante ist leicht abgeflacht und minimal eingedellt, was als praktische Orientierungshilfe dient: So findet man intuitiv die korrekte Trageposition, damit die Sensoren optimal auf der Fingerunterseite aufliegen.
Die Verarbeitung ist tadellos. Außen besteht der Ringconn Gen 3 aus Titan, innen aus hypoallergenem Epoxidharz – eine Kombination, die mechanische Stabilität mit geringem Gewicht verbindet. Wasserdicht ist er bis 10 ATM (100 m Wassersäule) und verträgt Chlor- sowie Salzwasser.
Nach dem Kontakt empfiehlt sich ein kurzes Abspülen mit Süßwasser, um Ablagerungen auf den Sensoren zu vermeiden, gefolgt von einem Abtrocknen gegen Feuchtigkeitsstau. Tenside in Seifenprodukten reduzieren die Oberflächenspannung des Wassers. Seifenrückstände sollte man daher zügig abspülen.
In der Sauna und im Dampfbad ist der Ring tabu, da extreme Hitze und Luftfeuchtigkeit den Akku und die Dichtungen schädigen können. Beim Krafttraining empfiehlt sich ebenfalls, ihn abzunehmen – Kratzer und im schlimmsten Fall Fingerverletzungen drohen sonst.
Zum Lieferumfang gehört ein solides Ladecase, das optisch an den Ring angelehnt ist: stark abgerundet, einem Quadrat angenähert und aus hochwertigem Metall gefertigt. Mit rund 64 mm Breite und 24 mm Höhe fällt es deutlich größer aus als das Pendant von Oura – bietet dafür aber auch einen größeren Akku.
Vor dem Kauf schickt Ringconn ein Probierset mit allen verfügbaren Größen von 6 bis 15. Den Dummy-Ring sollte man mindestens 24 Stunden tragen, da Finger im Tagesverlauf anschwellen können.
Ringconn Gen 3: Bilder aus dem Test
Einrichtung & App
Für den Betrieb ist die Ringconn-App erforderlich, die für iOS und Android verfügbar ist. Nach der notwendigen Kontoerstellung wird der Ring per Bluetooth gekoppelt – das geht schnell und unkompliziert.
Die App gliedert sich in fünf Bereiche: „Einblicke“ liefert eine kompakte Übersicht aller Gesundheitsdaten – von Schlafdauer und -qualität über Aktivitäten und Stresslevel bis hin zu Vitalwerten. „Entdecken“ zeigt die letzten Workouts sowie mögliche hinweise auf Schlafapnoe oder potenziellen Bluthochdruck. „Gesundheit“ bietet eine Gesamtübersicht mit einem Score von bis zu 100 Punkten sowie Trends aus Schlaf, Aufwachverhalten, Aktivitäten und Training. Unter „Planen“ lassen sich Ziele wie Schlafenszeiten oder Trainingseinheiten festlegen. Ring-Einstellungen und Ladestand finden sich unter „Profil“.
Laut Ringconn werden Konto- und Gesundheitsdaten getrennt gespeichert; der Datenverkehr ist verschlüsselt. Für europäische Nutzer sollen die Server in Großbritannien stehen. Eine unabhängige Prüfung der DSGVO-Konformität war im Test nicht möglich. Ein Restrisiko bleibt, da das Mutterunternehmen in China sitzt.
Aktivität & Tracking
Der Ringconn Gen 3 erfasst per optischen PPG-Sensoren kontinuierlich Herzfrequenz und die geschätzte Sauerstoffsättigung des Bluts (SpO2), misst Stress, zählt Schritte und erkennt Aktivitäten automatisch. Ein Drei-Achsen-Beschleunigungssensor liefert die Bewegungsdaten.
Die Schrittzählung überzeugte im Test mit hoher Genauigkeit, auch die Pulsmessung im Alltag funktionierte tadellos. Grob erfasst der Ring zudem Stehzeiten und schätzt den Kalorienverbrauch – Letzteres ist naturgemäß nur ein Richtwert. Im Hintergrund läuft eine kontinuierliche Hauttemperaturmessung.
Die automatische Trainingserkennung funktioniert zuverlässig. Die App schlägt die vermutete Sportart vor, die sich manuell anpassen lässt. Beim Training selbst zeigt der Ring jedoch Grenzen: Der Puls weicht bei wechselnden Belastungen deutlich von einem Brustgurt oder einer Sportuhr ab, besonders zu Beginn einer Einheit liegt er oft zu niedrig. Hier empfiehlt sich das Tragen am Zeigefinger – das liefert in der Regel genauere Werte. Im Alltag bevorzugen wir dagegen den Mittelfinger.
Neu ist ein Vibrationsmotor, der etwa bei drohenden Kopfschmerzen, zu hohem Puls oder zu wenig Bewegung dezent warnt und bei niedrigem Ladestand erinnert – zumindest in der Theorie. Im Test löste die Vibration fast nie aus - oder wir haben es schlicht nicht bemerkt. Eine Anbindung an Anrufe oder ein Wecker-Feature fehlt leider. In der Praxis bleibt diese Funktion damit wenig hilfreich.
Gesundheit & Schlaf
Der Kernfokus des Ringconn Gen 3 liegt auf der Gesundheitsüberwachung – und das macht er ziemlich gut. Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) dient als Schlüsselwert für die kontinuierliche Stress- und Erholungsanalyse, Bewegungs- und Schlafdaten fließen zu einem ganzheitlichen Bild zusammen.
Ein Algorithmus wertet Schlafphasen und Sauerstoffsättigung aus, um potenzielle Atemaussetzer frühzeitig zu erkennen. Die nächtliche Hauttemperatur gibt zudem Hinweise auf Infekte oder den Zyklus.
Die neue Gefäßgesundheitsanalyse kombiniert nächtliche Gefäßbelastungsmuster mit optional manuell eingetragenen Blutdruckwerten und Lebensstilfaktoren. Sie soll langfristige Trends sichtbar machen, ersetzt aber keine Blutdruckmessung mit Manschette.
Ebenfalls neu ist die Kopfschmerzerkennung: Der Ringconn kombiniert körpereigene Daten wie HRV und Schlafqualität mit dem barometrischen Luftdruck des Smartphones erkennt das System ein erhöhtes Risiko – etwa durch Wetterwechsel oder körperlichen Stress. Durch manuelles Protokollieren von Schmerzattacken lernt der Algorithmus individuelle Trigger mit der Zeit besser kennen.
Die Schlafanalyse unterteilt den Schlaf in die üblichen Phasen: REM, Tief- und Leichtschlaf sowie Wachphasen. Ein kleiner, aber störender Nebeneffekt: Die PPG-Sensoren leuchten nachts sichtbar – was einen selbst oder den Partner stören kann.
Die groben Schlafzeiten wirkten im Test plausibel, bei den einzelnen Phasen gab es jedoch Unstimmigkeiten. Im Vergleich mit dem mobilen EEG-Gerät Muse S Athena wich der Ringconn teils ab – besonders bei Tief- und REM-Schlaf. So erkannte er nicht immer, dass wir im Bett noch lasen und übersah gelegentlich frühmorgendliche Wachphasen. Das ist letztlich systembedingt: Ohne EEG arbeitet der Ringconn ausschließlich mit Puls- und Bewegungsdaten. Der Oura Ring wirkte hier etwas präziser – wobei das subjektiv bleibt.
Ringconn Gen 3: App
Akku & Laden
Der Ringconn Smart Ring Gen 3 gehört zu den smarten Ringen mit der besten Akkulaufzeit aus unseren Tests. Laut Hersteller sind bis zu zwei Wochen drin – im Test kamen wir auf rund zwölf Tage. Dabei hatten wir die Schlafapnoe-Überwachung aktiviert, die den Akku etwas schneller leert.
Geladen wird der Ring im praktischen Ladecase mit integriertem Akku. Laut Hersteller kann das Case den Ring bis zu 15-mal aufladen – praktisch für unterwegs. Das Case selbst ist nach rund 90 Minuten vollständig geladen, der Ring darin nach ebenfalls 90 Minuten.
Preis
Der Ringconn Smart Ring Gen 3 hat eine UVP von 369 Euro in den Farben Silber (glänzend), Gold und Schwarz. Die Variante in Brushed Silver oder Brushed Roségold schlägt mit 389 Euro zu Buche. Ein stattlicher Preis – der aber unter dem des Oura Ring 5 liegt und zudem ohne Abo auskommt. Die Straßenpreise bewegen sich derzeit noch auf UVP-Niveau.
Fazit
Der Ringconn Smart Ring Gen 3 ist ein hervorragender Smart Ring und eine überzeugende Alternative zum Oura Ring. Design und Ladecase sind gelungen, die Akkulaufzeit herausragend. Die Gesundheitsüberwachung liefert ein solides Gesamtbild – inklusive Schlafauswertung. Der Ring liefert Hinweise auf Gefäß- und Blutdrucktrends sowie auf mögliche Atemunterbrechungen im Schlaf, wenngleich ohne medizinische Zertifizierung.
In einigen Punkten kann der Ringconn jedoch nicht ganz mithalten. Die Schlafanalyse ist nicht immer treffsicher, die Pulsmessung beim Sport erreicht nicht das Niveau einer Sportuhr. Trotz des schlanken Gehäuses ist der Ring am Finger spürbar – deutlicher als der Oura Ring. Der neue Vibrationsmotor fiel im Test kaum auf und blieb in vielen Situationen schlicht unauffällig.
Wer einen starken Smart Ring ohne Abo sucht, kommt am Ringconn Smart Ring Gen 3 dennoch nicht vorbei – er ist derzeit die beste Wahl abseits von Oura.












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