Vulkane, riesige Grabenbruchsysteme: Auf unserem Nachbarplaneten Venus gibt es tektonische Aktivität – sogar recht viel, wie eine aktuelle Studie nachweist.
Auf der Venus gibt es riesige Grabenbrüche, vergleichbar etwa dem Oberrheingraben in Südwestdeutschland oder dem Ostafrikanischen Graben. Auf der Venus sind diese Grabensysteme 10.000 Kilometer lang. Bislang ging die Wissenschaft davon aus, dass sie über 100 Millionen Jahre alt sind. Nach der Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Geoscience erschienen ist, sind sie wahrscheinlich deutlich jünger und verändern sich immer noch.
Das Team um Geophysiker Taras Gerya hat die Gräben hochaufgelöst und dreidimensional mit einem Computermodell simuliert. Bei diesen thermomechanischen Simulationen werden Temperatur, Gesteinsfestigkeit und Verformung gemeinsam berechnet.
In den Modellen bildeten sich an den Rändern junger Grabenbrüche der Flanke steile, breite Erhebungen, Riftflanken genannt. Diese sind ein Zeichen dafür, dass es in den Gräben noch geologische Aktivität gibt oder bis vor kurzer Zeit gegeben hat.
Ältere Flanken sind flacher
In älteren Gräben hingegen sind die Riftflanken weniger steil und breit. Sobald die Aktivität nachlässt, lässt die Spannung in der Planetenkruste nach. Dann senken sich die Flanken ab.
Die von dem Modell errechneten Formationen lassen sich auch auf der Venus nachweisen: Auf Bildern, die die Venussonde Magellan in den 1990er-Jahren aufnahm, sind die hohen und breiten Riftflanken zu sehen.
Aus ihren Simulationen sowie den Beobachtungsdaten schließt das Team, dass die Venus bis heute ein aktiver Planet ist. Laut den Simulationen öffnen sich die Gräben mit einer Geschwindigkeit von 3 bis 10 Zentimetern pro Jahr. „Die Ergebnisse helfen, die tektonische Aktivität der Venus besser einzuschätzen“, sagte Gerya.
Harsche Bedingungen
Auch wenn sich die Aufmerksamkeit eher auf den Mars richtet, ist die Venus der Planet, der der Erde am nächsten ist. Allerdings herrschen dort harsche Bedingungen: Auf der Oberfläche herrschen Temperaturen von über 450 Grad Celsius und ein Druck von 92 Bar – das entspricht auf der Erde dem Druck in 900 Metern Wassertiefe.
Lange Zeit ging die Forschung davon aus, dass es auf der Venus keine tektonischen Aktivitäten gibt. Inzwischen wurden die Daten von Magellan in mehreren Studien ausgewertet, die zum Schluss kamen, dass der Planet doch noch aktiv ist. Unter anderem fanden Forscher Hinweise auf zwei Vulkanausbrüche.
In den kommenden Jahren sollen mehrere Missionen zur Venus fliegen. Darunter ist die europäische Mission Envision, die voraussichtlich 2031 starten soll. Der Geophysiker Gerya arbeitet an der wissenschaftlichen Ausstattung der Sonde mit. Vorher wollen Indien und die USA Venusmissionen auf den Weg bringen. Die Vereinigten Arabischen Emirate planen einen Vorbeiflug einer Raumsonde an dem Planeten auf dem Weg zum Asteroidengürtel.
(wpl)












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