In dem laufenden Rechtsstreit zwischen Apple und OpenAI legt OpenAI mit einem Blogpost nach, der den ChatGPT-Entwickler offenbar von den Vorwürfen Apples reinwaschen soll. Der iPhone-Hersteller wirft OpenAI in seiner Klage den Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen vor. OpenAI habe beim Abwerben von 400 Mitarbeitern teilweise auch gleich geheime Apple-Informationen „mitgekauft“ – so Apples Sichtweise.
Unter der Überschrift „Apple macht hier einen Fehler“ („Apple is getting this wrong“) nennt OpenAI die Klage „fahrlässig, aggressiv und seltsam persönlich“. In dem Blogpost werden iMessage-Nachrichten und E-Mail-Korrespondenzen öffentlich gemacht, die Apples Darstellung widerlegen sollen.
Namen des Juristen verwechselt?
Unter anderem geht es in der Entgegnung um einen Kontaktversuch Apples im Februar. Apple behauptete, keine Antwort erhalten zu haben. OpenAI argumentiert, dass Apples externe Anwälte aufgrund einer Verwechslung zweier asiatischer Nachnamen die falsche Person angeschrieben hätten. Später habe Apple nur mitgeteilt, dass man dabei sei, „etwaige Probleme zu klären“ – die konkreten Vorwürfe der späteren Klage seien aber nie angesprochen worden. Nach fünf Monaten Funkstille flatterte dann direkt die Klage ins Haus. Über Apples Antrag auf eine einstweilige Verfügung ist bislang nicht entschieden.
Konter gibt OpenAI Apple auch bei den konkreten Vorwürfen gegen Ex-Beschäftigte. Apple wirft dem ehemaligen Mitarbeiter Chang Liu vor, nach seinem Ausscheiden auf vertrauliche Apple-Informationen zugegriffen zu haben. OpenAI will nun mit einem iMessage-Chatverlauf beweisen, dass Apple-Mitarbeiter selbst Liu um Hilfe bei der Suche nach diesen Informationen gebeten hätten. Folglich habe man bei Apple auch gewusst, dass dieser noch Dateien einsehen konnte. Dass dieser immer noch teilweise Zugriff auf Dateien bei Apple nehmen konnte, sei laut OpenAI ein bekanntes und hausgemachtes Apple-Problem beim Management der Systemzugriffe.
Sicherheitslücke oder Nachlässigkeit?
Ein Bericht von „The Information“ liefert weitere Hintergründe: Demzufolge ermutige Apple neue Mitarbeiter, ihre private Apple-ID für den dienstlichen iCloud-Account zu nutzen, da iPhones nur eine primäre Apple-ID gleichzeitig unterstützen. Bei Kündigung würden zwar der Apple-Work-Ordner sowie Slack-Zugänge gesperrt, aber viele geteilte Dateien lägen außerhalb des geschützten Ordners und seien mit privaten Fotos und Dokumenten vermischt. „The Information“ berichtet, dass über ein Dutzend Ex-Mitarbeiter der letzten zehn Jahre davon betroffen gewesen seien. Liu war vorgeworfen worden, eine „seltene, bislang unbekannte“ Sicherheitslücke ausgenutzt zu haben, um auf Dateien zuzugreifen. Apple erklärte, dass die Klage sich nicht auf versehentlich über iCloud mitgenommene Dateien beziehe.
Auch im Falle des Ex-Apple-Mitarbeiters Tang Tan erklärt OpenAI, dass dieser nach 24 Jahren Tätigkeit beim iPhone-Hersteller keine vertraulichen Informationen anderer Firmen genutzt habe. Tang Tan war als ranghöchster Überläufer von Apple zu OpenAI einer der Hauptgründe für Apples ursprüngliche Klage.
Zuvor hatte sich bereits OpenAI-Präsident Greg Brockman in einem Interview zur Klage Apples geäußert. Er erklärte, dass OpenAI selbst innovativ genug sei und keine Geschäftsgeheimnisse anderer Firmen benötige. OpenAI arbeitet bekanntlich an eigener KI-Hardware. Laut Gerüchten könnte es sich um einen Smartspeaker oder ein Handy handeln. Für Schlagzeilen sorgte das Unternehmen erwartungsgemäß, als es Apples früheren Designchef Jony Ive für sein Hardware-Vorhaben anheuerte.
(mki)












English (US) ·