So viel Aufmerksamkeit wie dieser Tage wurde Tobias Korenke zeit seines Berufslebens wohl kaum zuteil, obwohl sein Job die Kommunikation ist. Doch als PR-Berater und langjähriger Pressechef der Funke Mediengruppe war er der Mann im Hintergrund; ein ausgleichender, höflicher, kluger, zurückhaltender Typ der leiseren Töne in einer Branche, in der Krawall nichts Seltenes ist.
Am vergangenen Montag ist Korenke, der sich inzwischen bei der gemeinnützigen Organisation „Yeswecan!cer“ engagiert und Vorstand der Erinnerungs- und Begegnungsstätte Bonhoeffer-Haus ist, aus sich herausgegangen. Vor dem Beginn der Veranstaltung zum Gedenken an die Widerstandskämpfer des 20. Juli im Ehrenhof des Bendlerblocks in Berlin (zu dem er gemeinsam mit anderen einen Gastbeitrag in der F.A.Z. veröffentlichte), trat er hervor, um den Kranz der AfD zu entfernen. Denn der, wusste der Großneffe des Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer und Enkel von Rüdiger Schleicher, die beide von den Nazis ermordet wurden, gehörte dort nicht hin.
Der Trauerkranz einer, wie Korenke im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagt, „antidemokratischen“ Partei, „die den Nationalsozialismus relativiert“, gegen den die an diesem Tag Geehrten Widerstand leisteten und dafür mit ihrem Leben bezahlten, kann nur als Verhöhnung aufgefasst werden. „Dieser Kranz ist falsch“, sagt Korenke und ruft dazu auf, der AfD bei jeder Gelegenheit laut und deutlich zu widersprechen und zu zeigen, „dass wir uns diese wunderbare Demokratie von der AfD nicht nehmen lassen, niemals. Das kann jeder von uns.“
„Ich habe das Richtige getan“
Dass er bei seinem Versuch, den AfD-Kranz zu entfernen, gestoppt und des Platzes verwiesen wurde, sei rechtlich völlig in Ordnung, so Korenke. Doch ist er der Überzeugung: „Ich habe das Richtige getan.“ Und das würde er wieder tun. Das habe nichts Heroisches, das sei etwas ganz Normales, das jede und jeder zu jeder Zeit tun könne, damit Widerstand, wie Menschen ihn am 20. Juli 1944 bei dem versuchten Attentat auf Hitler leisteten, nie wieder notwendig sei. Unseren Rechtsstaat sollten wir auf ganz andere Weise feiern und hervorheben, als wir das bisher getan haben, meint der frühere Funke- Kommunikationschef noch.
So setzte er am 20. Juli 2026 ein Zeichen gegen eine Partei, deren Macht- und Umsturzgeilheit und Faschismusaffinität jeden Tag stärker zum Ausdruck kommt. Einen Hammer brauchte er dafür nicht, den Verweis auf die moralische Niedertracht der AfD versteht jeder. Die Welle der Zustimmung, die er erfahre, sei ihm fast unheimlich, sagt Korenke. Sie kann gar nicht groß genug sein. Er hat das Richtige getan. Der Kranz kann weg.

vor 3 Stunden
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