Mehrere Studierende und Professoren sehen sich von der Columbia University diskriminiert. Die Hochschule habe nach Beginn des Gazakriegs zu wenig für ihren Schutz getan.
Quelle: DIE ZEIT, Reuters, ale 12. August 2026, 11:11 Uhr
Mehrere palästinensischstämmige Angehörige der Columbia University haben die Hochschule wegen Diskriminierung verklagt. Die fünf Klägerinnen und Kläger, zu denen derzeitige sowie ehemalige Lehrende und Studierende gehören, sehen sich von der New Yorker Universität im Zuge von Protesten gegen den Gazakrieg benachteiligt.
Die Hochschule habe nach dessen Beginn im Oktober 2023 nicht genug getan, um sie vor einem feindlichen und diskriminierenden Umfeld zu schützen, heißt es in der Klage. Auch werfen sie der Universität vor, Diskriminierung gegen Studierende und Bedienstete mit palästinensischem Hintergrund »aktiv gefördert« zu haben.
So habe eine 2024 eingerichtete Antidiskriminierungsstelle den Klägern zufolge vor allem palästinensischstämmige Studierende und Mitarbeiter ins Visier genommen. Dafür habe die Teilnahme an propalästinensischen Protesten oder das Tragen der als »Palästinensertuch« bezeichneten Kufiya ausgereicht. Das traditionelle Kleidungsstück ist in den vergangenen Jahren zu einem international populären Symbol für die Unterstützung Palästinas geworden.
Kläger sehen sich von Antidiskriminierungsstelle missachtet
Die Antidiskriminierungsstelle habe sich bei ihren Untersuchungen auf die Antisemitismusdefinition der Internationalen Allianz zum Holocaustgedenken (IHRA) berufen, heißt es in der Klage laut einem Bericht der New York Times. Demnach argumentieren die Kläger, nach dieser Definition werde nicht zwischen Israelkritik und Antisemitismus unterschieden.
In der Definition, der sich 2017 auch Deutschland etwa im Hinblick auf Bildungsarbeit und Strafverfolgung angeschlossen hat, wird beispielsweise als antisemitisch bezeichnet, Juden für Handlungen Israels pauschal verantwortlich zu machen. Als antisemitisch wird auch beschrieben, das Recht des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung abzuerkennen.
Auch sehen sich die Kläger bei konkreten Vorfällen persönlich diskriminiert. Eine der Klägerinnen wirft der Universität laut dem Bericht der New York Times beispielsweise vor, keine Unterstützung erhalten zu haben, nachdem sie während einer Protestaktion im Januar 2024 mit einer übel riechenden Flüssigkeit beworfen worden sei. Der Angreifer habe hingegen fast 400.000 Dollar an Entschädigung dafür erhalten, nachdem er gegen seine Suspendierung infolge des Übergriffs geklagt habe.
Hintergrund sind Proteste an zahlreichen US-Hochschulen, darunter an der Columbia University, gegen den Gazakrieg. Die Protestierenden hatten ein Ende der US-Unterstützung für Israel gefordert. Auch forderten sie die Hochschulen auf, keine Zuwendungen von Unternehmen anzunehmen, die Israel unterstützten.
Am Rande der Proteste kam es auch zu Besetzungen sowie antisemitischen Übergriffen. Im Mai 2025 suspendierte die Columbia University 65 Studierende, die sich an der Besetzung der Hochschulbibliothek beteiligt hatten.
US-Regierung setzt Universitäten finanziell unter Druck
Die Proteste wurden nachträglich von Druck überschattet, den die US-Regierung von Präsident Donald Trump nach dessen Amtsantritt auf mehrere renommierte Hochschulen ausübte. Unter dem Vorwand, die Universitäten würden Studierende ideologischer Indoktrinierung unterziehen, bedrohte die Regierung die Finanzierung der Hochschulen.
Der Columbia University wurden damals Mittel gestrichen, weil die Hochschule bei den Protesten Antisemitismus geduldet habe. Im vergangenen Jahr stimmte die Hochschule einem Vergleich zu, in dessen Rahmen sie gegen die Zahlung von 200 Millionen Dollar den Zugang zu den meisten zuvor gestrichenen Mitteln wieder erhielt.
Kritiker der US-Regierung werfen ihr vor, die Antisemitismusvorwürfe nur als Vorwand genutzt zu haben, um politisch unliebsame Universitätsführungen unter Druck zu setzen und staatliche Eingriffe in Lehrpläne zu erzwingen.

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