In der Bäckerei Breitner in Pfaffenhofen an der Ilm ist der Ablauf seit über einem halben Jahrhundert derselbe: Ein Kunde bestellt ein halbes Brot, der Verkäufer teilt einen ganzen Laib in der Mitte und berechnet die Hälfte des Preises.
So ging es 66 Jahre lang. Dann wog ein Kunde seine Brothälfte zu Hause nach.
»Seine Hälfte war angeblich zehn Gramm zu leicht«, sagt Matthias Breitner, Bäckermeister und Konditor, der »Bild« . Zehn Gramm – das entspricht weniger als einer halben Scheibe Brot. Der Kunde fühlte sich dennoch betrogen. Für die Hälfte eines Mischbrots hatte er 2,40 Euro bezahlt, exakt die Hälfte des Preises für den ganzen Laib.
Zunächst erreichte Breitner eine anonyme E-Mail. Der Bäcker antwortete auf das Schreiben »ein bisschen lapidar«: »Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man. Beim nächsten Mal sind es bestimmt zehn Gramm mehr.« Im Nachhinein sagt er: »Das war wahrscheinlich mein Fehler.«
Fertigpackungsverordnung als Grundlage
Tatsächlich kam die Nachricht offenbar nicht gut an. Der Kunde schaltete daraufhin die Behörden ein. Wenig später untersagte das Eichamt Breitner, halbe Brote weiterhin auf die übliche Art und Weise zu verkaufen.
Stattdessen soll nun die Hälfte gewogen werden, wenn ein ganzes Brot zum Kilopreis angeboten und erst auf Wunsch des Kunden geteilt wird. Der Preis wird nach dem tatsächlichen Gewicht berechnet.
Grundlage ist die seit 2020 geltende Fertigpackungsverordnung, kurz FPackV. Sie unterscheidet zwischen einem Brot, das bereits vor dem Verkauf geteilt und ausgezeichnet wurde, und einem Laib, der erst an der Ladentheke durchschnitten wird. Im ersten Fall muss der Bäcker nicht nachwiegen, im zweiten schon.
Breitner hätte die Laibe also vorab teilen und die Hälften einzeln verkaufen können. Das wollte er nicht: »Dutzende halbe Brote, die dann über den Tag antrocknen, will ich mir nicht ins Regal legen.«
Stattdessen schaffte der Bäcker neue Waagen für seine Filialen an. Die Umstellung kostete ihn nach eigenen Angaben 15.000 Euro.
Andere Bäcker reagieren auf Vorfall
»Das Geld hole ich mit dem halben Brot nie wieder rein«, sagt Breitner. Seine Kunden will er trotzdem nicht zum Kauf eines ganzen Laibs zwingen. Die Preisunterschiede seien gering: »Es spielt sich im Drei-Cent-Bereich ab, wie viel die Leute jetzt mehr oder weniger für ihr halbes Brot zahlen müssen.«
Der »Bild« zufolge fragen Kunden inzwischen, ob sie ein halbes Brot auch kaufen dürften, wenn sie schriftlich auf das Wiegen verzichten. Andere Bäcker in Pfaffenhofen verkaufen nach Breitners Angaben nur noch ganze Brote, um Ärger mit dem Eichamt zu vermeiden. Bei Breitner bleibt es beim halben Laib – allerdings erst nach dem Wiegen.

vor 1 Woche
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