Drohte die US-Regierung dem Vatikan, um Papst Leo XIV. auf Linie zu bringen? Entsprechende Berichte sorgen gerade für Aufruhr in der katholischen Kirche. Auch wenn der Heilige Stuhl dementiert.
Hintergrund ist ein Treffen im Januar zwischen dem damaligen Papstbotschafter in den Vereinigten Staaten, Christophe Pierre, mit dem Unterstaatssekretär für US-Verteidigungspolitik, Elbridge Colby. Berichten zufolge versuchte Washington dabei, den Papst und die katholische Kirche dazu zu bringen, sich der außen- und sicherheitspolitischen Linie Donald Trumps anzuschließen.
Denn die US-Regierung hat ein Problem mit dem Vatikan. Zwar ist Leo der erste US-Papst. Das bedeutet aber nicht, dass er die Politik aus Washington gutheißt: Sowohl der Pontifex selbst als auch sein Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hatten angesichts der Militärintervention in Venezuela und nicht zuletzt im Krieg gegen Iran offen das Völkerrecht angemahnt . Für Trump offensichtlich ein Affront.
Offenbar Verweis auf »Papsttum von Avignon«
Colby soll bei dem Treffen mit Pierre, bei dem der Irankrieg noch gar nicht losgebrochen war, auf Trump-Art deutlich gemacht haben, dass die USA in der Welt tun könnten, was sie wollen.
Ein anwesender US-Beamter soll sogar auf das »Papsttum von Avignon« verwiesen haben. Im 14. Jahrhundert brachte die französische Krone den Papst unter ihren Einfluss und verlagerte seinen Sitz ins französische Avignon. Damit versuchte das Königreich, den Heiligen Stuhl politisch zu instrumentalisieren. Später war in diesem Kontext vom »Papsttum von Avignon« die Rede.
Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von X.com, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.
{$dispatch('toggle')}, 250);">
Externen Inhalt anzeigen
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Droht die US-Regierung dem Vatikan also mit einem ähnlichen Szenario? Zumal viele von Trumps Anhängern offen ihren Glauben ausleben. Vizepräsident JD Vance konvertierte sogar zum Katholizismus und stattete Papst Leo einen öffentlichkeitswirksamen Besuch ab. Laut dem Journalisten Mattia Ferraresi, der über den Termin berichtet hatte, handelt es sich weniger um eine tatsächliche Drohung denn um eine unglückliche Bemerkung.
Der Vatikan dementierte die Berichte ohnehin bereits. »Das Narrativ einiger Medienorgane über die Begegnung entspricht definitiv nicht der Wahrheit«, sagte Vatikansprecher Matteo Bruni. Das Treffen sei vielmehr Teil der regulären Mission des päpstlichen Vertreters gewesen. Und weiter: »Es war Gelegenheit für einen Meinungsaustausch über Fragen von wechselseitigem Interesse.«
Die Berichte und die Reaktionen verdeutlichen aber, wie angespannt die Beziehungen zwischen Washington und dem Vatikan sind.

vor 2 Stunden
2








English (US) ·