Ostsee-Wal-News heute: »Todkrankes Tier lediglich an einem anderen Ort«

vor 2 Tage 3

Greenpeace-Meeresbiologe: »Todkrankes Tier lediglich an einem anderen Ort«

Viele Fachleute zweifeln, ob der Transport des Buckelwals zurück in die Nordsee im Sinne des Tieres war. »Am Ende dieses umstrittenen Rettungsversuchs findet sich ein todkrankes Wildtier lediglich an einem anderen Ort«, sagte Meeresbiologe Thilo Maack von der Umweltschutzorganisation Greenpeace SPIEGEL-Reporter Jonathan Stock.
 
Maack weiter: »Der Buckelwal wurde in einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas ausgesetzt und seinem Schicksal überlassen. Wir können den Wunsch, dem Tier zu helfen, nachvollziehen, schätzen seine Überlebenschancen aber als minimal ein.  Angesichts des hohen öffentlichen Interesses und der deutlichen Kritik vieler Expert:innen an dieser selbst erklärten Rettungsinitiative gehören die Trackingdaten und damit der Aufenthaltsort des Wals einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nur so wird transparent, ob sich das Leiden des Wals auf dieser Reise gelohnt hat.« 

Es sei ermutigend zu sehen, »wie viele Menschen in Deutschland und aller Welt sich um das Schicksal dieses Meeressäugers sorgen. Diese Aufmerksamkeit sollte jetzt genutzt werden, um Wale und die Meere insgesamt besser zu schützen. Ein erster wichtiger Schritt wäre ein konsequentes Fischereiverbot in Schutzgebieten, auch und gerade in der Ostsee.«  

Die Bilder vom Waltransport:

Schlepperschiff vor Skagen

Laut der Plattform »Vesselfinder« befindet sich das Schiff, das die Barge zuletzt gezogen hat, die »Fortuna B«, weiterhin nördlich von Skagen. 

Unstimmigkeiten im Rettungsteam 

Vor der Freilassung des Wals gab es offenbar Spannung innerhalb der privaten Walinitiative. So sagte etwa die Tierärztin Kirsten Tönnies, die den Wal zuletzt betreut hatte, SPIEGEL-Reporter Jonathan Stock, sie sei zuletzt nicht mehr zu dem Wal gelassen worden. 

Ähnliches berichtet Schriftsteller Sergio Bambarén. »Ich bin sehr wütend und fühle mich getäuscht«, schrieb er am Freitag bei Instagram. Ihm sei aus gesundheitlichen Gründen nicht erlaubt worden, auf der Barge mitzureisen, in der der Wal transportiert wurde. Dabei wolle ihn das Team explizit dabeihaben. »Aber es gibt keine Möglichkeit, die Barge zu erreichen und niemand übernimmt Verantwortung«, beschwerte sich Bambarén. 

Der Buchautor aus Peru ist eine der schillerndsten Figuren der privaten Walinitiative – und umstritten. Die hawaiianische Tierärztin, Jenna Wallace, die kurzzeitig eigens nach Poel gereist war, warf ihm etwa vor, eine vorherige Aktion sabotiert zu haben, bei der der Wal in tiefere Gewässer gelotst werden sollte. 

Das sagt Backhaus über die Freilassung 

»Ich habe von Beginn an gesagt, dass wir den Wal begleiten werden – und genau das haben wir nach bestem Wissen und Gewissen getan«, sagte Till Backhaus nach der Freilassung des Wals. Der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern hat sich für den Wal so eingesetzt, wie wohl kein Politiker zuvor für ein wildes Tier. Über Wochen war der SPD-Politiker vor Ort, stieg zu dem Meerstier ins Wasser. 

»Wir haben diesen Rettungsversuch, der in dieser Form einmalig in Deutschland ist, erfolgreich begleitet und damit auch ein Stück Geschichte geschrieben«, erklärte Backhaus weiter. »Jetzt kommt es darauf an, dass uns die Daten des Peilsenders zügig zur Verfügung gestellt werden, damit wir die weitere Reise des Wals nachvollziehen können.« 

Wie ihm das Engagement politisch helfen könnte (Stichwort Wahl, nicht Wal), lesen Sie hier: 

Bisher keine Senderdaten

Der mehrfach an Ostseeküsten gestrandete Buckelwal ist wieder im offenen Meer – in welche Richtung er schwimmt, blieb zunächst aber unklar. »Peildaten sind bei der Initiative mehrfach angefordert worden. Bislang haben wir nichts«, teilte Eva Klaußner-Ziebarth, Sprecherin des Umweltministeriums in Mecklenburg-Vorpommern, mit. Die Fachleute hätten gerade noch mal um die Herausgabe der Daten bis heute Mittag gebeten. 

Wal hat laut Initiative während Transports kleinere Blessuren erlitten

Karin Walter-Mommert von der privaten Rettungsinitiative hat der Nachrichtenagentur AFP gegenüber gesagt, dass der Wal zumindest nach Verlassen der Barge in die »richtige Richtung« unterwegs gewesen sei. Er schwamm demnach zunächst nach Nordwesten, was der beste Weg sei, um die norwegische Westküste zu erreichen und sich entlang dieser Küste dann in Richtung Arktis zu bewegen. 

Beeinträchtigungen seien nicht zu erkennen gewesen. Das Tier habe aber bei schwerer See in dem Lastkahn zuvor kleinere Blessuren erlitten, die aber nicht schwerwiegend seien. Der Kurs des Wals solle per GPS-Signal weiter verfolgt werden. Das Verlassen des Lastkahns erfolgte demnach offensichtlich relativ unvorbereitet. Eigentlich sei noch einmal eine Untersuchung des Tiers geplant gewesen. 

Es hat offenbar von der privaten Initiative niemand mitbekommen, wie der Wal aus der Barge geschwommen ist. Irgendwann war er halt nicht mehr da. Es gibt demnach auch keine Bilder von diesem Moment. 

Im Livestream von News5 wird unter Verweis auf eine Person, die vor Ort war, berichtet, dass der Wal selbstständig aus der Barge geschwommen ist. 

Freisetzung nicht gleich Rettung

Als gerettet gilt der Wal auch nach dem Freisetzen nicht. Nach der langen Liegezeit ist es laut Meeresbiologen fraglich, ob der Wal noch normal schwimmen und tauchen könne. Auch die Frage, ob der Wal fressen könne, stelle sich wegen der in seinem Maul gefundenen Netzteile. Der Wal sei allen Anzeichen nach alles andere als fit, sagte Meeresbiologie Fabian Ritter gegenüber der dpa. 

Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betonte: »Von einer Rettung kann man erst sprechen, wenn sich der Wal zurück im Nordatlantik befindet und dort langfristig überlebt; sich seine Haut wieder vollständig erholt hat; er wieder eigenständig auf Nahrungssuche geht und an Gewicht zunimmt und seinem natürlichen Verhalten nachgeht.« 

Nach Einschätzung unter anderem von WDC und Internationaler Walfangkommission (IWC) hat der Wal kaum langfristige Überlebenschancen. Ohne funktionierenden Sender droht allerdings unbemerkt zu bleiben, würde das geschwächte Tier binnen Tagen oder Wochen nach dem Freisetzen verenden. 

Auf News5-Drohnenaufnahmen war zeitweise ein im Wasser schwimmender Wal zu erkennen – ob es sich tatsächlich um das freigesetzte Tier handelte, ließ sich nicht gesichert sagen. 

Ob es Senderdaten gebe, sei bisher unklar, sagte Jens Schwarck,  Mitglied der privaten Initiative und beim Transport mit dabei, der Deutschen Presse-Agentur.

Es gab zudem keine Angaben dazu, in welchem Zustand sich das Tier befand und wie genau es von Bord schwamm oder bugsiert wurde. 

Noch ist nicht sicher, ob der Wal aus freien Stücken aus der Barge geschwommen ist oder ob Menschen nachgeholfen haben.  

Der Wal ist frei

Der Buckelwal ist nach Angaben aus dem Team der verantwortlichen Privatinitiative und nach Bildern des Livestream-Anbieters News5 in der Nordsee freigesetzt worden. Er sei gegen neun Uhr nicht mehr im Lastkahn gewesen, sagte ein Teammitglied. 

Konvoi weiter unterwegs – Berichte über missglückten Freisetzungsversuch 

Auch am frühen Samstagmorgen ist der Schiffskonvoi in der Nordsee weiter auf Kurs. Der Schlepper, die sogenannte Barge mit dem Wal sowie das Begleitschiff fuhren weiterhin nördlich der nördlichsten Spitze Dänemarks in Richtung Norwegen, wie beim Schiffsortungsdienst Vesselfinder zu beobachten war. 

Am Freitagabend gab es offenbar zumindest von einzelnen Helfern den Versuch, den Wal ins Wasser zu entlassen. Es ist demnach unter anderem versucht worden, den Wal mit einem an der Fluke (Schwanzflosse) befestigten Seil aus der Barge zu holen. Im Livestream von News5 sprach der Reporter von »Unstimmigkeiten innerhalb der Initiative«. Von den Aktivisten gab es hierzu keine Auskunft. 

Konvoi nun bei einsetzender Dunkelheit unterwegs

Der Schiffskonvoi fährt kurz vor Sonnenuntergang auf Kurs im Skagerrak genannten Teil der Nordsee. Der Schlepper, die Barge mit dem Wal sowie das Begleitschiff fuhren am Abend nördlich der nördlichsten Spitze Dänemarks zunächst in Richtung Norwegen. Die Freisetzung des Buckelwals soll an einem öffentlich nicht bekannten Ort in der Nordsee erfolgen.

Schlauchboot an der Barge im Einsatz

Der Wal hat sich mittlerweile mehrfach bis zum hinteren Ende der Barge bewegt - so, als wollte er aus ihr herausschwimmen. Dafür ist es auf der Fahrt Richtung Atlantik aber noch zu früh. Ein Schlauchboot mit zwei Personen an Bord hat zwischenzeitlich den offenen Teil der Barge abgesichert, um den Buckelwal am vorzeitigen Verlassen zu hindern. 

Hannah Pilarczyk

Redakteurin Meinung

Hannah Pilarczyk

Wal-Konvoi steuert wieder Richtung Nordsee

Der Schiffskonvoi mit dem gestrandeten Buckelwal nähert sich wieder dem Übergang zur Nordsee. Der Schlepper, die Barge mit dem Wal und das Begleitschiff fuhren am Nachmittag stetig Richtung Norden, meldet die Nachrichtenagentur dpa. Die Freisetzung des Wals erfolgt deshalb womöglich doch, wie ursprünglich geplant, in der Nordsee.

Zur Vorbereitung auf die Freilassung wird das Becken mit dem Wal immer weiter mit Wassern gefüllt. Das Tier scheint darauf zu reagieren und wechselt seine Position immer wieder leicht. Wann es zur Freilassung kommt, ist aber weiterhin offen. 

Laut dem Livestream von News5 soll der Wal bald freigesetzt werden. Aktuell fährt das Schiff demnach in tieferes Gewässer, um den Buckelwal ins Wasser zu entlassen. 

Das Sicherungsnetz an der Barge ist entfernt worden. Das ist auf einem Liveblog von News5 zu sehen. Das könnte ein Hinweise darauf, dass der Wal nun demnächst wegen des starken Wellengangs schom freigesetzt wird, bevor er sich in der Nordsee befindet. 

Wal könnte wegen Wellen bald freigesetzt werden 

Dem Buckelwal könnte demnächst das Freisetzen bevorstehen. In den späten Nachmittagsstunden werde der Wal möglicherweise entlassen, sagte Jens Schwarck, Mitglied der privaten Initiative und beim Transport mit dabei, der Nachrichtenagentur dpa. 

»Das ist aber noch in Abstimmung.« Aktuell werde versucht, den Sender am Tier anzubringen. »Es wird außerdem vorbereitet, dass das Netz relativ schnell entfernt werden kann für den Fall, dass der Wal aus der Barge entlassen werden muss, weil er sich nicht wohlfühlt oder weil es zu gefährlich für ihn ist.«

Aktuell befindet sich der Schlepper mit der angehängten Barge wegen des schlechten Wetters noch ein Stück vor dem nördlichen Ende Dänemarks und damit noch in der Ostsee. Bei dem hohen Wellengang sei das Verletzungsrisiko für den Wal in der Barge groß, hieß es aus dem Team der Initiative. 

Waltransport fast in der Nordsee, aber Schiff dreht offenbar ab 

Das Transportschiff mit dem vor Mecklenburg-Vorpommern gestrandeten Buckelwal hat nach tagelanger Reise nun fast die Nordsee erreicht. Laut dem Schiffs-Ortungsdienst Vesselfinder befand es sich am frühen Morgen etwa 11 Seemeilen (rund 20 Kilometer) vom nördlichsten Punkt Dänemarks entfernt. Dort, nahe der Stadt Skagen, fließen Kattegat und Skagerrak zusammen, weshalb auch vom Eingang zur Nordsee gesprochen wird.

Über Tracking-Dienste ist jedoch zu erkennen, dass das aktuell Schiff abdreht. Wie mehrere Medien berichten, orientiert es sich aktuell Richtung Süden, um einem Sturmgebiet und hohen Wellen auszuweichen. 

Leseempfehlung: Wann steht fest, ob der Wal gerettet ist?

Der Buckelwal könnte schon heute Nachmittag freigelassen werden, heißt es von der privaten Initiative, die den Transport organisiert. Man befinde sich aber noch in Abstimmung. Aktuell werde versucht, den Sender am Tier anzubringen. Und dann?

Meine Kollegin Julia Köppe hat aufgeschrieben, wie die Überlebenschancen des Tiers eingeschätzt werden und wann feststeht, ob die Rettung geglückt ist.

Wal-Transportschiff kommt nicht weiter 

Der Kapitän des Begleitschiffs »Robin Hood« hat dem NDR bestätigt, dass der Transport sich aktuell aufgrund der Wetterlage verzögert. Nach Angaben von Teammitgliedern der privaten Initiative für den Transport wird am Vormittag beraten, wie es weitergehen soll. 

Zu den Möglichkeiten zählt demnach, an ruhigerer Stelle auf besseres Wetter zu warten – oder aber, den Wal direkt an Ort und Stelle und doch nicht erst in der Nordsee freizusetzen. Bei dem hohen Wellengang sei das Verletzungsrisiko für den Wal in der sogenannten Barge groß, hieß es. 

Waltransport fast in der Nordsee, aber Schiff dreht offenbar ab 

Das Transportschiff mit dem vor Mecklenburg-Vorpommern gestrandeten Buckelwal hat nach tagelanger Reise nun fast die Nordsee erreicht. Laut dem Schiffs-Ortungsdienst Vesselfinder befand es sich am frühen Morgen etwa 11 Seemeilen (rund 20 Kilometer) vom nördlichsten Punkt Dänemarks entfernt. Dort, nahe der Stadt Skagen, fließen Kattegat und Skagerrak zusammen, weshalb auch vom Eingang zur Nordsee gesprochen wird.

Über Tracking-Dienste ist jedoch zu erkennen, dass das aktuell Schiff abdreht. Wie mehrere Medien berichten, orientiert es sich aktuell Richtung Süden, um einem Sturmgebiet und hohen Wellen auszuweichen. 

Der Wal singt

Der Transport des vor der Insel Poel geborgenen Buckelwals kommt weiter voran. Die hinter der privaten Rettungsinitiative stehende Unternehmerin Karin Walter-Mommert sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Wal sei »sehr lebendig« und »singt im Moment sehr viel vor sich hin«.

Transportboot noch lange nicht am Ziel

Das Transportschiff mit dem Poeler Buckelwal an Bord ist noch relativ weit von der Nordsee entfernt. Zur Mittagszeit ist es derzeit laut dem Schiffs-Ortungsdienst Vesselfinder zwischen Dänemark und Schweden unterwegs, etwas nördlich des dänischen Grenaa und somit etwa 140 Kilometer Luftlinie von Skagen entfernt, wo die Ostsee auf die Nordsee trifft.

Buckelwal hat keinen Ärger von seiner Mutter zu befürchten

Die Nachrichtenagentur dpa beschäftigt sich mit den Details zur Walrettung und fragt: Droht dem Wal nach Rückkehr Ärger von seiner Mutter? Das hatte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus scherzhaft gemutmaßt, nachdem der Wal für den Transport zur Nordsee in einen Lastkahn bugsiert worden war. 

Doch der Wal wird seine Familie nicht suchen, sollte er Transport und Freisetzung längerfristig überstehen. »Im Gegensatz zu Zahnwalen bilden Bartenwale keine stabilen sozialen Gruppen, sogenannte Schulen«, erklärte das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund. Die Kälber verblieben lediglich die etwa zwölf Monate währende Stillzeit bei ihren Müttern.

»Während wir Menschen unseren Eltern oft ein Leben lang nahestehen, trennen sich die Wege zwischen Buckelwalen recht schnell«, hieß es von der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation. Sie kämen zwar punktuell mit Artgenossen zusammen – zum Beispiel, um effektiver Jagd auf Beute zu machen, zur Paarung oder um gemeinsame Kulturen zu pflegen. »Im Großen und Ganzen sind Buckelwale jedoch Einzelgänger.« 

Keine Walrettung an Dänemarks Küste

Am Samstag soll der Buckelwal an der Nordspitze Dänemarks ausgesetzt werden. Sollte er dort erneut stranden, wird es keine Rettungsaktion geben. Das dänische Umweltministerium teilt der Nachrichtenagentur dpa mit, dass man gestrandete Meeressäugetiere in Dänemark prinzipiell nicht rette. Strandungen seien demnach »ein natürlich vorkommendes Phänomen« und Wale sollten generell »nicht durch menschliches Eingreifen gerettet oder gestört« werden. Zu dem konkreten Fall des an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwals äußerte sich das Ministerium nicht. 

Der Wal ist weg – und auf Poel kehrt der Alltag zurück

Allmählich kehrt der Alltag zurück in den kleinen Küstenort auf der Insel Poel. Einen Tag nach der großen Bergungsaktion des hier gestrandeten Buckelwals ist der Einsatz in Kirchdorf beendet. Viele vor Ort sind erleichtert. »Dadurch war ja ganz Poel dicht«, sagt Peter Richter, der am Vormittag im Hafen sein Boot mit einem Kran ins Wasser setzt. Jeden Morgen auf dem Weg zur Bootshalle hätte er seinen Ausweis vorzeigen müssen, erzählt der 80-Jährige. »Nee, das war nicht schön.«

Das Schlimmste sei der Trubel gewesen, »durch die Demonstranten, die noch unvernünftig waren und Zäune umgerissen haben und quer über den Acker gelaufen sind«, sagt Richter. »Der Wal hat uns theoretisch ja gar nicht gestört.«

Meeresmuseum warnt vor Abladen des Wals im offenen Meer

Experten des Deutschen Meeresmuseums warnen eindringlich davor, den Wal im offenen Meer abzuladen. Dies berge die Gefahr, dass der Meeressäuger ertrinke, teilt das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund mit. »Er ist sehr geschwächt und findet im offenen Meer keine Möglichkeit, sich abzulegen.«

Von einer Rettung des Wales könne erst dann gesprochen werden, wenn er sich selbstständig und dauerhaft auf seiner gewöhnlichen Route im Nordatlantik bewege, selbstständig fresse und sein Gesundheitszustand besser werde, heißt es weiter. Die Wissenschaftler forderten dazu eine vollständige Dokumentation der kommenden Ereignisse. Die Daten des Senders am Tier müssten in Echtzeit öffentlich verfügbar gemacht werden. Live-Videomaterial vom Wal während des Transports und während der Freilassung seien wichtig, um Erfahrungen für künftige Bergungen sammeln zu können.

GPS-Sender soll Wal-Daten liefern – aber nicht öffentlich

Der Buckelwal wird derzeit in der Transport-Barge mit einem GPS-Senderchip ausgestattet, um ihn nach einer geplanten Auswilderung verfolgen zu können. Die Informationen, wo sich der Wal befinde, würden den Initiatoren der Aktion und dem Schweriner Umweltministerium, nicht aber der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Das sagte die Rechtsanwältin der privat finanzierten Bergungsinitiative, Constanze von der Meden, bei einer Pressekonferenz auf der Insel Poel. 

»Wir wollen keinen Waltourismus generieren.« Es solle vermieden werden, dass Menschen losführen und nach dem Wal schauten. Der neue Sender sei aus den USA eingeflogen worden und werde in diesen Stunden angebracht.

Sachverständige: Wal dürfte im tiefen Wasser kaum überleben

Hilft es dem Wal, dass er Richtung Nordsee gebracht wird? Experten der Internationalen Walfangkommission (IWC) warnen vor einem Trugschluss. »Das Tier scheint schwer geschädigt zu sein und dürfte selbst bei einer Verbringung in tieferes Wasser kaum überleben«, heißt es von dem zuständigen Expertengremium für Strandungen. »Nach unserer Einschätzung bedeuten diese Maßnahmen, obwohl sie gut gemeint sind, eine erhebliche zusätzliche Belastung für ein Tier, das bereits schwer erkrankt ist, und bringen letztlich kaum Nutzen.«

Die IWC wurde 1946 als internationale Organisation gegründet, die für die Regulierung des Walfangs und den Schutz der Wale zuständig ist. Heute zählt die Kommission 89 Mitgliedsländer. 

Transportboot mit Wal ist auf dem Weg in die Nordsee

Das Transportboot mit dem Buckelwal befindet sich nun auf dem Weg Richtung Nordsee. Am Vormittag befand sich der Verband aus Schlepperboot und Lastkahn nördlich von Fehmarn zwischen der schleswig-holsteinischen Insel und der dänischen Insel Lolland. Nach Plänen der privaten Initiative soll der Wal in einer mehrtägigen Aktion um die Nordspitze Dänemarks herum durch das Skagerrak in die Nordsee gebracht und dann dort ausgesetzt werden. Wo genau, stehe noch nicht fest, sagte ein Mitglied der Initiative, die den Schleppverband begleitet.

Wal liegt auf einem Sandbett

Der Buckelwal liegt während seines Transports in einem gefluteten Lastschiff nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltministerium auf einem Bett aus Sand. Das Tier sei quasi sein eigener Anker, sagte ein Sprecher von Minister Till Backhaus (SPD) in Schwerin. Der Wal sei nicht angebunden. Am Mittag wollen der Minister und Beteiligte der Rettungsaktion in Kirchdorf auf Poel über den aktuellen Stand berichten.

Ein Bild zeigt den Schlepper mit der Barge in der Ostsee

Wal-Transport nun bei Insel Fehmarn angelangt

Der Transport mit dem lange an der Küste gestrandeten Buckelwal befindet sich in der offenen Ostsee. Laut dem Schiffsortungsdienst VesselFinder fährt der Schlepper »Robin Hood«, der die Barge mit dem Wal zieht, gerade um die Insel Fehmarn herum. Der Transport bewege sich mit »sehr langsamer Geschwindigkeit«, sagte ein Sprecher der begleitenden Wasserschutzpolizei am frühen Morgen. 

Nach Plänen einer privaten Rettungsinitiative soll der Transport etwa dreieinhalb Tage dauern. Der Wal soll um die Nordspitze Dänemarks herum durch das Skagerrak in die Nordsee gebracht und dann freigelassen werden. 

Schlepper übernimmt Barge in Wismarbucht

Der Schlepper »Robin Hood« hat die Barge mit dem an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwal übernommen. Auf Livestreams war zu sehen, wie der mit Wasser gefüllte Lastkahn von kleineren Booten aus der Kirchsee der Insel Poel heraus in die Wismarbucht zu dem Schlepper gebracht wurde. Der Schlepper nahm die Barge dann auf den Haken.

Barge auf dem Weg

Der mit Wasser gefüllte Lastkahn, mit dem der Wal in die Nordsee gebracht werden soll, wurde am Abend von mehreren kleineren Booten weggeschoben, wie in Livestreams zu sehen war.

Das Tier war zuvor durch eine eigens gebaggerte Rinne zu der Barge bugsiert worden. Im tieferen Wasser soll der motorlose Lastkahn mit dem Wal von einem Schlepper übernommen und in die Nordsee gezogen werden. 

Lastkahn soll Wismarbucht in den nächsten zehn bis 14 Stunden verlassen

In den kommenden Stunden soll der Lastkahn samt Buckelwal in die Wismarbucht gezogen werden. Derzeit werde noch das Wasser aus den Tanks der sogenannten Barge gepumpt, sagte der technische Leiter der privaten Walinitiative Felix Bohnsack in Kirchdorf. Der Pegel innerhalb des schwimmenden Beckens werde dadurch sinken, auf rund 1,60 bis 1,75 Meter.

»Wenn dieser Hochfahrprozess erfolgt ist, wird die Barge genau, wie sie gestern reingeschoben wurde, auch wieder rausgeschoben«, sagte Bohnsack. Am Eingang der Bucht übernehme dann ein anderer Schlepper, der dann Richtung Nordsee starten solle. »Das wird dann so innerhalb der nächsten zehn bis 14 Stunden passieren.«

Bilder zeigen Wal in der Barge

Bilder zeigen den Wal im Lastkahn. Die sogenannte Barge soll den Wal später Richtung Nordsee bringen.

Anna Weiß

Reporterin auf Poel

Anna Weiß

»Wir lieben dich« – Retter haben einen eigenen Fanclub

Nicht nur Felix Bohnsack, auch Sergio Bambarén, Autor des Buchs »Der träumende Delfin« und Tierärztin Kirsten Tönnies werden von jubelnden Wal-Freunden am Absperrband empfangen. »Wir lieben dich!«, ruft eine Frau der Tierärztin zu. Es fließen Freudentränen, Umarmungen werden verteilt und Selfies gemacht. Ein Stück weiter weg stehen Einwohner von Poel in Arbeitskleidung beim Feierabendbierchen vorm Fischbrötchen-Kutter zusammen.

Hierhin soll der Wal transportiert werden

Die Barge samt Wal soll wohl noch heute von der Kirchsee bei Poel in Richtung Skagen zum Eingang der Nordsee aufbrechen. Die Fahrt wird ungefähr dreieinhalb Tage dauern.

Anna Weiß

Reporterin auf Poel

Anna Weiß

»Felix, Felix, Felix!«: Technischer Leiter des Einsatzes wird von Fans empfangen 

Mehrere Frauen drängen sich an das Absperrband zum Camp der Privatinitiative. Als Felix Bohnsack, der technische Leiter der Rettungsaktion aus dem Boot steigt, jubeln und klatschen sie: »Felix, Felix, Felix!«. Nach ein paar Minuten tritt er zu ihnen, sie wollen ihn alle drücken. »Gruppenumarmung«, schlägt er vor.

Backhaus gratuliert

Der Wal ist augenscheinlich verladen – zur Freude von Till Backhaus; der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern gratulierte dem Helferteam zur »geglückten Rettung«. »Viele Menschen haben hier vor Poel in den letzten Tagen und Wochen mit viel Herzblut und unter persönlichen Opfern mitgewirkt, um dem Wal zu helfen«, sagte Backhaus und lobte etwa die Arbeit der DLRG, der Feuerwehr und der Polizei.

»Besonders bedanke ich mich auch bei den Initiatoren Frau Walter-Mommert und Herrn Gunz, die enorme Mittel bereitgestellt haben, um die Rettungsaktion zu ermöglichen«, sagte der SPD-Politiker weiter. »Dies war eine Gemeinschaftsleistung, die sicher in die Geschichte des Landes eingehen wird.« Backhaus hoffe nun auf ein glückliches Ende. Ob der stark geschwächte Wal den Transport überleben wird, ist unklar. Der Transport soll erst am Abend beginnen.

Finanzier Gunz: »Gott sei Dank. Gott sei Dank.«

Nun äußert sich auch Walter Gunz, der die private Initiative mitfinanziert. »Gott sei Dank. Gott sei Dank. Ich habe noch nie in meinem Leben so viel gebetet«, sagt der MediaMarkt-Gründer der Nachrichtenagentur dpa.  Er selbst habe den Moment jedoch nicht am Bildschirm verfolgen können. »Ich habe es von der Karin gehört. Ich hatte keine Nerven mehr.« Unternehmerin Karin Walter-Mommert ist ebenfalls Geldgeberin für das Wal-Bergungsprojekt.

Als er die Nachricht vernommen hatte, seien ihm die Tränen gekommen. »Man hat ja auch Ängste.« Man habe jedoch alles richtig gemacht, sagt er. »Denn: Was ist das Wertvollste? Das Leben!«

Transport beginnt wohl am Abend

In einem Statement bestätigt Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus, dass der Wal im Lastkahn angekommen ist.  »Er fühlt sich in der Barge wirklich pudelwohl«, behauptet Backhaus. »Das habe ich genau gesehen.« 

Der Transport zur Nordsee werde wohl am Abend beginnen, wenn das Wasser ruhiger sei.  »Wenn er seine Mutter wieder trifft, dann kriegt er Ärger«, so der Minister. »Er ist nämlich verkehrt abgebogen in die Ostsee, da gehört er nicht hin.«

»Mir fällt ein Stein vom Herzen«, sagt SPD-Politiker Backhaus weiter. Er habe auf dem Schiff geweint, ein Glücksmoment sei das gewesen. »Ich war auch kurz davor, ins Wasser zu springen, um ihm noch auf den letzten Meter mitzuhelfen«. Er habe sich dann aber zusammengerissen.

Angesichts von Drohungen im Internet bittet Backhaus: »Lassen Sie uns ein bisschen menschlicher miteinander umgehen«.

Anna Weiß

Reporterin auf Poel

Anna Weiß

Jubel in Poel 

Jubelschreie ertönen am Hafen von Poel. Kleine Grüppchen, die den Livestream vor ihren Handys verfolgen, jubeln: Der Wal ist in der Barge, die ihn abtransportieren soll. »Wir wussten, dass er es schafft«, sagen zwei Frauen, die nach eigenen Aussage von Anfang an Mitfiebern. Die Bandbreite der Emotionen ist groß. »Mir kommen die Tränen«, sagt eine Frau ergriffen. »Jetzt können wir heute Abend ja doch endlich saufen«, sagt ein Mann.

Wal in Lastkahn verladen

Die Helfer haben den Wal in die sogenannte Barge gelenkt. Das Schiff soll das Tier nun Richtung Nordsee bringen.

Unabhängige Fachleute haben vor dem mehrtägigen Transport gewarnt: Das Deutsche Meeresmuseum teilte mit, das Tier sollte vielmehr größtmögliche Ruhe erhalten und ausschließlich palliativ versorgt werden.

Anna Weiß

Reporterin auf Poel

Anna Weiß

»So. Hinsetzen, artig sein!«: Backhaus begibt sich zum Wal 

Backhaus fährt zum Wal. Till Backhaus, Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, ist seit dem Morgen vor Ort am Hafen von Poel. Nun fährt er auch raus zum Wal, um sich ein Bild von seinem Zustand zu machen. Vor wenigen Minuten hat er sich in ein kleines Boot hinter den Bootsführer gesetzt. »So. Hinsetzen, artig sein!«, sagt Backhaus. Er gibt ihm das Signal, loszufahren. Als das Boot startet, klopft er dem Mann vor ihm auf die Schulter.

Wal soll spätestens am Abend auf dem Lastkahn sein

Es sei der »Tag der Entscheidung«, hat Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus angekündigt. »Bis Sonnenuntergang sollte es möglichst gelungen sein, den Wal auf der Barge zu haben«. Auch Karin Walter-Mommert, eine Geldgeberin der privaten Initiative, sagte: »Wir wollen heute fertig werden.« 

Bislang ist auf Bildern aus dem Livestream kaum Fortschritt zu erkennen, obwohl mehr als ein Dutzend Helfer immer wieder an Gurten ziehen. Der Wal soll so in den Lastkahn gelenkt werden, der im tieferen Fahrwasser bereitsteht.

Das Ziehen hat begonnen

Die Freiwilligen ziehen nun seit einer Weile am Wal. Immer wieder rufen sie laut »ziiiiiiiehhhhhh!«, um ihre Bewegungen zu synchronisieren. Das Tier regt sich kaum. Bei »Bild« erklärte der Meeresbiologe Fabian Ritter es sei schwer anzusehen, wie die Gurte um den Wal liegen und an ihm gezogen werde.

Anna Weiß

Reporterin auf Poel

Anna Weiß

Kaum Wal-Fans vor Ort

Am Hafen von Poel ist es währenddessen ruhig. Das Camp der Helfer ist verlassen, anders als in den letzten Tagen sind kaum Wal-Fans vor Ort. Ein Paar Ende 50 sitzt in Outdoorkleidung auf einer der weißen Bänke. Neben ihnen stehen zwei E-Bikes. Er hält ein Fernglas in der Hand, sie hat ihre Sonnenbrille ausgezogen. »Wir sind nicht extra für den Wal angereist«, sagt sie. »Wir sind Wohnmobilisten«, sagt er. »Als wir vorhin mit dem Fahrrad hier langgeradelt sind, haben wir gesehen, dass hier das Walgedöns ist.«

Die beiden machen Urlaub in Norddeutschland sind aus der Nähe von Stuttgart. »Wahnsinn«, sagt sie nur über die Walrettungsaktion, bevor die beiden sich mit den Rädern wieder aufmachen.

Die Transportaktion ist nun in vollem Gange: Zahlreiche Helfer arbeiten rund um den Wal. Sie versuchen offenbar ihm die Gurte anzulegen.

Was passiert, wenn der Wal sterben sollte?

Die Rettungsversuche der privaten Initiative bringen die ursprüngliche Planung durcheinander, was mit dem Wal geschehen wird, sollte er vor Poel verenden. Ursprünglich sollte das Tier durch Fachleute des Meeresmuseums auf der Insel Dänholm zwischen Stralsund und Rügen untersucht werden.

Doch daraus wird nun nichts. Das Meeresmuseum teilte am Montag mit, keinen Gebrauch von der erteilten Genehmigung machen zu können. »Durch Duldung der Privatinitiative zur Lebendbergung des Buckelwals und der nachfolgenden Manipulationen am Buckelwal ist eine unabhängige, forensische Obduktion des Tieres erforderlich«, sollte das Tier sterben, teilte das Museum mit.  

Fraglich ist jetzt, wer die Untersuchung im Todesfall übernehmen könnte. In Deutschland gibt es nur wenige Institute, die solch eine Obduktion durchführen können. »Umweltminister Backhaus müsste wahrscheinlich Fachkräfte aus dem Ausland heranziehen«, teilte das Meeresmuseum auf SPIEGEL-Anfrage mit. 

Sollte der Wal verenden, wäre eine Obduktion laut Fachleuten entscheidend, um festzustellen, warum der Meeressäuger so häufig strandete, ob er womöglich krank war und woran er letztlich gestorben ist. Die Untersuchung müsste möglichst schnell erfolgen, ehe sich die Organe zu sehr zersetzen.

Tierärzte der privaten Initiative erklären Wal für transportfähig

Die Transportaktion startet. Laut Umweltminister Till Backhaus halten die Ärzte der Rettungsinitiative den Wal für transportfähig.  Die Tierärzte der Initiative hätten am Morgen dargelegt, dass der Gesundheitszustand des Wals gut sei, sagte Backhaus. Die Atmung sei tief und ohne Geräusche.

Die Landesregierung lasse zudem zu, dass Gurte genutzt werden. Damit soll der Wal durch eine gebaggerte Rinne zum Transportkahn gelenkt werden. Die Initiative hatte betont, dass der Wal mit den Gurten nicht gezogen werde. Sie würden lediglich eine Richtung vorgeben. Bis zuletzt war offen, ob die Landesregierung den Einsatz der Gurte duldet.

Umweltminister Backhaus will Wal begleiten

Till Backhaus (SPD) hat angekündigt, beim Transport des Buckelwals dabei zu sein. »Ich werde es auf jeden Fall begleiten«, sagte der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern am Morgen auf die Frage, ob er auf einem Schiff mitfahren werde. Er versuche, »alles zu tun, um dem Tier zu helfen«. Seine »absolute Priorität« sei, den Wal lebend zu bergen.

Auf Livebildern ist zu sehen, dass der Wal mit Tüchern bedeckt ist. Laut NDR haben nun bereits Boote mit Helfern am Kirchdorfer Hafen abgelegt.

Schockstarre oder Panik möglich

Wie der Wal auf den Transport im Lastkahn reagieren würde, lässt sich laut Tierschützern schwer abschätzen. Die wenigen vorhandenen Daten wiesen darauf hin, dass Interaktionen mit Menschen bei wildlebenden Groß- beziehungsweise Bartenwalen Stress auslösten, hieß es von der Wal- und Delfin-Schutzorganisation WDC.

»In freier Natur sind Wale keine Situationen gewohnt, in denen sie eingesperrt sind. Am wahrscheinlichsten ist, ganz allgemein gesprochen, dass die ungewohnte Situation einen Wal zusätzlich in Stress, möglicherweise auch Angst und Panik versetzen würde.« Dies gelte insbesondere, da der Wal nicht seinem natürlichen Fluchtinstinkt nachkommen könne.

Wenn der Wal die Energie aufbringe, seien heftige Flossenschläge und damit Risiken für das Tier und Einsatzkräfte denkbar. Es könne aber auch sein, dass das Tier in eine Fangmyopathie verfalle, »also in eine Art Schockstarre, bei der sich die Muskeln verkrampfen«. Es könne auch schon zu geschwächt sein, um starke Reaktionen zu zeigen. »So könnte es dann wirken, als würde er den Einsatz freiwillig mitmachen oder über sich ergehen lassen.«

Helfer der DLRG wollen am Mittwoch abziehen 

Die Rettungsmaßnahmen für den gestrandeten Wal wurden bislang maßgeblich auch von Einsatzkräften der DLRG mitgetragen. Einsatzleiter Oliver Bartelt stellte nun vor Reportern klar: »Auch für uns neigt sich die Einsatzgrenze, wir befinden uns nicht im Katastrophenschutzeinsatz, wir sind hier freiwillig.« Er habe zusammen mit dem Leitungsteam daher entschieden, die DLRG-Kräfte am Mittwoch abzuziehen.

Viele seiner Kolleginnen und Kollegen hätten Urlaub genommen, um rund um Poel für den Wal im Einsatz sein zu können. »Alle opfern sich auf, wir wollen ihn retten.« Aber: »Die zeitliche Ressource Mensch neigt sich dem Ende zu«, so Bartelt. Es seien täglich mindestens 15 Einsatzkräfte vor Ort gewesen, für die auch Unterkünfte, Material, Verpflegung gestellt wurden. 

Den womöglich finalen Rettungsversuch, der am Dienstagvormittag starten soll, werde die DLRG noch mit absichern und unterstützen. 

Lastkahn hat Kiel erreicht

Der Lastkahn, der den Wal samt Wasser aufnehmen soll, erreichte bis zum späten Sonntagnachmittag aus der Elbe kommend zunächst den Nord-Ostsee-Kanal. In der Nacht zu Montag kam er dann in der Kieler Förde an.

Die sogenannte Barge soll in Wismar technisch vorbereitet werden. Der Transport des Wals soll frühestens am Dienstag stattfinden.

Wegen Lärmbelastung – Meeresbiologe kritisiert Transport mit Lastkahn

Der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter ist skeptisch mit Blick auf den neuen Rettungsversuch, bei dem der Walbulle frühstens am Dienstag in einem Lastkahn in die Ostsee gebracht werden soll. »Der Zustand des Wals ist nach wie vor auch prekär. Er hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich und da jetzt mit großem, schwerem Gerät mit vielen, vielen Menschen und viel Geld das Allermöglichste zu versuchen – ich glaube, wir laufen da Gefahr, dem Wal auch zu schaden«, sagte der Mitgründer und zweite Vorsitzende des gemeinnützigen Wal- und Delfinschutzvereins »M.E.E.R.« im ZDF-Morgenmagazin.

Vor allem der lange Transport in dem Lastenkahn könne das Tier sehr stressen, ist Ritter überzeugt. »Was mir Sorgen macht, ist die Lautstärke. Das wird sehr laut für den Wal. Und Wale und Delfine leben in einer Welt des Schalls. Die sind da extrem empfindlich.« Das wäre so, als würde man einem Menschen drei Tage lang eine helle Lampe ins Gesicht halten, sagt er.

Zudem könne man den Buckelwal nach drei Tagen nicht einfach anschubsen und davon ausgehen, dass er einfach losschwimmt. »Man muss darauf achten, dass er bewegungsfähig ist. Idealerweise hat man auch festgestellt, dass er Nahrung tatsächlich zu sich nehmen kann. Und was mir immer noch fehlt, sind tatsächlich die Ergebnisse einer Blutprobe oder dass die Blasluft analysiert wird.« 

Transportkahn soll Wal in die Nordsee bringen

Die private Rettungsinitiative hat sich entschieden, wie es mit dem Wal weitergehen soll: In dreieinhalb Tagen soll das Tier in einem Transportkahn an Fehmarn vorbei in die Nordsee gebracht werden. Das sagte Felix Bohnsack, der technische Leiter der privaten Initiative, bereits am Samstagabend. Das Konzept werde vom Umweltministerium geduldet, hieß es von Minister Till Backhaus. Die Verantwortung liege weiterhin bei der Initiative.

Der Plan sieht vor, den schätzungsweise 12 bis 15 Tonnen schweren Wal mit einer Art Lastkahn, einer sogenannten Barge, zu transportieren. Der Transport könne wohl zwischen Dienstag und Mittwoch starten, sagt die Kleintierärztin Kirsten Tönnies von der privaten Initiative. Die Barge soll am Sonntag aus Hamburg in Poel ankommen und dort für den Transport umgebaut werden. Für die Aktion wird auch eine mehr als 100 Meter lange Rinne gebaggert. Bereits am Samstagmorgen hieß es, sie sei weitgehend fertig. Durch die Rinne soll der Wal auf den absenkbaren Kahn gelotst werden.

Sandsäcke als Barriere zwischen Wal und Flachwasser

Der für Sonntag erwartete höhere Wasserstand stellt das Rettungsteam vor neue Herausforderungen. Der Wal könnte selbstständig losschwimmen – und das auch in die falsche Richtung, wie Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) erklärte.

Um zu verhindern, dass der Wal bei Hochwasser eigenständig tiefer ins Flachwasser schwimmt, wurden am Nachmittag 16 riesige Sandsäcke angeliefert, sogenannte Big Bags. Sie sollen im Wasser versenkt werden und eine Barriere zwischen dem Wal und der Flachwasserzone bilden, sagte der mit den Baggerarbeiten beauftragte Unternehmer Fred Babbel.

Backhaus: »Wir haben nicht mehr viel Zeit« 

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) bereitet womöglich eine Abkehr von weiteren Walrettungs-Versuchen vor. Zumindest lässt sich so eine Aussagen vom Freitag interpretieren. »Wir haben nicht mehr viel Zeit«, sage der Minister vor Journalisten. Das »Zeitfenster« für eine mögliche Rettung schließt sich demnach langsam.

Behörden und Experten hatten den Zustand des etwa zwölf Meter langen Wals bereits vor mehr als drei Wochen als derart kritisch eingestuft, dass sie weitere Hilfsversuche mangels Überlebenschancen beendeten (das Gutachten finden Sie hier). Mehrfachstrandungen gelten als sicheres Zeichen gravierender Beeinträchtigungen, dazu kommen mögliche Komplikationen wie Organschäden durch langes Liegen in Flachwasser.

Auch Fachleute im Ausland sehen die private Bergungsaktion teilweise extrem kritisch. Zuletzt mahnte die Internationale Walfangkommission IWC eine Überprüfung der Verhältnismäßigkeit an und warnte vor »falschen Hoffnungen« auf eine Rettung des Meeressäugers. Die IWC-Einschätzung finden Sie hier.

Wal soll womöglich in einem Spezialschiff transportiert werden

Nachdem die vorherigen Bergungsversuche gescheitert sind, gibt es offenbar einen neuen Plan: Das tonnenschwere Tier könnte im Inneren eines Spezialschiffs transportiert werden, sagte Till Backhaus, Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern. Ein entsprechendes Fahrzeug befinde sich seinem Kenntnisstand zufolge »im Anmarsch«, sagte er am Freitag auf der Insel Poel. 

In dem absenkbaren Spezialschiff könnte das Tier dem Minister zufolge wie in einem Becken zumindest frei treiben oder schwimmen. Es sei auf einer Seite offen, sodass der Wal bei plötzlichen Aktivitäten hinaus könne. Es handelt sich aber noch um »einen Ansatz«. Die Prüfung laufe. 

Till Backhaus beim Wal. Manchmal sagen Bilder mehr als tausend Worte.

Ministerium: Neues Rettungskonzept noch in der Abstimmung 

Das Landwirtschaftsministerium von Mecklenburg-Vorpommern widerspricht Berichten, laut denen der neue Plan zur Rettung des Wals bereits abgestimmt worden sei und es keine Einwände gegeben habe. »Bislang sei das Konzept lediglich besprochen worden. Für eine belastbare Bewertung benötigen wir jedoch ein vollständiges, fachlich nachvollziehbares Konzept«, erklärte Umweltminister Till Backhaus. 

»Solange uns keine vollständigen Unterlagen vorliegen, kann es weder eine abschließende Bewertung noch eine Einordnung möglicher Maßnahmen geben«, so der SPD-Politiker weiter. Das Land werde das Konzept mit höchster Priorität prüfen. Maßstab dabei bleibe das Tierwohl. 

Umfrage zeigt uneinheitliches Meinungsbild zur Rettung

Die Bevölkerung ist hinsichtlich der privaten Rettungsversuche für den Buckelwal gespalten. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer aktuellen Forsa-Umfrage für die Sender RTL und n-tv.

39 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, die Rettungsbemühungen fortzusetzen. 45 Prozent sprachen sich dagegen aus. Unter den Gegnern einer weiteren Rettung plädiert eine deutliche Mehrheit für ein Ende der menschlichen Eingriffe. Fast drei Viertel (74 Prozent) dieser Befragten sind offenber der Meinung, der Wal solle in Ruhe gelassen werden. Jeder Vierte (25 Prozent) spricht sich dafür aus, das Tier zu töten, um es von weiterem Leid zu erlösen.

Die bisherigen Bemühungen dagegen halten der Umfrage zufolge 42 Prozent der Befragten für richtig. 40 Prozent lehnen die Rettungsaktion ab, 18 Prozent sind unentschieden.

Gastronomen berichten von Einbußen

Zahlreiche Kamerateams und Reporter auch aus dem Ausland sind nach Poel gereist. Für die Gastronomen ist das nicht unbedingt eine gute Nachricht. Es gebe 50 bis 60 Prozent weniger Umsatz, sagt etwa Mandy Hartung, Kellnerin im Restaurant Kröning's Fischbaud in Kirchdorf, der dpa. Gäste sagten etwa ihre Reservierungen ab. 
Der Parkplatz am Hafen ist teilweise für die privat organisierte Rettungsinitiative für den Wal gesperrt. Zeitweise war auch die Zufahrt zum Hafen gesperrt.

Leseempfehlung: »Manche scheinen in der Sache eine Art Märchen zu sehen«

Ein gestrandeter Wal beschäftigt Deutschland über Wochen. Jeder Flossenschlag wird kommentiert und es herrscht Streit über den richtigen Umgang mit dem Tier: Retten oder nicht retten – und wenn retten, dann wie? Meine Kollegin Sharin Santhiraraja-Abresch hat den Medienpsychologen Jan-Philipp Stein befragt, warum der Wal so viele Menschen in seinen Bann zieht.

Rettungsinitiative will 110 Meter lange Schwimmrinne graben

Die von den Behörden geduldete private Rettungsinitiative will eine mehr als hundert Meter lange Rinne graben, um für den Wal einen Ausweg zu schaffen.

Die Arbeiten an dem 110 Meter langen und rund zehn Meter breiten Kanal durch den sandigen Untergrund dürften »gut zwei Tage« dauern, sagte der Unternehmer Fred Babbel, Chef des Arbeiter- und Taucherteams der Initiative. Derzeit sei ein größerer Schwimmbagger nach Poel unterwegs, der auch im Einsatz war, als der Wal Ende März in der Nähe von Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein gestrandet war.

Unklar ist noch, wie der Wal gegebenenfalls durch die Rinne in tieferes Fahrwasser gelangen könnte und was weiter passiert. Derzeit werde an einem Konzept gearbeitet, sagte Babbel. 

Hier ein paar Bilder vom Wal und den Arbeiten am Vormittag. Wie genau es weitergehen soll, bleibt unklar.

Neuer Rettungsplan laut Tierschützern Stress für den Wal  

Das neue Vorhaben, den Wal mit einer Barge – eine Art Lastkahn – zu bergen, bewerten Tierschützer kritisch. »Das ist aus unserer Sicht nicht als minimalinvasiv einzuschätzen und kann zu Stress für den Wal führen – das halten wir nicht für zielführend«, sagte Bianca König, Sprecherin der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC), der Nachrichtenagentur dpa. 

Sie kenne das Konzept zwar nicht im Detail und könne das Prozedere deshalb nur aus der Ferne beurteilen, aber sie befürchte zusätzliches Leid und Stress für das Tier, so König. Der Wal solle in Ruhe gelassen werden, allenfalls sollten palliative Maßnahmen ergriffen werden. König fordert zudem, mithilfe internationaler Experten erneut zu prüfen, ob der Wal womöglich von seinem Leid erlöst werden könne. 

45 Zwergwale in drei Wochen getötet

Eigentlich ist der kommerzielle Walfang seit 1986 weitgehend verboten. In Norwegen ist er weiterhin erlaubt. Seit Beginn der Jagdsaison im April wurden dort 45 Zwergwale getötet. Im vergangenen Jahr waren es im selben Zeitraum nur neun Tiere. Etwa zwei Prozent der norwegischen Bevölkerung isst laut Schätzungen regelmäßig Walfleisch. 

»Norwegen jagt Wale, die kaum jemand essen will, und exportiert das Fleisch fast ausschließlich nach Japan – das ist keine Tradition, das ist eine subventionierte Industrie ohne Zukunft«, kritisiert Mona Schweizer von Pro Wildlife. Die Tierschutzorganisation fordert, die Jagd auf Wale vollständig zu verbieten. 

Junger Orca starb nach wochenlanger Pflege

Eigentlich hatten die Behörden nach einem Gutachten von Experten entschieden, den Buckelwal vor Poel in Ruhe zu lassen. Dann kam die Kehrtwende. Seit mehr als einer Woche versucht eine private Initiative, den Wal in tiefere Gewässer zu bringen. Die Aktion ist umstritten. 

»Auf den ersten Blick scheint es ein Akt des Mitgefühls zu sein. Doch unter der Oberfläche verbirgt sich eine schwierigere Wahrheit«, sagte Meeresökologin Karen Stockin von der Massey University in Neuseeland der Wissensplattform »The Conversation«. Wahre Fürsorge bedeute im Wildtierschutz manchmal die schmerzhafte Entscheidung zur Zurückhaltung, wenn die Wissenschaft keine Hoffnung auf Genesung sieht. 

Stockin verweist auf den Fall des Orca-Kalbs »Toa«, das 2021 in Neuseeland strandete. Experten sahen kaum Chancen, dass das Jungtier zu retten sei. Dafür war es schon zu lange von seiner Herde getrennt, die Chancen auf Wiedereingliederung standen schlecht. »Viele Experten sprachen sich letztlich fürs Einschläfern als die humanste Option aus.« Stattdessen wurden die Bemühungen um das Tier wegen des öffentlichen Drucks immer weiter fortgesetzt, so Stockin. »Toa starb nach wochenlanger Pflege.« 

Aufnahme zeigt »Timmy« aus der Vogelperspektive

Oft ist der Buckelwal auf Bildern von der Seite nur als grauer Berg im Wasser zu erkennen. Eine Aufnahme vom Mittwoch, die aus einem Flugzeug gemacht wurde, zeigt ihn in voller Länge von ungefähr zwölf Metern an seinem derzeitigen Liegeplatz nahe dem Übergang von der Kirchsee in die Wismarer Bucht.

Am Donnerstagvormittag arbeiteten erneut Vertreter der privaten Rettungsinitiative am Wal. Ein Helfer näherte sich auf einem SUP-Board und bedeckte ihn mit weißen Tüchern, um seine Haut zu befeuchten. Zudem ist der Spülbagger im Einsatz.

Lastkahn soll eingesetzt werden 

Der Plan, den Buckelwal mit Pontons in tiefere Gewässer zu schleppen, ist vom Tisch, weil der Meeressäuger an seiner jetzigen Position nicht auf eine Plane gehievt werden kann. Laut der privaten Rettungsinitiative soll nun stattdessen eine Barge angeliefert werden. 

Dabei handelt es sich um eine Art nicht selbstfahrenden Lastkahn, der von Schleppern gezogen wird. Die Barge sei auf dem Weg aus dem Hamburger Raum in Richtung Wismarbucht, sagte ein Mitglied der privaten Rettungsinitiative. Wann genau sie eintreffe, sei nicht klar.  

Die Anfahrt brauche Zeit, da die Barge nur mit einer Geschwindigkeit von fünf Knoten, etwa neun Kilometern in der Stunde, unterwegs sei und durch den Nord-Ostsee-Kanal müsse. Allein das werde etwa einen Tag in Anspruch nehmen. Geplant ist zudem ein Zwischenstopp in der Werft in Wismar. 

Das Konzept sehe den Einsatz von zwei Schleppern vor Ort vor. Ob die erneute Rettungsaktion mit den zuständigen Behörden abgesprochen ist, ist unklar. Das Umweltministerium wollte sich zunächst nicht äußern. 

Der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, sagte schon am Mittwochabend, weitere Rettungsversuche müssten fachlich fundiert sein, das Verhalten des Tieres berücksichtigen und mit den zuständigen Stellen abgestimmt werden. Im Zweifel könne das Land ein Veto einlegen. 

Wal in der Nacht »nicht so aktiv« 

Der vor der Ostsee-Insel Poel gestrandete Buckelwal liegt weiter in der Kuhle am Ende der Kirchsee. Die Wasserschutzpolizei hat das Tier in der Nacht rund um die Uhr beobachtet. »Wir waren die ganze Nacht vor Ort. Er war nicht so aktiv«, sagte ein Sprecher am Morgen der Deutschen Presse-Agentur. 

Gegen 6.30 Uhr war auf den Livestreams zu erkennen, dass der Meeressäuger sich gelegentlich leicht bewegt und buckelt. Auch sein Atem war aufgrund der kleinen Wasserfontäne regelmäßig zu erkennen. 

Leseempfehlung: Muss »Timmy« gerettet werden? Eher unsere mentale Gesundheit

Mein Kollege Philipp Oehmke hat analysiert, was der Fall »Timmy« in seinen Augen über den Zustand unserer Gesellschaft verrät: Statt das Miteinander zu fördern wie vor 20 Jahren der Eisbär Knut im Berliner Zoo, lasse der Wal die Ängste und Verunsicherungen sichtbar werden, die unsere Gesellschaft mittlerweile durchziehen, schreibt er, »genauso wie das Misstrauen und den Hass.« 

Backhaus will Umgang mit Wal aufarbeiten

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) will den Umgang mit dem mehrfach gestrandeten Wal politisch aufarbeiten, sagt er. »Wir müssen uns darauf einstellen, dass solche Situationen künftig häufiger auftreten können. Deshalb werde ich mich auf Bundesebene für bessere gemeinsame Strukturen im Umgang mit Großwalen einsetzen.« 

Bis zum Mittag steigt das Wasser

Laut der Prognose des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie wird das Wasser in der Ostsee vor Poel bis zum Mittag ungefähr auf knapp 20 Zentimeter über Normal steigen. Das dürfte die Situation des Wals etwas entspannen, weil er weniger aus dem Wasser ragt und nicht so viel Eigengewicht auf seine Organe drückt. Am Nachmittag wird der Wasserstand jedoch sinken, wahrscheinlich auf mehr als zehn Zentimeter unter dem Normalwert. Auch in den kommenden Tagen bleibt der Pegel der Vorhersage nach eher niedrig.

Am Montag hatte sich der Wal bei steigendem Pegel freigeschwommen. 

Experte von »Free Willy« soll Wal nun retten 

Nach Unstimmigkeiten im vorherigen Rettungsteam der Privatinitiative um MediaMarkt-Gründer Walter Gunz werden nun drei neue Walexperten erwartet, die den vor Poel gestrandeten Buckelwal retten sollen: Jeffrey Foster vom kanadischen »Whale Sanctury Project«, das sich für die Auswilderung von Meeressäugern einsetzt, sein Kollege Michael Partica und Tierpflegerin Kyra Wadsworth. Das bestätigte Gunz gegenüber »Bild«. 

Foster war Teil des Teams, das im Jahr 2002 versucht hatte, den aus den »Free Willy«-Filmen bekannten Orca Keiko auszuwildern, der zuvor in Gefangenschaft gelebt hatte. Keiko blieb auch nach seiner Freilassung auf Menschen fixiert, jagte kaum selbst und starb etwa anderthalb Jahre später. 

»Sie haben Erfahrungen mit der Rettung von Walen und bringen mehr Professionalität in die Gruppe«, sagte Geldgeber Gunz über das neue Rettungsteam. Einzelne Personen des ursprünglichen Rettungsteams der Privatinitiative sind mittlerweile zerstritten und werfen einander vor, die Rettung des Wals sabotiert zu haben. So ist etwa die eigens eingeflogene hawaiianische Tierärztin, Jenna Wallace, zurück in die USA gereist. Die deutsche Tierärztin Janina Bahr-van-Gemmert, die den gestrandeten Wal mehrfach untersucht hat, musste Anfang der Woche wegen eines medizinischen Notfalls ins Krankenhaus. 

Leseempfehlung: Der Wal und sein Gefolge

 Ein Schriftsteller, ein Influencer, eine Tierärztin aus Hawaii, die hier keine Approbation hat: Wer sind die Leute, die den Wal trotz gegenläufigem Rat führender Experten retten wollen? Meine Kollegin Ella Knigge stellt sie in kurzen Protokollen vor. Den ganzen Text lesen Sie hier.

Backhaus verteidigt Rettungsaktion

Es wird zunehmend Kritik am Wal-Rettungsversuch laut. Beim Verwaltungsgericht Schwerin ist ein Antrag eingegangen, die Maßnahmen zu stoppen. Der Expertenrat für gestrandete Wale der Internationalen Walfangkommission (IWC SEP) hat am Mittwoch zum wiederholten Mal empfohlen, den Wal palliativ zu pflegen, statt ihn zur Bewegung anzuregen. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus hat die Rettungsaktion verteidigt. »Wir können gemeinsam sagen: Wir haben es versucht. Und der Versuch macht klug«, so Backhaus.

Helfer sollen neues Konzept erarbeiten

Auf der Pressekonferenz erklärte Backhaus auch, dass der Buckelwal zunächst nicht mit Luftkissen und Pontons gerettet werden soll. Das Konzept der privaten Initiative ist demnach überholt. Den Meeressäuger auf eine Plane zu heben, sei aktuell nicht mehr möglich. »Wir müssen das Konzept überarbeiten«, so Backhaus. Er gehe davon aus, dass mit Hochdruck an weiteren Maßnahmen gearbeitet werde.

Der Wal liegt weiterhin in einer mit Saugern erzeugten Kuhle – »in einer Badewanne, bildlich gesprochen«, so Backhaus. Das soll verhindern, dass zu viel Eigengewicht auf seine inneren Organe drückt. 

Netz im Wal-Maul laut Backhaus nicht aus Mecklenburg-Vorpommern

Das Netz, das sich im Maul des Buckelwals verfangen hat, stammt nicht aus Mecklenburg-Vorpommern. Das teilte Landesumweltminister Till Backhaus (SPD) am Nachmittag bei einer Pressekonferenz mit. »Wir können garantieren, dass das Netz, das er mitgeschleppt hat, nicht aus unseren Gefilden kommt, weil diese Art der Netze in Mecklenburg-Vorpommern nicht eingesetzt werden.« Ein Teil des Netzes war entnommen worden, als sich das Tier vor Wismar aufgehalten hatte. 

Netz im Wal-Maul laut Backhaus nicht aus Mecklenburg-Vorpommern

Das Netz, das sich im Maul des Buckelwals verfangen hat, stammt nicht aus Mecklenburg-Vorpommern. Das teilte Landesumweltminister Till Backhaus (SPD) am Nachmittag bei einer Pressekonferenz mit. »Wir können garantieren, dass das Netz, das er mitgeschleppt hat, nicht aus unseren Gefilden kommt, weil diese Art der Netze in Mecklenburg-Vorpommern nicht eingesetzt werden.« Ein Teil des Netzes war entnommen worden, als sich das Tier vor Wismar aufgehalten hatte. 

Rettungsinitiative will ein Becken schaffen

Die private Rettungsinitiative versucht nach eigenen Angaben, dem Buckelwal mehr Platz im Wasser zu verschaffen, sodass er möglichst wenig aus dem Wasser ragt und möglichst wenig Eigengewicht auf ihm lastet. Es solle ein ausreichend großes Becken geschaffen werden, hieß es. Ob es später zum Einsatz einer Plane und Pontons zum Transport des Tieres kommt, ist nach Angaben aus dem Team noch unklar. 

Nabu sieht Tierwohl in Gefahr

Der Naturschutzbund (Nabu) verfolgt die Aktionen der Privatinitiative am Buckelwal vor Poel mit Sorge. »Zu geschwächt und krank scheint der Buckelwal, zu lang sein Leiden, zu auffällig die wiederholten Strandungen«, heißt es in einer Mitteilung der Naturschutzorganisation. »Durch den nachvollziehbaren Drang der Menschen, dem Wal zu helfen, droht das Wohl des Tieres verloren zu gehen.«

Mitglieder der Rettungsinitiative streiten über Fehler bei Geleitaktion

Bei der Geleitaktion für den Buckelwal vor Poel ist das Tier nach Angaben aus dem Team der Privatinitiative zu seiner Rettung zeitweise in völlige Panik geraten. Das sagt der zum Team gehörende Schriftsteller Sergio Bambaren auf Poel. 

Der zwölf Meter lange Wal war am Montag nach drei Wochen Liegezeit plötzlich wieder losgeschwommen. Von Booten aus wurde versucht, das mehrfach wieder umkehrende Tier Richtung Ostsee zu treiben. Nach etwa zwei Stunden stoppte der vermutlich erschöpfte Wal und strandete erneut.

Verschiedene noch beteiligte oder bereits ausgeschiedene Teammitglieder beschuldigen sich gegenseitig, bei der Aktion am Montag falsch gehandelt zu haben. Das gesamte Vorhaben sei hochkomplex, sagt Bambaren. Nach Meinung des Schriftstellers hat der Meeressäuger eine Überlebenschance von 50 Prozent. »Der Wal will leben und ist ein Kämpfer.« 

Bürgerinitiative stellt Gerichtsantrag gegen Rettungsaktion für Wal

Beim Verwaltungsgericht Schwerin ist ein Antrag gegen den laufenden Rettungsversuch eingegangen. Er stamme von einer Bürgerinitiative, sagte ein Sprecher des Gerichts. Der Antrag richte sich gegen das Land Mecklenburg-Vorpommern »mit dem Ziel, die durchgeführten oder veranlassten Maßnahmen im Zusammenhang mit der Rettung einzustellen« oder hilfsweise erst nach einem speziellen Gutachten durchzuführen.

Die derzeitigen Bemühungen, den Wal vor Poel aus seiner Lage zu befreien, unternehmen allerdings nicht Behörden oder das Land selbst. Stattdessen hat eine private Initiative die Verantwortung übernommen. Das Land duldet und überwacht die Maßnahmen.

Als Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) zuvor zwischenzeitlich erklärt hatte, dass es keine weiteren Rettungsversuche geben solle, hatte es mehrere Anträge für eine Rettungsaktion gegeben.

Weiße Tücher für den Wal

Ein Helfer nähert sich dem tonnenschweren Tier auf einem SUP-Board und bedeckt es mit weißen, nassen Tüchern zum Schutz der Haut. Zudem ist der Spülbagger wieder im Einsatz. Welche weiteren Schritte das Team der privaten Rettungsinitiative plant, blieb zunächst unklar. 

Leseempfehlung: Die Timmy-Backhaus-Show

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hat die Rettung des Buckelwals zu seinem Projekt gemacht – und die Verantwortung dann formal an eine private Rettungsinitiative abgegeben. Meine Kollegen Gunther Latsch und Jean-Pierre Ziegler berichten über den Minister im Wa(h)lkampf. Ihr Stück lesen Sie hier.

Niedrigwasser erschwert Bergung auch am Mittwoch

Guten Morgen, der Wal hat sich in der Nacht nicht von der Stelle bewegt, berichtet die Wasserschutzpolizei. Er befindet sich weiter in der Ausfahrt der Kirchsee zur Wismarbucht (siehe Karte). Dort liegt er seit Dienstagabend in einer künstlich freigespülten Kuhle, die die private Rettungsinitiative mit Schlammsaugern geschaffen hat. Das verringert das Risiko, dass der Wal von seinem eigenen Gewicht erdrückt wird.

Allerdings herrscht weiter Niedrigwasser in der Ostsee. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie teilte am Morgen mit, dass der Wasserstand aktuell 20 Zentimeter unter dem normalen Niveau liege. Gegen 12.00 Uhr soll der Wasserstand dann um etwa 15 Zentimeter steigen, bevor er gegen Abend wieder um rund 15 Zentimeter sinken soll. Für den Wal dürfte es damit schwer werden, sich aus der Kuhle wegzubewegen. 

Makrele für den Wal

Im Laufe des Abends soll versucht werden, dem Wal eine »Animationsfütterung« anzubieten. Dabei gehe es um 2,5 Kilogramm Makrele, erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD). Normalerweise nehme ein Wal etwa eine Tonne Nahrung am Tag auf.

Der Wal trägt jetzt offenbar einen Sender

Backhaus hat auch bestätigt, dass der Wal nun besendert sei. Über die Details müsse ihn die Rettungsinitiative noch informieren. Über den Sender können Experten den Standort des Tiers bestimmen.

Um 19.00 Uhr will Backhaus erneut Auskunft geben.

Quader mit Sand sollen Wal vom Ufer fernhalten

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) tritt erneut vor die Presse. Er berichtet, die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) habe »Leitungsfunktion« bei der Rettung des gestrandeten Wals übernommen. Er habe in Rücksprache mit Tierärzten schnell einem neuen Vorschlag zugestimmt: Mehrere »Big Bags« sollen verhindern, dass der Wal durch Wind und Wellen weiter ins flache Wasser gedrückt wird, so wie in der vergangenen Nacht um rund 80 Meter. Backhaus beschreibt sie als mit je einem Kubikmeter Sand gefüllte quaderförmige Säcke, »wie so ein Klotz«. Der Minister betont: »Es geht immer nur um das Tierwohl.«

Quader mit Sand sollen Wal vom Ufer fernhalten

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) tritt erneut vor die Presse. Er berichtet, die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) habe »Leitungsfunktion« bei der Rettung des gestrandeten Wals übernommen. Er habe in Rücksprache mit Tierärzten schnell einem neuen Vorschlag zugestimmt: Mehrere »Big Bags« sollen verhindern, dass der Wal durch Wind und Wellen weiter ins flache Wasser gedrückt wird, so wie in der vergangenen Nacht um rund 80 Meter. Backhaus beschreibt sie als mit je einem Kubikmeter Sand gefüllte quaderförmige Säcke, »wie so ein Klotz«. Der Minister betont: »Es geht immer nur um das Tierwohl.«

Rettungsinitiative will Kuhle mit Saug- und Spülgerät erzeugt haben

Ein mehrköpfiges Team hat am Vormittag hüfthoch im Wasser stehend direkt am Wal gearbeitet, wie in Livestreams zu sehen war. Immer wieder hielt ein Helfer eine Art Rohr an einem Schlauch beim Wal ins Wasser, offenbar als Teil des Versuches, ihn freizuspülen. Auch eine schwimmende Arbeitsplattform mit einem Bagger kam zum Einsatz. Von der Plattform führte ein dicker Schlauch ins Wasser beim Wal, während auf der anderen Seite Wasser und augenscheinlich auch Schlick herausgespült wurde.

Aus Kreisen der privaten Initiative, die hinter dem Rettungsversuch steht, hieß es, durch den Einsatz sei eine Kuhle geschaffen worden. Ziel sei es, das Tier später in tiefere Gewässer zu leiten, »raus aus dem Nadelöhr«. Ein Gutachten von Experten des Deutschen Meeresmuseums (DMM) und der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) war Anfang April zu dem Schluss gekommen, dass eine Rettung des Tiers unmöglich sei. Zahlreiche andere Wissenschaftler haben sich ähnlich geäußert. Die Mitglieder der Rettungsinitiative widersprechen.

Leseempfehlung: Wie befreit man Buckelwale, Dr. Gulland?

Immer wieder verirren sich Buckelwale in Gewässern, die nicht für sie gemacht sind. Einige können durch menschliche Hilfe befreit werden. Im Jahr 2007 etwa rettete die erfahrene US-Walexpertin Frances Gulland zwei Buckelwale in der Bucht von San Francisco. Im SPIEGEL-Interview erklärt sie, wie sie das geschafft hat und ob ein ähnliches Vorhaben auch in der Ostsee gelingen könnte.

Hering und Shrimps für den Wal

Mitglieder der privaten Initiative arbeiten wieder am Wal. In den Livestreams ist zu sehen, wie Menschen in Neoprenanzügen zu dem Meeressäuger waten. Mithilfe von Paddeln und mit bloßen Händen bespritzen sie das Tier mit Wasser. Später soll ein Schiff mit schwerem Saug- und Spülgerät in die Nähe fahren, um das aus dem flachen Wasser ragende Tier zu entlasten. Das sagt Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) nach einer Lagebesprechung. Auch solle dem rund zwölf Meter langen Wal Nahrung angeboten werden. Dabei handle es sich um Hering und Shrimps. 

Wasserstand in Wismarer Bucht deutlich gesunken

Nachdem sich der Wal am Montagmorgen bei steigendem Wasserstand freigeschwommen hatte, steht das Wasser in der Wismarer Bucht heute deutlich niedriger. Wie eine Sprecherin des Wasserstandsvorhersagedienstes Ostsee mitteilte, war der Pegel am Dienstagmorgen zunächst rund 50 Zentimeter niedriger als zur gleichen Uhrzeit gestern. Dann stieg er bis zehn Uhr auf sein heutiges Maximum von etwa zehn Zentimetern über dem Normalstand. Bis ungefähr 18 Uhr wird er um 30 Zentimeter fallen und zunächst ungefähr auf diesem Niveau bleiben.

Wal laut Backhaus gestresst

Das Tier liegt weiterhin an der Stelle, wo es sich am Vortag nach einem Freischwimmversuch erneut festgeschwommen hat. Wie in Bildern von Liveübertragungen zu sehen ist, atmet er noch und bewegt sich ab und zu. Wegen des gesunkenen Wasserstands liegt sein Körper aber zu erheblichen Teilen oberhalb der Wasseroberfläche.

Im teils abgesperrten Hafen von Kirchdorf beraten die Mitglieder der privaten Rettungsinitiative, die DLRG-Einsatzkräfte, Behördenvertreter und Mecklenburgs Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) über das weitere Vorgehen. »Wenn das abdriftet in eine Richtung, dass dem Tier Schaden zugefügt wird, dann ist eine Grenze erreicht«, sagt Backhaus. Der Wal sei nun zum fünften Mal gestrandet, betont der Minister. Seine Orientierung führe ihn immer wieder in flache Gewässer. Das müsse man zur Kenntnis nehmen. In der Nacht hatte sich Backhaus gemeinsam mit Experten der Landesfischereiaufsicht dem Tier mit einem Boot bis auf etwa 500 Meter genähert. Die Atemfrequenzen hätten zunächst zwischen zwei und vier Minuten gelegen, seien im Verlauf aber auch wieder langsamer geworden, berichtet er. Das zeige, dass der Wal von den Ereignissen des Tages gestresst sei. 

Teammitglieder verlassen Wal-Rettungsinitiative

Christiane Freifrau von Gregory tritt als Pressesprecherin der privaten Initiative zur Rettung des Wals vor Poel zurück. In einer Mitteilung schreibt sie: »Um die Integrität unserer bisherigen Arbeit zu wahren und die weitere Rettung des Tieres nicht durch interne Differenzen zu belasten, ist ein klarer Schnitt zum jetzigen Zeitpunkt unumgänglich.« Die »aktuellen Entwicklungen und die Dynamiken vor Ort« stünden gegen das Ziel einer »professionellen und ruhigen Umsetzung des Konzepts, das Mensch und Tier schützt«.

Gestern wurde die leitende Tierärztin der Initiative, Janine Bahr-van Gemmert, mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht, sagt Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD). Auch eine weitere Tierärztin fällt demnach aus. »Ich habe natürlich auch mit großer Sorge zur Kenntnis genommen, dass die aus Hawaii eingeflogene Tierärztin abgereist ist«, sagt Backhaus. Zuvor hatten Medien berichtet, dass Jenna Wallace wegen Differenzen im Team abgereist sei. MediaMarkt-Mitgründer und Mitfinanzierer der Aktion Walter Gunz sagt: »Wir sind alle am Ende.« Er wolle die Initiative aber nicht aufgeben.

Leseempfehlung: »In dieser Kirche beten sie für den Wal. Und weinen«

Meine Kollegin Sylvie Gühmann hat die Inselkirche auf Poel besucht. Dort riecht es nach Bibel und Fäulnis, im Gedenkbuch geht es nur noch um den Wal vor der Küste. Hat er sich verirrt? Oder die Menschen dort? Hier lesen Sie die Reportage.

Backhaus: Wal verlässt Bucht »hoffentlich heute noch«

Der Umweltminister äußert sich gegenüber dem NDR hoffnungsvoll: Der Wal »wird den Kirchsee hoffentlich heute noch verlassen, und dann werden wir ihn begleiten«, sagt Backhaus laut NDR. Es soll eine Art Nachtwache geben, damit das Tier begleitet werden kann, sobald es losschwimmt. Laut NDR habe Backhaus veranlasst, dass neben der privaten Rettungsinitiative sowie dem DLRG auch Tierärzte und er selbst nachts in der Nähe sind.  

Sollte der Wal frei schwimmen, soll er aus dem Kirchsee in die Wismarbucht und dort Richtung Nordwesten zum offenen Meer geleitet werden. Boote sollen ihm laut Tauchunternehmer Fred Babbel von der privaten Rettungsinitiative den Weg nach Osten in Richtung Wismar versperren.

Die Helfer arbeiten weiterhin in der Nähe des Wals. Sie versuchen offenbar, Schlick unter dem Tier wegzublasen. So soll dem Wal der Start erleichtert werden. Es sei noch ein Stück bis zur Fahrrinne mit tiefem Wasser, sagt Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD). Der Wal sei jedoch in Bewegung.

Aktion dauert an

Noch immer sind zwei Taucher in der Nähe des Wals, das DLRG-Boot hält etwas Abstand. So ist es auf Livestreams zu sehen. Wie lange die Helfer heute noch im Einsatz sind, ist unklar.

Taucher bei Wal im Wasser

Mittlerweile ist das Boot am Wal angekommen. Zwei Taucher sind, offenbar mit Leinen gesichert, ins Wasser gesprungen und bewegen sich rund um den Wal. Mindestens fünf weitere Menschen warten an Bord, wie auf Livestreams im Netz zu sehen war.

Der Wal reagierte zunächst nicht erkennbar auf die Gesellschaft im Wasser.

Behörden passen Sperrzone an

Wegen der neuen Position des vor Poel ausharrenden Wals haben die Behörden die zum Schutz des Tieres eingerichtete Sperrzone nun angepasst. Die aktualisierte Regelung gilt laut einer Mitteilung der Wasserschutzpolizei seit Montagnachmittag. Innerhalb eines Radius von 500 Metern dürfen demnach keine unbefugten Boote fahren oder sich unbefugte Menschen anderweitig auf dem Wasser aufhalten. Auch Drohnenüberflüge sind demnach untersagt. Ausnahmen gelten etwa für Menschen, die für das Tier im Einsatz sind. Als Referenzposition gibt die Wasserschutzpolizei einen Punkt am Ausgang des Kirchsees in die Wismarbucht an, neben der dortigen Fahrrinne. 

Taucher bei Wal im Wasser

Mittlerweile ist das Boot am Wal angekommen. Zwei Taucher sind, offenbar mit Leinen gesichert, ins Wasser gesprungen und bewegen sich rund um den Wal. Mindestens fünf weitere Menschen warten an Bord, wie auf Livestreams im Netz zu sehen war.

Der Wal reagierte zunächst nicht erkennbar auf die Gesellschaft im Wasser.

Team bricht zu möglicher Unterspülungsaktion auf

Im Hafen von Kirchdorf bricht nun ein Team aus mehreren Kräften mit einem Boot auf. Mehrere Helfer und Taucher sind auf dem Weg zu dem Tier, offenbar soll es noch einmal unterspült werden. 

Retter wenig zuversichtlich 

Ein Boot der DLRG will gleich erneut zu dem Wal fahren, mit an Bord sind Taucher, berichtet der NDR. Fred Babbel, Mitglied der privaten Rettungsinitiative, hat jedoch wenig Hoffnung, dass die geplanten Maßnahmen erfolgreich sein werden. Der Wasserpegel sei zu gering.  

Bericht: Weitere Beratungen zu möglicher Spülungsaktion

Der höchste Wasserstand in der Kirchsee liegt schon einige Stunden zurück. Je tiefer der Pegel sinkt, desto schwieriger wird es für den Wal, sich selbst freizuschwimmen. Wie der NDR berichtet, beratschlagen sich derzeit Taucher mit Verantwortlichen der privaten Rettungsinitiative. Geplant ist demnach, noch einmal zum Wal zu fahren und Spülungen zu versuchen, um mehr Wasser unter das Tier zu bekommen.

Fontänen am Wal

Kurze Aufregung in den Livestreams: Bilder im Netz zeigten, wie mehrere große Wasserfontänen rund um den Wal aufspritzten. Dem Anschein nach hat er sie selbst verursacht. Zu sehen ist das Ganze hier, gegen 14.41 Uhr. Anschließend verharrte das Tier allerdings wieder weitgehend regungslos, stieß nur gelegentlich Blas aus.

Rettungsteam wollte dem Wal Gurte anlegen

Fred Babbel ist Tauchunternehmer und Mitglied der privaten Initiative, die den Wal retten will. Er sagte dem SPIEGEL, in ein bis zwei Stunden sei der Wasserpegel womöglich so weit gesunken, dass der Wal sich nicht selbst freischwimmen könne. Für diesen Fall sei geplant gewesen, dem Tier mit zwei Schlinggurten dabei zu helfen.

Allerdings liegen die Schlinggurte wieder am Hafen in Kirchdorf. Babbel wirkt frustriert. Er sagt, die Veterinärin des Ministeriums habe den Einsatz der Gurte untersagt. Die Gurte seien zu klein, sie würden einschneiden. Das Landwirtschaftsministerium war für eine kurzfristige Anfrage zunächst nicht erreichbar. 

Laut einem Gutachten von Anfang April ist die Haut des Wals stark in Mitleidenschaft gezogen. Sie platzt demnach bei Berührungen leicht auf, ein Transport mit Gurten könnte demnach zu Verletzungen führen. 

Wal verharrt weiter an Ort und Stelle

Die Zeit drängt, denn der Wasserstand sinkt. Doch der Buckelwal bewegt sich weiter nicht von der Stelle. Boote und Jetskis der DLRG sind weiter im Einsatz und umkreisen das Tier, das zwischendurch immer wieder Blas ausstößt.

Walforscher: »Höchste Zeit, ihn da wegzubugsieren«

Laut dem Meeresbiologen Boris Culik hat Wal »Timmy« womöglich gezielt eine Sandbank aufgesucht, um sich zu erholen. Die sinkenden Pegel könnten dem Tier allerdings zum Verhängnis werden. 

»Wenn er jetzt gemütlich mit dem Bauch auf einer Sandbank liegt und oben guckt das Blasloch raus, alles gut«, sagte Culik der Nachrichtenagentur dpa. »Aber wenn dann 50 Zentimeter weniger Wasser da sind, dann entwickelt er ein unheimliches Gewicht, das dann auf seinen inneren Organen lastet. Er hat ein ganz schwaches Skelett im Vergleich zu uns.« 

Innere Organe wie Lunge, Herz oder Leber könnten gequetscht werden. An die Rettungshelfer vor Ort appellierte Culik, der früher am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel gearbeitet hat: »Wenn der jetzt auf einer Sandbank liegt, wird es höchste Zeit, ihn da wieder wegzubugsieren. Die Retter haben nur wenige Stunden Zeit.« 

Vorhersage: Pegel sinken in der Nacht

Kann sich der Buckelwal dauerhaft freischwimmen? Das Zeitfenster dafür scheint knapp. Aktuell drückt kräftiger Wind Wasser in die Kirchsee, die Pegelstände sind dadurch laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) 35 bis 70 Zentimeter höher als sonst. Dadurch wurde das Wasser tief genug für den Wal.

Doch schon in der Nacht sollen die Pegel wieder sinken, dann ist der Wasserstand nur noch zwischen null und sechzig Zentimetern erhöht. Am Dienstag schwanken die Pegel dann laut Vorhersage zwischen zwanzig Zentimeter unter dem Normalzustand und 25 Zentimeter darüber – wahrscheinlich zu flach zum Schwimmen für den Wal. Laut Experten benötigt das Tier eine Wassertiefe von etwa zwei Metern, um nicht zu stranden.

Kräftiger Wind mit Sturmböen vorausgesagt

Derzeit liegt der gestrandete Buckelwal weiter am Übergang der Kirchsee in die Wismarbucht. Für das Gebiet ist heute bis in die Abendstunden kräftiger Wind aus nordöstlicher Richtung vorhergesagt, wie eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auf dpa-Anfrage mitteilte. Um ins offene Meer zu gelangen, müsste der Wal dieselbe Richtung einschlagen, also von Norden beziehungsweise Nordosten in Richtung Süden beziehungsweise Südwesten.

Die erwartete Windgeschwindigkeit liege bei 55 bis 70 Kilometern pro Stunde, das entspreche Windstärke sieben bis acht. »Vereinzelt kann es auch zu Sturmböen mit Windstärke neun kommen«, erklärt die DWD-Sprecherin weiter. Der DWD habe eine entsprechende Warnmeldung herausgegeben. In den späten Abendstunden werde der Wind dann schwächer. 

Leseempfehlung: So stehen die Chancen für den Wal

Um aus der flachen Kirchsee vor Poel herauszukommen, müsste der Wal einen Bogen schwimmen. Bislang allerdings liegt er mehr oder weniger reglos am Übergang zur Wismarbucht, wo das Wasser mit mehr als neun Metern deutlich tiefer ist als in der Kirchsee. Gibt es überhaupt eine Chance, dass er dort landet? Und womöglich sogar weiter schwimmt in Richtung offenes Meer? Meine Kollegin Julia Köppe hat sich die Lage angeschaut. Ihren Text lesen Sie hier.

Umweltminister Backhaus: »Unsere Strategie geht ja doch auf«

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus meldet sich weiter in Sachen Wal zu Wort: »Manchmal ist es so im Leben, plötzlich gibt’s eine Chance und das regelt sich alles von allein«, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Möglich gemacht wurde das Freischwimmen dem Minister zufolge vor allem durch eine deutliche Wetterveränderung. Sie habe 60 bis 70 Zentimeter mehr Wasserhöhe am Wal gebracht, so Backhaus.

»Unsere Strategie geht ja doch auf mit der Initiative«, sagte er. Der große Meeressäuger sei am Morgen mit verhältnismäßig hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen, »nämlich zwischen fünf und sieben Knoten«. Das sind etwa 9 bis 13 Kilometer pro Stunde. Geleitet von mehreren Booten schwamm der Wal erst mehrfach hin und her, dann anhaltend in die richtige Richtung – bis er allerdings erneut am Ende der Kirchsee genannten Bucht stoppte. Wenn der Wal für längere Zeit abtauche, könne eine Ortung zum Problem werden, sagte Backhaus.

Rettungsinitiative: Wal wird demnächst erneut »mobilisiert«

Seit rund eineinhalb Stunden verharrt der am Morgen freigekommene Buckelwal nun schon an derselben Stelle am Ausgang der Kirchsee vor Poel. Um die Mittagszeit herum soll er nun erneut »mobilisiert« werden, sagte Karin Walter-Mommert, Mitorganisatorin der privaten Rettungsaktion, dem NDR. Das Tier liege nur ganz flach auf; es brauche nicht viel, damit es wieder in Bewegung komme, so Walter-Mommert. Wie genau die Mobilisierung aussehen werde, sagte sie jedoch nicht.

Bis zum Mittag soll der Wasserstand in dem Seegebiet um Poel noch ansteigen, zeigen Daten des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie

Walter-Mommert zufolge müsse die Initiative derzeit noch auf ein »Go« vom Umweltministerium warten. Sie und ihr Team seien fast schon am Ende ihrer Kräfte, aber »es hat sich schon jetzt gelohnt, da der Wal noch mal schwimmen durfte.« 

Wie der freigekommene Wal durch die Bucht schwamm

Steigende Wasserstände und starker Wind haben dem vor Poel gestrandeten Wal zum erneuten Freischwimmen geholfen. Um kurz nach 7 Uhr früh schwamm er los, wechselte mehrfach die Richtung, schien orientierungslos. Die Bilder dazu sehen Sie hier im Video. 

Ministerium: Wal kann sich frei bewegen

Nach seinem Freischwimmen verharrt der Buckelwal vor Poel schon seit einer guten Stunde an derselben Stelle. Das Umweltministerium in Schwerin geht allerdings nicht davon aus, dass er erneut gestrandet ist. 

Helfer auf den Booten seien der Meinung, dass sich das Tier frei bewegen könne, sagte eine Ministeriumssprecherin. Allerdings lasse man dem Tier aktuell eine Pause. Es habe am Morgen schätzungsweise drei bis fünf Kilometer zurückgelegt. 

Buckelwal verharrt anscheinend an einer Stelle

Rund zwei Stunden nachdem der Buckelwal vor Poel losgeschwommen ist, hat er nun offenbar wieder gestoppt. Auf Livestreams ist zu sehen, wie das Tier nahe von Fahrwassertonnen zu liegen scheint. Die Begleitboote, die ihn zuvor Richtung offene Ostsee getrieben hatten, hielten zumeist Abstand. 

Der Meeressäuger wechselte nach seinem Losschwimmen am Morgen mehrfach die Richtung, schwamm aber geleitet von den Booten schließlich anhaltend in die richtige Richtung – bis zum Stopp am Ende der Kirchsee genannten Bucht. Ein Sprecher des Schweriner Umweltministeriums sagte, nach seinem Wissen sei auch der Ausgang des Kirchsees teils sehr flach. Der Wal müsste demnach einen Bogen schwimmen, um gut herauszukommen. Das Fahrwasser sei etwa zweieinhalb bis drei Meter tief. Ansonsten sei die Bucht etwa zwischen 90 Zentimeter und 1,10 Meter tief. Deutlich tiefer ist seinen Angaben nach das Fahrwasser der sich anschließenden Wismarbucht. Dieses sei mindestens mehr als neun Meter tief. Durch die Wismarbucht müsste der Wal schwimmen, um in die Ostsee zu gelangen.

Die Reise des Wals

Seit Anfang März ist der Buckelwal bereits vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns unterwegs, dabei strandete er mehrfach und befreite sich aus eigener Kraft wieder. Unsere Karte gibt den Überblick:

Greenpeace warnt: »Megastress für das Tier«

Nach Einschätzung der Umweltorganisation Greenpeace bedeutet die aktuelle Situation für den Buckelwal eine hohe Stressbelastung. »Das ist natürlich ein Megastress für das Tier«, sagte ein Sprecher. Der Wal habe die vergangenen Jahre ohne Kontakt zu Menschen verbracht, nun gebe es ständig Aktivitäten. Das Tier müsse sich erst einmal von den vergangenen Tagen erholen und sei nun Motorenlärm von den Booten ausgesetzt. »Der Stress für das Tier ist enorm.«

Es gibt Vermutungen von Wal-Beobachtern zum Hin- und Herschwimmen am Morgen: Demnach könnte das Tier so geschwächt sein, dass es versucht, in Küstennähe zu bleiben. Eine andere Erklärungsmöglichkeit wäre demnach, dass der Wal so desorientiert ist, dass er den Weg zurück ins offene Meer nicht findet. 

Backhaus: Wal soll einen Sender bekommen

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hat sich am Vormittag erneut zur aktuellen Wal-Lage geäußert. Es sei eine »großartige Entwicklung«, sagte er in einem Livestream. Sie sei auch möglich geworden durch die veränderten Umweltbedingungen: »Wir haben natürlich erkannt, dass wir Wind und vor allem Wasser kriegen«, sagte Backhaus. »Das hat dem Wal geholfen und hat ihn wahrscheinlich mobilisiert und motiviert, loszukommen.«

Das Tier sei anschließend recht orientierungslos durch die Bucht vor der Insel Poel geirrt. Den Booten der DLRG sei es dann »gelungen, ihn umzudrehen« und Richtung offenes Meer zu führen, sagte der Minister. Der Wal habe »aktuell noch Orientierungsschwierigkeiten«. 

Alle Maßnahmen seien weiter in der Verantwortung der privaten Rettungsinitiative. Das Tier solle nun einen Sender bekommen, um seine weitere Reise verfolgen zu können. Das Gerät solle an dem Wal angebracht werden, »sobald wir eine günstige Stelle haben, wo wir ihn damit versehen können«, so Backhaus.

Buckelwal verharrt anscheinend an einer Stelle

Rund zwei Stunden nachdem der Buckelwal vor Poel losgeschwommen ist, hat er nun offenbar wieder gestoppt. Auf Livestreams ist zu sehen, wie das Tier nahe von Fahrwassertonnen zu liegen scheint. Die Begleitboote, die ihn zuvor Richtung offene Ostsee getrieben hatten, hielten zumeist Abstand. 

Der Meeressäuger wechselte nach seinem Losschwimmen am Morgen mehrfach die Richtung, schwamm aber geleitet von den Booten schließlich anhaltend in die richtige Richtung – bis zum Stopp am Ende der Kirchsee genannten Bucht. Ein Sprecher des Schweriner Umweltministeriums sagte, nach seinem Wissen sei auch der Ausgang des Kirchsees teils sehr flach. Der Wal müsste demnach einen Bogen schwimmen, um gut herauszukommen. Das Fahrwasser sei etwa zweieinhalb bis drei Meter tief. Ansonsten sei die Bucht etwa zwischen 90 Zentimeter und 1,10 Meter tief. Deutlich tiefer ist seinen Angaben nach das Fahrwasser der sich anschließenden Wismarbucht. Dieses sei mindestens mehr als neun Meter tief. Durch die Wismarbucht müsste der Wal schwimmen, um in die Ostsee zu gelangen.

Wie geht es dem Wal? 

Wie es dem frei geschwommenen Tier geht und welche Überlebenschancen es hat, ist weiterhin unklar. Das Landesumweltministerium und alle hinzugezogene Fachleute kamen bislang einhellig zu dem Schluss, dass das Tier in einem sehr schlechten Zustand und wohl schwer krank oder sogar sterbend sei. Mehrfachstrandungen gelten demnach in Fachkreisen als ein Zeichen für massive Schwierigkeiten.

Alle aktiven Bemühungen um das Tier waren deshalb bereits eingestellt worden. In der vergangenen Woche entschied das Landesumweltministerium dann, einen womöglich letzten Rettungsversuch der von Unternehmern finanzierten Privatinitiative zu dulden. Die Verantwortung liegt allein bei der Initiative, die Behörden überwachen die Maßnahmen allerdings. Zuständig sei weiterhin die Initiative, betonte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) heute Morgen noch einmal. Sie erhalte aber »vollständige Hilfestellung« der Behörden. 

Initiator der Rettungsaktion ernüchtert 

Die Geldgeber der privaten Rettungsaktion, die den gestrandeten Buckelwal eigentlich befreien wollte, haben sich über das selbstständige Losschwimmen des Tiers ernüchtert gezeigt. Man habe zwei Tage Verzögerung im Plan gehabt, sagte Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz, der die Aktion zusammen mit der Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanziert, der Deutschen Presse-Agentur. »Und jetzt ist das aus der Bahn gelaufen alles.« Mehr könne er derzeit nicht sagen. »Jetzt kann man nur hoffen, dass die Begleitung gelingt.«

Befreiung wohl aus eigener Kraft

Dass der gestrandete Buckelwal wieder schwimmt, hat mit der geplanten Rettungsaktion offenbar nichts zu tun: Stattdessen soll der steigende Wasserstand zentral gewesen sein – in doppelter Hinsicht: Er verhinderte, dass die Aktion wie zeitlich geplant startete und brachte offenbar genug Wasser unter das Tier, sodass es nun aus eigener Kraft loskam.

Gestern Abend hatte Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz, der die Aktion zusammen mit der Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanziert, der Deutschen Presse-Agentur gesagt, durch den gestiegenen Wasserstand seien das Anbringen der Pontons und ein Begleiten des Wals wie geplant unmöglich geworden. Am Samstag habe man »die richtige Wasserhöhe noch gehabt», so Gunz. »Heute haben wir plötzlich 70 Zentimeter mehr.« Das sei eine ganz andere Situation.

Der ursprüngliche Plan sah vor, eine Plane unter den Wal zu ziehen und diese an Pontons zu befestigen, die wiederum von einem Schlepper an einer langen Leine gezogen werden. So sollte das Tier in die Nordsee und möglichst sogar bis in den Atlantik transportiert werden. Die Vorbereitungen dafür liefen seit Donnerstag. 

Zwölf Meter Länge

Messungen des Umweltministeriums zufolge ist der Buckelwal wohl ein relativ durchschnittliches Tier: Den Angaben nach misst er 12,35 Meter Länge und 3,20 Meter Breite bei etwa 1,60 Meter Höhe.

Wal findet bislang offenbar nicht Weg ins offene Meer

Der frei geschwommene Wal wechselt weiter die Richtung, wie auf Livestreams im Netz zu sehen ist. Helfer versuchen von Booten aus, ihn in Richtung offene Ostsee zu treiben – bislang allerdings vergeblich. »Der ist weiter in die Bucht geschwommen«, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. 

Auf den Bildern der Livestreams waren zeitweise im Hintergrund schon Hafenanlagen von Kirchdorf am Ende der Bucht zu sehen. Zuletzt bewegte sich das Tier aber wieder für mehrere Minuten in die andere Richtung, die aus der Bucht hinausführt. 

Befreiung wohl aus eigener Kraft

Dass der gestrandete Buckelwal wieder schwimmt, hat mit der geplanten Rettungsaktion offenbar nichts zu tun: Stattdessen soll der steigende Wasserstand zentral gewesen sein – in doppelter Hinsicht: Er verhinderte, dass die Aktion wie zeitlich geplant startete und brachte offenbar genug Wasser unter das Tier, sodass es nun aus eigener Kraft loskam.

Gestern Abend hatte Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz, der die Aktion zusammen mit der Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanziert, der Deutschen Presse-Agentur gesagt, durch den gestiegenen Wasserstand seien das Anbringen der Pontons und ein geplantes Begleiten des Wals unmöglich geworden. Am Samstag habe man »die richtige Wasserhöhe noch gehabt«, so Gunz. »Heute haben wir plötzlich 70 Zentimeter mehr.« Das sei eine ganz andere Situation.

Der ursprüngliche Plan sah vor, eine Plane unter den Wal zu ziehen und diese an Pontons zu befestigen, die wiederum von einem Schlepper an einer langen Leine gezogen werden. So sollte das Tier in die Nordsee und möglichst sogar bis in den Atlantik transportiert werden. Die Vorbereitungen dafür liefen seit Donnerstag. 

Wal schwimmt durch Wismarbucht 

Auf Livestreams im Internet ist zu sehen, wie der Wal sich derzeit weiter durchs Wasser vor Poel bewegt. Er wechselt dabei immer wieder die Richtung und stößt Blas aus. Mehrere Begleitboote der DLRG sowie Jetskis kreisen um das Tier, an Land stehen Schaulustige und beobachten die Szenen.

Ist der Wal nun gerettet?

Die Freude in Poel ist groß: Auf Bildern sind jubelnde Menschen zu sehen, die um den Wal gebangt hatten. Doch das Risiko ist hoch, dass »Timmy« oder »Hope«, wie viele das tonnenschwere Meerestier nennen, erneut stranden wird.  

Seit er Anfang März das erste Mal in der Ostsee aufgetaucht ist, lag der Wal bereits viermal auf Grund. Und die Kirchsee, in der sich der Wal aktuell befindet, ist flach – an vielen Stellen ist das Wasser nur etwa 1,2 bis 2 Meter tief – abgesehen von einer engen Fahrrinne. 

Begleitboote sollen jetzt versuchen, dem Wal den richtigen Weg zu zeigen, doch bis in den Atlantik sind es Hunderte Kilometer. Der Wal kann abtauchen, und in der Nacht dürfte es schwer werden, den Meeressäuger im Blick zu behalten.  

Die neuseeländische Meeresbiologin Ingrid N. Visser, die an zahlreichen Walrettungen beteiligt war, sagte dem SPIEGEL, sie glaube nicht, dass sich ein frei schwimmender Buckelwal über Hunderte Kilometer durch die Ostsee in den Atlantik lenken lasse. Zu schmal die Fahrrinnen, zu viele Untiefen. Sie habe noch nie einen Buckelwal unter ähnlichen Umständen befreien können. 

Geplante Rettungsaktion gestaltet sich schwierig

Als der Wal sich festgeschwommen hatte, wollten die Behörden das Tier sterben lassen – zu schlecht schien sein Zustand. Dann allerdings duldeten die Behörden, dass eine private Initiative eine Rettungsaktion startet. Diese verzögerte sich allerdings. So war der Wind zuletzt aufgefrischt und der Wasserpegel gestiegen.

Bilder zeigen immer wieder einen Blas, die Fontäne, die ein Wal beim Auftauchen ausstößt.

Boote sollen Tier begleiten

Ziel ist nun, das Tier aus der Bucht zu begleiten. Dazu sollen laut Minister Backhaus weitere Boote geordert werden.  »Es gibt die Chance, das Tier ins richtige Fahrwasser zu bringen.« Der Wal hatte sich schon mehrmals festgeschwommen und war wieder freigekommen. Den Weg ins offene Meer fand er aber nicht.

Seit Anfang März war der Wal immer wieder an der Ostseeküste aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar, später in der Lübecker Bucht und an der Küste bei Steinbeck im Kreis Nordwestmecklenburg. Das Tier hatte sich Experten zufolge wiederholt in Netzen verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd hatten es von einem Teil des Materials befreit. Vor Poel hatte er sich zum dritten Mal festgesetzt.

Umweltminister Backhaus spricht von »Glücksmoment«

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus ist vor Ort. Der SPD-Politiker sagte vor Reportern, es sei »zunächst mal ein Glücksmoment«, dass der Wal jetzt wieder schwimme. Wie schon bei vergangenen Auftritten in Zusammenhang mit dem Wal fehlte es bei Backhaus nicht an Pathos: »Ich habe das immer gesagt, ich persönlich: Ich begleite diesen Wal. Bis zum Ende. Ob lebend oder tot.«

Buckelwal schwimmt sich frei

Ende März war vor der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns ein Buckelwal gestrandet. Nun hat sich das Tier in der Wismarer Bucht freigeschwommen. Wir halten Sie hier über die Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, der Pegel in der Barge werde bei einem »Hochfahrprozess« steigen, tatsächlich sinkt er aber. Wir haben den Fehler korrigiert.

Gesamten Artikel lesen