News: Irankrieg, Israel, Inflation, Ölpreis, EU-Gipfel, Ina Scharrenbach

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Die Lage am Morgen Die Wut an der Tankstelle erreicht bald die Supermärkte

Heute geht es um den eskalierenden Energiekrieg in Nahost. Um die Angst vor einer neuen Inflation. Und um einen Showdown in Brüssel.

19.03.2026, 05.43 Uhr

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Der Energiekrieg

Der Irankrieg tritt in eine neue Eskalationsstufe ein. Die israelische Luftwaffe beschoss am Mittwoch Anlagen des Erdgasfeldes »South Pars«, dieses liefert rund 70 Prozent der iranischen Gasversorgung; die USA waren wohl vorab darüber informiert. Es gab auch wieder Angriffe auf iranische Spitzenfunktionäre. Wie Verteidigungsminister Israel Katz bekannt gab, hat Israels Führung die Tötung jedes ranghohen iranischen Vertreters genehmigt (mehr hier ).

 Herz der katarischen Gaswirtschaft

Anlage Ras Laffan: Herz der katarischen Gaswirtschaft

Foto: REUTERS/ Qatar Petroleum

Irans Vergeltungsschläge folgten prompt. Am Abend meldete Katar verheerende Raketenangriffe auf den Industriekomplex Ras Laffan, dies ist das zentrale Drehkreuz Katars für Flüssiggasexporte. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate konnten Raketen im Anflug auf Öl- und Gasanlagen abfangen. (Alle Entwicklungen rund um den Irankrieg hier in der Liveanalyse.)

In seinem Überlebenskampf ist das iranische Regime offenbar dazu entschlossen, die Region mit in den Abgrund zu reißen und die Welt in eine Rezession zu stürzen. Zugleich deutet nichts darauf hin, dass die USA und Israel an Friedensgesprächen interessiert wären.

Von Tag zu Tag nehmen die Hemmungen in diesem Krieg ab. Er mutiert zu einem selbstzerstörerischen Energiekrieg.

Nervöse Notenbanker

Noch bis vor wenigen Wochen wirkten die europäischen Notenbanker entspannt. Im Februar lag die Inflationsrate im Euroraum bei 1,9 Prozent, der Preisanstieg schien damit unter Kontrolle. Im Euroraum deutete sich sogar leichtes Wachstum an.

 Keine Sprünge

EZB-Präsidentin Christine Lagarde in Frankfurt (M.): Keine Sprünge

Foto: Eibner-Pressefoto / Florian Wiegand / Eibner / IMAGO

Die Lage schien so stabil, dass die Märkte davon ausgingen, die Europäische Zentralbank (EZB) und die amerikanische Federal Reserve (Fed) würden im Laufe des Jahres die Leitzinsen senken und somit Kredite billiger machen. Doch daraus wird wohl nichts. Der Irankrieg schlägt durch auf die Geldpolitik.

Die Fed gab gestern bekannt, dass sie am aktuellen Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent festhält. Heute verkündet die EZB ihre Leitzinsentscheidung. Wahrscheinlich schraubt auch sie nicht am Zins, sondern belässt ihn bei aktuell 2 Prozent.

Woher rührt die Vorsicht?

Die Zentralbanker sind nervös. Sie wollen einen Inflationsschock unbedingt vermeiden. Die ökonomischen Folgen der kriegsbedingten Ölkrise sind bereits gravierend.

Die stark gestiegenen Spritpreise sind wohl erst der Auftakt (mehr hier ). Mein Kollege Michael Brächer ist mit einem Team aus unserem Wirtschaftsressort der Frage nachgegangen, wie schlimm die Inflation hierzulande werden könnte. »Am Anfang steht der gestiegene Ölpreis. Er lässt die Kosten für Transportfahrten, Vorprodukte oder Dünger klettern«, schreiben die Kollegen. Diese Kosten wirkten sich wiederum auf die Preise für Lebensmittel, Maschinen oder Haushaltsprodukte aus.

Michael und sein Team sagen voraus: »Was schon jetzt für Wut an der Tankstelle sorgt, wird mit Verzögerung auch im Supermarkt ankommen.«

Orbáns großer Auftritt

Wenn heute Vormittag in Brüssel die Staats- und Regierungschefs der EU zusammenkommen, möchte der Kanzler mit ihnen vor allem über ein Thema reden: über Europas Wettbewerbsfähigkeit. So hat es Friedrich Merz gestern im Bundestag gesagt, in seiner Regierungserklärung zum EU-Gipfel (mehr hier ). Er gab den Antreiber: »Es waren wir, die Bundesregierung, die dieses Thema in das Zentrum der europäischen Debatte gerückt hat.«

 Auf Kollisionskurs

Wahlkämpfer Orbán in Budapest: Auf Kollisionskurs

Foto: Akos Kaiser / Hungarian Pm Office / EPA

Schlechte Nachrichten für Merz: Die Brüsseler Tagesordnung dürften zwei andere Themen beherrschen.

Thema Nummer eins: Der Nahostkrieg und die steigenden Energiepreise. Die EU-Kommission wird wohl ein Maßnahmenpaket vorstellen, aus dem sich die Mitgliedstaaten bedienen können, um den Preisanstieg zu bremsen. Auch zum EU-Emissionshandelssystem dürfte es eine Debatte geben; mehrere Staaten fordern, die Klimaschutzambitionen zu mindern.

Thema Nummer zwei: Ungarns Nein zum 90-Milliarden-Kredit für die Ukraine. Ministerpräsident Viktor Orbán blockierte zuletzt die Auszahlung des Geldes, das die Ukraine unter anderem zum Kauf von Waffen benötigt, um sich gegen Russlands Truppen zu verteidigen. Erst wenn wieder Öllieferungen über die Druschba-Pipeline möglich sind, wolle er dem Kredit und dem 20. Sanktionspaket gegen Russland zustimmen, sagte Orbán.

Die russische Pipeline führt unter anderem durch die Ukraine bis nach Ungarn. Kyjiw zufolge werde sie bei russischen Angriffen immer wieder beschädigt, eine Reparatur sei nicht sinnvoll.

Um die Blockade zu lösen, bot die EU-Kommission an, die Leitung zu inspizieren, die Ukraine hat nun eingewilligt. Orbán kämpft zurzeit um seine Wiederwahl (mehr hier). Heute dürfte sich zeigen, ob auch er zum Kompromiss bereit ist oder den Konflikt lieber auf die Spitze treibt.

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Verliererin des Tages …

… ist NRW-Ministerin Ina Scharrenbach. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bauen und Digitalisierung sowie Beschäftigte nachgeordneter Behörden werfen der CDU-Politikerin Machtmissbrauch vor.

 Führungsstil in der Kritik

CDU-Landespolitikerin Scharrenbach: Führungsstil in der Kritik

Foto: Christoph Reichwein / dpa

Meine Kollegin Miriam Olbrisch und mein Kollege Tobias Großekemper haben mit einem knappen Dutzend aktueller und ehemaliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Scharrenbachs gesprochen. Sie berichteten von Angst, Druck und einem Führungsstil, der krank mache. Die Staatskanzlei von CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst weiß seit Monaten von den Vorwürfen. Passiert ist bisher aber offenbar nichts.

Heute bei SPIEGEL Extra: »Schau mal, Mama, die Frau ist aber dick!« – Was tun Sie jetzt?

Foto:

Frank Muckenheim / plainpicture

Erst Bodyshaming, dann Diät und schließlich Essstörung: Viele Eltern kennen solche Leidensgeschichten. Wie vermitteln sie ihren Kindern ein anderes Körperbild? Eine Expertin weiß Rat. 

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihre Marina Kormbaki, stellvertretende Leiterin des SPIEGEL-Hauptstadtbüros

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