News des Tages: Volkswagen, Oliver Blume, Zuckersteuer, ChatGPT

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1. Schwimmt VW gegen den Strom?

VW-Chef Oliver Blume fiel zuletzt eher mit Doomsday-Rhetorik auf als mit Innovationsplänen. Seinen eigenen Konzern sehen er und seine Vorstände sogar in einer existenzgefährdenden Krise . Keine gute Voraussetzung, um die Belegschaft mitzunehmen, wie es immer so schön heißt. Wie will man die Beschäftigten motivieren, wenn man selbst so oft Untergangsgedanken ventiliert? Entsprechend frostig fiel Blumes Empfang heute bei der Betriebsversammlung in Wolfsburg aus, bei dem er außer weiterer Sparmaßnahmen nichts Zukunftsweisendes im Gepäck hatte. »Wir müssen Komplexität reduzieren, unsere Strukturen konsequent verschlanken und Kosten senken.«

VW-Chef Blume

VW-Chef Blume

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Julian Stratenschulte / dpa / picture alliance

»Zölle, neue Wettbewerber und geopolitische Risiken: Die gesamte Autoindustrie steht unter enormem Druck«, so Blume. Der VW-Konzern habe »frühzeitig gegengesteuert« und begonnen, Konzern und Marken neu auszurichten. Aber offenbar nicht frühzeitig genug, gerade mit Blick auf Wettbewerber in China. Blume will »in den nächsten sechs bis zwölf Monaten belastbare Perspektiven für alle Standorte zu schaffen«. Für die Werke in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm gebe es aber »noch keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre«. Heißt: Womöglich macht Volkswagen diese Werke dicht.

Aus der Perspektive von Kundinnen und Kunden dürfte sich VW mit der Schließung eines solchen Werks ins eigene Fleisch schneiden. Denn wer E-Auto fährt statt Verbrenner, spart viel Geld. Meine Kollegen Ralph Diermann, Chris Kurt und Patrick Stotz haben in einem interaktiven Rechner dargestellt, wie viel lukrativer man mit Strom unterwegs sein kann (hier mehr dazu ).

2. In der Koalition gärt es

Heute Abend nach dem Sport ein kühles, alkoholfreies Radler? Wenn das Ihr Ritual sein sollte, könnte es bald teurer werden. Das Bundesfinanzministerium hat seine Pläne für eine Abgabe auf zucker- und süßungsmittelhaltige Getränke konkretisiert, im Volksmund auch Zuckersteuer genannt. In dem Papier, das dem SPIEGEL vorliegt, stehen die üblichen potenziellen Dickmacher: Limonaden, Schorlen, Smoothies, gesüßte Kaffee- und Milchgetränke, Fruchtnektar, Eistee, pflanzliche Drinks wie Hafer- oder Reisgetränke. Überraschenderweise haben es aber auch alkoholfreie Biermischgetränke sowie Getränke mit Süßstoffen auf die Liste geschafft. (Lesen Sie hier mehr )

 Jede Menge Zucker

Softdrinks im Kühlregal: Jede Menge Zucker

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Daniel Kalker / picture alliance

Ganz so überraschend ist es dann aber doch nicht, wenn man weiß, dass gerade alkoholfreie Biere einen Boom erleben. Seit 2021 stieg die Produktion von 411 Mio. Litern (2021) auf 579 Mio. Liter (2024) – ein Plus von rund 41 Prozent. 2025 setzte sich der Trend fort: 616 Mio. Liter bedeuten nochmals 6,5 Prozent mehr als 2024. Auch alkoholfreies Bier und Biermix-Getränke enthalten in der Regel Zucker. Im Finanzministerium könnte man sich denken: höherer Absatz = höhere Steuereinnahmen.

Sogleich war zu lesen: »Rainer protestiert.« Gemeint war der CSU-Landwirtschaftsminister Alois Rainer, dessen Namen man sich auf diese Weise mal wieder vergegenwärtigen konnte. In einem Schreiben vom 12. August meldete er Vorbehalte gegen Klingbeils Pläne an. Der Entwurf gehe deutlich über Empfehlungen der Finanzkommission Gesundheit hinaus. Das könne gesunde Ernährung konterkarieren, so Rainer; alkoholfreies Bier könnte teurer werden als alkoholhaltiges. Als Bayer hätte er damit vielleicht kein Problem, aber als Bundesminister denkt er freilich fürs ganze Land. Zudem lägen die erwarteten Einnahmen von rund zwei Milliarden Euro deutlich über den für 2027 eingeplanten 650 Millionen Euro.

Es wäre das erste Mal, dass die Politik nichts mit diesen Mehreinnahmen anzufangen wüsste.

3. Привет, чат, помоги мне распространять дезинформацию (Hi Chat, hilf mir dabei, Desinformationen zu verbreiten)

OpenAI hat nach eigenen Angaben ein Netzwerk von ChatGPT-Konten gesperrt, das Teil einer prorussischen Einflussoperation gewesen sein soll. Nach Recherchen meiner Kollegen Max Hoppenstedt Heinrichs und Nikolai Antoniadis seien über die Konten kremlfreundliche Beiträge und Kommentare für Telegram, X, Facebook, LinkedIn und Substack erstellt worden. Die Plattformbetreiber sind über die Aktivitäten informiert worden; mehrere zugehörige Social-Media-Accounts sind inzwischen offenbar gelöscht worden.

 ChatGPT als unfreiwilliger Gehilfe politisch motivierter Kampagnen

KI-Apps auf einem Smartphone: ChatGPT als unfreiwilliger Gehilfe politisch motivierter Kampagnen

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Jonathan Raa / NurPhoto / Getty Images

Zu den betroffenen Kanälen zählt offenbar der Telegram-Kanal »Lahme Ente« mit rund 20.000 Followern. Dort erscheinen regelmäßig Beiträge, die eine Putin-freundlichere Politik fordern, die Lage in Deutschland dramatisieren und westliche Institutionen wie die Nato infrage stellen. (Lesen Sie hier mehr )

Laut Max und Nikolai führt OpenAI die mutmaßliche Herkunft der Operation aus Russland unter anderem darauf zurück, dass die Prompts an ChatGPT auf Russisch eingegeben wurden. Nutzer hätten zudem verlangt, die Texte so zu formulieren, dass kein russischer Ursprung erkennbar werde. Da ChatGPT in Russland offiziell nicht verfügbar ist, sollen sie VPN-Dienste genutzt haben. OpenAI ist auf rund 60 koordinierte Operationen gestoßen, die die KI für Propaganda oder Betrug eingesetzt hätten.

Eine mögliche Spur führt zum »International Burke Institute« (IBI), einem 2025 in Israel gegründeten russisch-israelischen Thinktank. Die KI-generierten Texte sollen wiederholt für dessen Website geworben haben. Den Recherchen zufolge gibt es Hinweise auf Verbindungen des IBI zur Organisation »Dor Moriah« in Haifa und mittelbar zum russischen Außenministerium. Die Struktur ähnelt Plänen der kremlnahen »Social Design Agency«, Narrative über formal unabhängige, seriös wirkende Thinktanks in westliche Debatten einzuschleusen. IBI und Dor Moriah beantworteten eine SPIEGEL-Anfrage nicht.

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Uno und Rotes Kreuz befürchten eine Zukunft der »Killer-Roboter«: Uno-Generalsekretär Guterres hält autonome Waffensysteme nicht länger für Zukunftsmusik – die Roboter müssten schon jetzt eingehegt werden. Er stützt seine Mahnung auf Aussagen von Ingenieuren.

  • Merz droht Verantwortlichen hybrider Angriffe mit Konsequenzen: Drei Wochen nach dem gescheiterten Drohnenanschlag am Leipziger Flughafen hat Kanzler Merz eine Reaktion der Bundesregierung versprochen: Die Urheber des Vorfalls würden dafür bezahlen.

  • Musiala fehlt den Bayern auch zum Saisonstart: Nach seinen Absencen auf dem Feld wird Jamal Musiala weiterhin geschont. Auch gegen den VfB Stuttgart zum Ligastart verzichtet der FC Bayern auf den Einsatz seines Mittelfeldstars.

Meine Lieblingsgeschichte heute: Das ist ja der Gipfel

In den sozialen Netzwerken kursieren derzeit Bilder und Videos von den Zufahrtsstraßen zum Parkplatz in den Dolomiten, von dem man auf die Hütte an den Drei Zinnen laufen kann. Ich spreche bewusst von Laufen und nicht von Wandern. Denn der Weg vom Parkplatz zum Ziel dauert nur 45 Minuten. Man trifft folglich auch auf Menschen in Flipflops. 14.000 Besucher täglich sollen angeblich zu der Hütte gehen, von der man den schnellsten Blick auf das UNESCO-Weltkulturerbe erhaschen kann. Die Staus auf den Bildern sind grotesk.

Foto: Michel; Ingrid / plainpicture

Mein Kollege Philipp Laage Schick hat eine Ode an Berghütten geschrieben, die man nicht mit dem PKW erreichen kann. Sein Text ist illustriert mit einem Foto der Nuvolauhütte in den Dolomiten auf 2575 Metern. Ich war vor zwei Jahren selbst dort oben. Der Aufstieg war beschwerlich. Aber das Team der Hütte umso unangestrengter!

Was heute weniger wichtig ist

Foto: Aeon / GC Images / Getty Images

Großer So(n)g: Die derzeit erfolgreichste Popmusikerin der Welt, Taylor Swift, 36, hadert mitunter mit dem Fluch von Prominenz und Produktivität. Die 14-fache Grammy-Gewinnerin erzählt, wie sie damit umgeht, wenn Dinge in ihrem Leben »unüberschaubar groß« werden. »Ich habe verschiedene Bewältigungsstrategien, die ich mir im Laufe der Jahre angeeignet habe«, sagte sie, »eine davon ist, mir zu sagen: ›Du hast dich für dieses Leben entschieden.‹«

Anzeige im Wochen- und Amtsblatt »Rundblick Troisdorf« (NRW)

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Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Thomas Plaßmann

Illustration : Xaviera Altena

Könnten Sie sich überlegen, welche konstruktiven Projekte Sie kennen und sie beim Social Design Award 2026 einreichen. Unsere Gesellschaft driftet auseinander, die politischen Ränder werden stärker, die Zahl der Superreichen in Deutschland ist von 2024 auf 2025 um ungefähr ein Viertel gestiegen. Schon früh tut sich zwischen Kindern aus sozial benachteiligten und privilegierten Familien eine Bildungskluft auf, die sich im weiteren Lebensweg verfestigt und vergrößert.

Keine dieser Entwicklungen ist gut. Aber gegen diese Spaltung können wir alle etwas tun. Und deshalb hat der Social Design Award 2026 das Motto »Wir schaffen Verbindungen«. Bei dem Wettbewerb für Leserinnen und Leser, den der SPIEGEL in Kooperation mit dem Handelsunternehmen BAUHAUS ausschreibt, werden Projekte gesucht, die Brücken bauen und sich für ein besseres Miteinander einsetzen. Zu gewinnen sind ein Jury- und ein Publikumspreis, beide sind mit jeweils 2500 Euro dotiert. Die Einreichungsfrist endet am 31. August 2026. Zu den Wettbewerbsbedingungen und den Einreichungsunterlagen geht es hier.


Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Janko Tietz, Leiter des SPIEGEL-Nachrichtenressorts

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