News des Tages: Taifun in China, Erdbeben in Kolumbien und graue Autos in Deutschland

vor 2 Tage 1

Ende Juli und Anfang August geht die Lage am Abend auf Weltreise: SPIEGEL-Korrespondentinnen und -Reporter berichten aus den Metropolen und entlegenen Ecken Asiens, Afrikas, Amerikas und Europas. Und natürlich bekommen Sie hier auch weiterhin Ihr Nachrichten-Briefing: News, Meinung, Stories – alles, was am Tag wirklich wichtig ist.

1. »Befehlsverweigerung ist nicht vorgesehen«

Während in Europa in diesem Sommer Flusspegel sinken und Felder verdorren, brandet hier in Ostasien ein Taifun nach dem anderen an die Küste. Zuletzt traf südlich von Shanghai ein Tropensturm mit dem harmlos klingenden Namen »Dolphin« auf Land. Stellenweise gingen binnen 24 Stunden mehr als 300 Liter Regen pro Quadratmeter nieder. Solche Mengen wurden seit 150 Jahren nicht gemessen.

Meine Kollegin Maria Stöhr war während des Sturms in Shanghai und erlebte waagerechten Starkregen, umstürzende Bäume und einen seltenen Stromausfall in Chinas Megastadt (Lesen Sie hier mehr ). »Die Anwohner sind den Umgang mit dem Sturm gewohnt«, schreibt sie, und die Rettungskräfte seien grundsätzlich gut vorbereitet.

 Wenn das Wasser in der Wohnung bis zu den Knöcheln steht

Taifun »Dolphin« in Shanghai: Wenn das Wasser in der Wohnung bis zu den Knöcheln steht

Foto:

Go Nakamura / REUTERS

Da sich Taifune oft wochenlang über dem Pazifik zusammenbrauen, bevor sie an Land gehen, bleibt den chinesischen Behörden in der Regel genug Zeit, um über Nacht Hunderttausende aus potenziellen Katastrophengebieten zu evakuieren. »Das überwachen die Behörden rigoros«, so Maria, »digital und mit Kameras. Zudem schwärmen Nachbarschaftskomitees aus, um Anwohner zum Verlassen der Häuser zu bewegen. Befehlsverweigerung ist nicht vorgesehen.«

Inzwischen ist Maria in Peking zurück. Ausnahmsweise hatte ihr Zug wegen des Sturms eine halbe Stunde Verspätung. Der Regen ist ihr nachgereist, hat aber über Land an Stärke verloren.

2. Er ist erst vier Tage im Amt, da trifft ein Erdbeben das Land des neuen Präsidenten

Anders als Taifune sind Erdbeben nicht wirklich vorhersagbar – einer der Gründe, warum diese Katastrophen oft so viele Opfer fordern. Am Montagmorgen (Ortszeit) erschütterte ein Beben der Stärke 7,4 den Westen Kolumbiens. Mindestens 240 Menschen starben, viermal so viele werden vermisst, und Tausende sind obdachlos. (Lesen Sie hier mehr.)

 Eine Welle der Hilfsbereitschaft geht durchs Land

Eingestürztes Haus in der Stadt Pereira: Eine Welle der Hilfsbereitschaft geht durchs Land

Foto: Carlos Ortega / EPA

Kolumbien, berichtet unser Lateinamerika-Korrespondent Jens Glüsing, sei auf Erdbeben besser vorbereitet als das Nachbarland Venezuela, wo bei einem Doppelbeben Ende Juni 6300 Menschen ums Leben kamen – und das Regime der Machthaberin Delcy Rodríguez bei der Katastrophenhilfe versagte. Anders als dort, schreibt Jens, sei der Staat in Kolumbien »solider, die Institutionen funktionieren besser – allerdings nur dort, wo sie auch präsent sind«. (Lesen Sie hier mehr .)

Alle Blicke richten sich nun auf einen Mann, der erst am Freitag als Präsident vereidigt wurde und sich als der »Tiger« präsentiert: den Rechtspopulisten Abelardo de la Espriella, der keine Regierungserfahrung hat und trotzdem sofort alle Kompetenzen an sich zog. »Wenn es ihm nicht gelingt, die Situation schnell unter Kontrolle zu bringen«, so Jens, »fällt die Verantwortung allein auf ihn zurück.«

3. Sixty Shades of Gray

»Es wirkt bescheiden«, schreibt mein Kollege Arno Frank, »aber teuer. Modern, aber reduziert. Langweilig, aber gerade deswegen aufregend. Es möchte auffallen, indem es nicht auffällt.«

 »Rheinmetall Gray« wäre eine treffende Bezeichnung

Grauer Lamborghini: »Rheinmetall Gray« wäre eine treffende Bezeichnung

Foto: Uli Deck / dpa / picture alliance

Die Rede ist von der schlichten Autofarbe Grau, die mit knapp 33 Prozent im Jahr 2024 »die meistgewählte Farbe bei Neuzulassungen in Deutschland« war, »allerdings einschließlich Silber«. Arno hat nachgezählt: In mehr als 60 verschiedenen Abstufungen bieten Autohersteller ihre graue Ware derzeit an, von »Carpathian Gray« und »Eiger Gray« bei Landrover bis »Granito« bei Maserati. Dass ausgerechnet diese Farben in Deutschland so populär sind, so Arno, erzähle auch etwas über die Verunsicherung einer Gesellschaft, »die neobleiern unter Rezession und Abstiegsangst leidet«.

Wenn das stimmt, dann habe ich aus China gute Nachrichten. Ich bin seit ein paar Wochen wieder zurück an meinem früheren Dienstsitz Peking und habe in dieser kurzen Zeit bereits gut ein Dutzend Autos in sehr fröhlichen Farben fotografiert, darunter einen pinkfarbenen Porsche, einen minzgrünen Bentley und einen BMW in Perlmuttlila (wenn es das gibt). Die Chinesen sind trotz Immobilienkrise und sinkender Wachstumsraten offenbar besser drauf als die Menschen in Deutschland.

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Geheimdienste sollen Spione künftig aktiv verfolgen und bekämpfen dürfen: Die deutschen Geheimdienste sollen besser für die hybride Bedrohung aus Moskau gewappnet sein. Der Bundesnachrichtendienst und der Verfassungsschutz erhalten daher künftig Interventionsbefugnisse. Was sich dadurch ändert.

  • Mammutprozess gegen Facebook-Mutterkonzern Meta beginnt in den USA: In Kalifornien wird die Jury für einen der bisher größten Prozesse gegen Meta ausgewählt. Es geht um das Suchtpotenzial sozialer Medien. Im Raum steht eine Strafzahlung, die den Konzern ruinieren könnte.

  • Kartellamt stärkt 50+1-Regel in der Fußball-Bundesliga: Investoren müssen im deutschen Fußball weiter nach denselben Regeln spielen. Das Bundeskartellamt mahnt aber deren konsequente Umsetzung an – und bei den Ausnahmen sollte die Liga genauer hinschauen.

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

 Traumangebot in Kalifornien

Furo-Gründerteam Voß, Wittner, Wagner: Traumangebot in Kalifornien

Foto:

Sebastian Arlt / DER SPIEGEL

Viele deutsche Start-ups ziehen ins Silicon Valley. Dieses Gründerteam kommt wieder zurück: Ihnen winkten Traumjobs bei Apple und Google, doch sie wollten lieber nach München. Drei KI-Experten gründeten ihr Start-up gegen den Trend in Deutschland – auch weil sie hier bessere Geschäfte erwarten .

Was heute weniger wichtig ist

Eigentlich pflegen sie eine freundschaftliche Beziehung, doch Albanese steht nun wegen Witzen über Takaichi in der Kritik

Eigentlich pflegen sie eine freundschaftliche Beziehung, doch Albanese steht nun wegen Witzen über Takaichi in der Kritik

Foto: Hollie Adams / REUTERS

Albernese: Anthony Albanese, 63, Premierminister von Australien, hat sich um Kopf und Kragen geredet. Nachdem er bereits für eine sexistische Bemerkung über die Sängerin Kylie Minogue und die Aussage kritisiert worden war, dass Siege einer Rugby-Mannschaft aus Sydney ein »gutes Aphrodisiakum« seien, fliegt ihm nun ein dritter Fauxpas aus einem Podcast um die Ohren. Albanese hatte dort erzählt, dass ihm Japans Ministerpräsidentin Sanae Takaichi bei einem Australienbesuch eine »ungewöhnliche« Luxusmelone geschenkt habe. Auf die Frage der Moderatorin, ob Takaichi die Frucht durch den australischen Zoll geschmuggelt habe, hielt Albanese seine Hände vor den Oberkörper und sagte: »Sie hatte ein paar Melonen.« Nicht einmal als die Moderatorin einen gewagten Vergleich mit der »Baywatch«-Darstellerin Pamela Anderson ins Gespräch brachte, zog Albanese die Notbremse. Zuerst kritisierte Japans früherer Botschafter den Premier für seine lose Zunge, inzwischen hat ihn auch die australische Opposition aufgefordert, sich zu entschuldigen. Albanese wies die Forderung im Parlament zurück und redete sich auf die Moderatorin hinaus. Nicht er, sondern sie habe den Witz gemacht.

Aus der »Siegener Zeitung«

Aus der »Siegener Zeitung«

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Klaus Stuttmann

…sollten Sie in den westlichen und nordwestlichen Himmel schauen, dabei aber Ihre Augen schützen. In Schleswig-Holstein ist die partielle Sonnenfinsternis ab 19.11 Uhr zu beobachten, in Bayern ab 19.19 Uhr. Je weiter im Süden Sie sich aufhalten, desto schmaler wird die Sichel sein, die der Mond noch von der Sonne übrig lässt. Sollten Sie zufällig in Barcelona, Madrid oder Valencia sein, können Sie sogar eine totale Sonnenfinsternis erleben. So oder so: »Augenschutz ist Pflicht«, wie meine Kollegen aus dem News-Ressort schreiben; in ihrem Bericht finden Sie auch eine Bauanleitung für eine Lochkamera, mit der Sie das astronomische Ereignis indirekt beobachten können . Doch damit sollten Sie sich sputen!

Ich wünsche Ihnen einen faszinierenden Abend

Ihr Bernhard Zand, Peking

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