Ich grüße Sie herzlich aus dem schönen Bayern von der 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC), die am Freitagmittag offiziell eröffnet wird. Sie erhalten heute die Premierenausgabe unseres exklusiven „Weltlage“-Newsletters. In drei Ausgaben berichten mein Kollege Christoph von Marschall und ich Ihnen bis Montagfrüh live von der MSC.
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Nicht weniger als eine „Sicherheitskonferenz der Superlative“ hat der MSC-Vorsitzende Wolfgang Ischinger angekündigt. Mehr als 60 Staats- und Regierungschefs werden in München erwartet – so viele wie nie zuvor. Keine Einladung erhielten Regierungsvertreter aus Russland, Belarus und dem Iran.
„Seit 2008, als ich zum ersten Mal die MSC geleitet habe, hat die Konferenz nie in einem Kontext solch immenser Herausforderungen stattgefunden“, sagte der 79-jährige Spitzendiplomat am Donnerstagnachmittag bei der Eröffnung des Energy Security Hubs, dessen Medienpartner der Tagesspiegel ist.
In der kommenden Woche gehe der Ukraine-Krieg in sein fünftes Jahr und dauere damit dann bereits länger als der Erste Weltkrieg. „Während wir hier in München im Warmen sitzen, werden weniger als zwei Flugstunden entfernt Zivilisten durch die russische Aggression terrorisiert“, mahnte Ischinger.
Die wichtigsten Nachrichten von der MSC

© dpa/Boris Roessler
- Zum ersten Mal wird Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) an diesem Freitag die Sicherheitskonferenz eröffnen. Um 13:45 Uhr wird er eine außenpolitische Grundsatzrede halten. Für 19 Uhr wird die Rede des französischen Präsidenten Emmanuel Macron erwartet. US-Außenminister Marco Rubio wird planmäßig am Samstag um 9 Uhr sprechen.
- Am Freitagnachmittag will sich Merz unter anderem mit Rubio, dem kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj treffen. Am Abend kommt die E3-Gruppe aus Merz, Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer zusammen.
- Trotz der transatlantischen Spannungen wird laut MSC-Chef Ischinger dieses Jahr „eine der größten US-Delegationen in der Geschichte der Sicherheitskonferenz“ in München erwartet. Doch der partielle Government Shutdown in den USA seit Freitag könnte deren Größe deutlich schrumpfen lassen. Der Sprecher des Repräsentantenhauses Mike Johnson untersagte den Abgeordneten die MSC-Teilnahme im Rahmen einer Kongressdelegation und strich die dafür vorgesehenen Mittel. Einige Abgeordnete, darunter Alexandria Ocasio-Cortez, beabsichtigen, auf eigene Kosten an der MSC teilzunehmen.
- Zum ersten Mal seit drei Jahren nehmen auch Vertreter der AfD wieder teil. Allerdings zählen weder die Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla noch der außenpolitische Sprecher Markus Frohnmeier zu den Gästen. Stattdessen sind der verteidigungspolitische Sprecher Rüdiger Lucassen und die Abgeordneten Anna Rathert und Heinrich Koch eingeladen. Sprecherrollen haben die AfD-Vertreter nicht.
Meine Leseempfehlung

© Gestaltung: Tagesspiegel / Dessin, Fotos: AFP, REUTERS, Imago (3), freepik
Nach dem Schock der brachialen Rede von US-Vizepräsident JD Vance im vergangenen Jahr werden die Äußerungen von Marco Rubio mit großer Spannung erwartet. Mein Kollege Tilman Schröter erläutert, wer neben dem US-Außenminister die wichtigsten Amerikaner auf der MSC sein werden.
Entscheidender als der Auftritt der Amerikaner wird für die Zukunft Europas allerdings sein, ob es den Europäern gelingt, mit einer Stimme zu sprechen, argumentiere ich in meinem heutigen Leitartikel. Bundeskanzler Merz kann mit seiner Eröffnungsrede beweisen, dass er es ernst meint mit seinem Führungsanspruch in Europa.
Seit ihrer Gründung 1963 findet die Münchner Sicherheitskonferenz im Bayerischen Hof statt. Arno Makowsky wirft einen Blick auf die Geschichte des prominenten Traditionshotels.
Das Zitat des Tages

© REUTERS/Elijah Nouvelage
Ein transatlantischer „Hotspot“ der Münchner Sicherheitskonferenz ist traditionell der Empfang der Atlantik-Brücke am Donnerstagabend. Dieses Jahr sprach dort Andrew Bailey, der stellvertretende Direktor des FBI. Bailey griff ein Thema auf, bei dem zwischen den USA und Europa ein grundsätzlicher Dissens besteht.
„Partnerschaften sind der Eckstein des Kampfes gegen Cyberkriminalität. Damit meine ich nicht nur die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Staaten, sondern auch mit dem Privatsektor. Was ich Ihnen aus unserer Arbeit beim FBI empfehlen kann, sind starke Beziehungen zwischen den Investigativteams und den Partnern in der Wirtschaft.“
In den USA ist die Kooperation zwischen Regierung und Unternehmen stärker sicherheitsgetrieben als in Europa, wo strengere Datenschutzregelungen gelten. US-Behörden haben umfangreiche Zugriffsrechte. Sie können Unternehmen verpflichten, Daten herauszugeben. Dies kann teils auch ohne richterliche Anordnung und ohne Information der Betroffenen geschehen.
Hinter den Kulissen

© dpa/Elisa Schu
„Ich fand mich in einem verrauchten Raum mit etwa 70 Männern wieder“, erinnert sich Wolfgang Ischinger an die erste Sicherheitskonferenz, zu der er eingeladen war. „Ich glaube, ich habe damals keine einzige Frau gesehen“, sagt der 79-jährige Spitzendiplomat. Die Zeiten haben sich geändert. Heute sind von den mehr als 1000 offiziellen Teilnehmern immerhin 30 Prozent Frauen. Bei der Panelbesetzung bemühen sich die Veranstalter um Parität.
Apropos Gleichbehandlung. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz sind so viele prominente Teilnehmer anwesend, dass sich nahezu alle in die teils langen Schlangen an den Sicherheitskontrollen einreihen müssen. Vorzugsbehandlung erhält nur die alleroberste Ebene.
Und so passiert es schon mal, dass man hinter Wladimir Klitschko, dem deutschen UN-Botschafter oder einem jordanischen Prinzen ansteht. Wenig Verständnis haben die Organisatoren der MSC für übermäßiges Schlafbedürfnis. Die Konferenztage beginnen spätestens um 7:30 Uhr mit einem Arbeitsfrühstück und enden mit sogenannten „Nightcaps“ – also Empfängen zu nachtschlafener Zeit.
Während man sich bei den Empfängen zu den USA und zu Verteidigungstechnologie am Donnerstagabend auf den Füßen stand, war das Publikum beim Thema China deutlich spärlicher gesät. An der fehlenden Relevanz kann es nicht liegen. Im März plant Kanzler Merz mit einer großen Wirtschaftsdelegation nach China zu reisen.
US-Präsident Trump plant für April einen China-Besuch. Vielmehr könnte es die fehlende Bedeutung sein, die in Deutschland nach wie vor der China-Expertise beigemessen werde, mutmaßte ein Teilnehmer. Experten kritisieren regelmäßig, dass Sprach- und Fachkenntnisse über China in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern zu schwach ausgeprägt und erhebliche strategische Nachteile seien.
Als ich am Donnerstag auf dem Weg ins Hotel noch bei einem letzten „Nightcap“ vorbeischauen wollte, verlief ich mich. Statt im „Haus der Kunst“ landete ich im „Künstlerhaus“, wo eine rauschende Swing-Party im Gange war. Um Ihre Newsletter-Lektüre nicht zu gefährden, entschied ich mich allerdings gegen das Mittanzen.
Zum Schluss

© dpa/Felix Hörhager
Ich hoffe, diese erste Ausgabe der „Weltlage“ zur MSC hat Ihnen gefallen. Welche Erwartungen haben Sie an die Konferenz? Worauf freuen Sie sich? Worüber ärgern Sie sich vielleicht? Schreiben Sie mir per E-Mail, ich freue mich auf Ihre Anregungen und Ideen.
Morgen Abend berichtet Ihnen an dieser Stelle mein Kollege Christoph von Marschall aus München. Wir lesen uns am Montagmorgen wieder. Machen Sie’s gut, bis dahin!
Der „Weltlage“-Newsletter erschien mit Unterstützung der BMW Foundation.

vor 2 Stunden
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