Nahost: Israel untersucht Versagen der Luftabwehr nach iranischem Angriff

vor 2 Tage 3

Israel untersucht Versagen der Luftabwehr nach iranischem Angriff

Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.

Wichtige Updates

Trump setzt Iran Ultimatum für Öffnung der Straße von Hormus 

Israel: Mindestens 60 Verletzte nach weiterem Angriff 

Dutzende Verletzte nach Raketeneinschlag in Israel – keine Schäden an Atomreaktor

Israels Militärchef: Berlin in Reichweite iranischer Raketen

Iran meldet Angriff auf Atomanlage Natans 

Julia Daniel

Israel untersucht Versagen der Luftabwehr nach iranischem Angriff 

Die Abwehrsysteme hätten zwar ausgelöst, die Raketen ​jedoch nicht gestoppt, erklärte der israelische Militärsprecher Effie Defrin auf ⁠der Plattform X. "Wir werden den Vorfall untersuchen und daraus lernen", kündigte der Brigadegeneral an. 

Bei ​mehreren ​Einschlägen in den Städten Dimona und ‌Arad wurden am späten ‌Samstagabend (Ortszeit) Dutzende Menschen verletzt, darunter Kinder. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach nach dem Beschuss von ​Arad von einem "sehr ​schwierigen Abend im Kampf ​um unsere Zukunft". "Wir sind entschlossen, unsere Feinde weiterhin an allen Fronten anzugreifen", hieß es in einer ‌Mitteilung seines Büros. 

Die iranischen Revolutionsgarden teilten am frühen Sonntag mit, ‌sie hätten "militärische Anlagen" ‌und Sicherheitszentren im Süden Israels ins Visier ​genommen. Dimona und Arad liegen in der Nähe mehrerer ​Militärstützpunkte, darunter der Luftwaffenstützpunkt Nevatim, einer der ‌größten des Landes. Etwa 13 Kilometer südöstlich von Dimona befindet sich zudem ein streng abgeschirmter Atomreaktor Israels. 

Bericht: Britisches Atom-U-Boot ins Arabische Meer verlegt

Großbritannien hat einem Zeitungsbericht zufolge ein atomgetriebenes U-Boot ins Arabische Meer verlegt. Das mit Tomahawk-Marschflugkörpern ausgestattete U-Boot ermögliche Langstreckenangriffe, sollte der Konflikt in der Region eskalieren, berichtet die Zeitung Daily Mail. Eine Stellungnahme des britischen Verteidigungsministeriums liegt zunächst nicht vor.

Trump setzt Iran Ultimatum für Öffnung der Straße von Hormus 

US-Präsident Donald Trump droht Iran mit der Zerstörung seiner Energieanlagen, sollte das Land nicht innerhalb von 48 Stunden die Straße von Hormus vollständig und "ohne Drohungen" öffnen. Andernfalls würden die USA Irans Kraftwerke angreifen und zerstören, "beginnend mit dem größten!", schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.

Iran reagierte auf die Drohung mit einer Gegendrohung: Für den Fall eines Angriffs auf die eigene Treibstoff- und Energieinfrastruktur kündigte das Vereinigte Kampfkommando der iranischen Streitkräfte einen Vergeltungsschlag an. Dann würden sämtliche Energieanlagen der USA in der Region ins Visier genommen, berichten iranische Medien.

Die Straße von Hormus zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist eine wichtige Ader für den internationalen Handel mit Öl und Flüssiggas. Teheran hat infolge der amerikanisch-israelischen Angriffe in Iran mehrfach gedroht, dort passierende Schiffe anzugreifen. Der Schiffsverkehr in der Meerenge ist seit Kriegsbeginn vor drei Wochen praktisch zum Erliegen gekommen.

US-Medienberichten zufolge bombardieren US-Kampfflugzeuge und Kampfhubschrauber verstärkt iranische Drohnen und Kriegsschiffe, um die wichtige Straße von Hormus freizubekommen. Auch setzten die US-Streitkräfte nach eigenen Angaben bunkerbrechende Bomben ein, um besonders geschützte iranische Raketenstellungen an der Straße von Hormus anzugreifen.

Die aktuelle Lage im Iran-Krieg - in Karten, Satellitenbildern und Videos - finden Sie hier:

Trump: Haben Iran von der Landkarte gefegt 

US-Präsident Donald Trump hält sich im Iran-Krieg für einen erfolgreichen Feldherrn. In Reaktion auf eine Analyse des New York Times-Autoren David Sanger, wonach Trump viele seiner Kriegsziele bislang nicht erreicht habe, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social trotzig zurück: "Doch, das habe ich, und Wochen früher als geplant!" Die USA hätten Iran "von der Landkarte gefegt." Das Land habe keine Führung mehr, die Marine und Luftwaffe seien vernichtet. Auch habe es "absolut keine Verteidigung mehr".

Iran wolle einen Deal abschließen, bekräftigte Trump. "Ich will das nicht! Wir sind Wochen vor dem Zeitplan", schrieb der US-Präsident weiter. Er hatte zuvor mitgeteilt, er erwäge, die Angriffe in Iran zurückzufahren. Die USA stünden kurz davor, ihre Ziele in dem seit drei Wochen andauernden Krieg zu erreichen.

Iran: Mehr als 1500 Tote seit Kriegsbeginn

In Iran sind seit Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe Ende Februar nach offiziellen Angaben mehr als 1500 Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien mehr als 200 Menschen im Alter von unter 18 Jahren, teilte der iranische Staatssender Irib unter Berufung auf das Gesundheitsministerium auf der Plattform X mit. 21 000 weitere Menschen seien verletzt. Mehr als 220 medizinische Zentren hätten in Sicherheit gebracht werden müssen. 21 medizinische Mitarbeiter seien tot, berichtete der iranische Sender weiter.

Nadja Tausche

Saudi-Arabien weist Irans Botschaftspersonal aus

Saudi-Arabien hat den Militärattaché der iranischen Botschaft sowie vier weitere Botschaftsangehörige zu unerwünschten Personen erklärt und des Landes verwiesen. Sie seien aufgefordert, Saudi-Arabien innerhalb von 24 Stunden zu verlassen, heißt es in einer Mitteilung des Außenministeriums. Das Ministerium verweist auf fortgesetzte Aktionen der Islamischen Republik gegen Saudi-Arabien – „seine Souveränität, zivile Einrichtungen, Zivilisten, wirtschaftliche Interessen und diplomatische Vertretungen innerhalb des Königreichs“. Am Donnerstag hatte bereits der Golfstaat Katar die Militär- und Sicherheitsattachés der iranischen Botschaft sowie deren Mitarbeiter des Landes verwiesen.

Nadja Tausche

Israel: Mindestens 60 Verletzte nach weiterem Angriff 

Bei einem iranischen Raketenangriff in der israelischen Wüstenstadt Arad wurden mindestens 60 Menschen verletzt. Eine Rakete schlug zwischen mehreren Gebäuden ein. Nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom erlitten sieben Menschen schwere Verletzungen, darunter auch ein vierjähriges Mädchen. Aufnahmen von vor Ort zeigten massiv beschädigte Wohnhäuser.

„Es handelt sich um einen schlimmen Einsatzort“, sagte ein Sanitäter. „Wir sahen große Zerstörungen an mehreren Gebäuden, dichter schwarzer Rauch stieg an mehreren Stellen auf und es herrschte großes Chaos vor Ort.“ Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von einem „sehr schweren Abend in unserem Kampf um unsere Zukunft“. 

Nadja Tausche

EU-Kommission fordert Mitgliedsstaaten auf, Füllziel für Gasspeicher zu senken

Wegen der Auswirkungen des Iran-Krieges auf die Energiepreise hat die Europäische Kommission Deutschland und die anderen EU-Staaten aufgefordert, das Füllziel für ihre Gasspeicher zu senken. Der Schritt könne dazu beitragen, die Gasnachfrage in Zeiten angespannter Versorgung zu senken und den Druck auf die Preise zu mindern, schrieb der zuständige EU-Kommissar Dan Jørgensen in einem Brief an die Mitgliedstaaten. In Erwägung gezogen werden solle eine Senkung des Füllziels von normalerweise 90 auf 80 Prozent.

Matthias Becker

Dutzende Verletzte nach Raketeneinschlag in Israel – keine Schäden an Atomreaktor

Am Samstagabend ist nahe der israelischen Stadt Dimona eine Rakete eingeschlagen. Bei dem iranischen Angriff sind mindestens 40 Menschen verletzt worden. Im Bereich der Wüstenstadt befindet sich ein israelischer Atomreaktor, der als extrem gut geschützt gilt. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) teilte ebenfalls mit, es lägen ​Berichte über den Einschlag eines Geschosses in der israelischen Stadt vor. Es gebe jedoch keine Hinweise auf Schäden am dortigen Nuklearforschungszentrum Negev, so die UN-Behörde. Regionalen Behörden zufolge sei nach dem Zwischenfall keine ungewöhnliche radioaktive Strahlung gemessen worden. IAEA-Chef Rafael Grossi rief zu größter militärischer Zurückhaltung auf, „insbesondere in der Nähe von Nuklearanlagen“. 

Unter den Verletzten seien ein zehn Jahre alter Junge und eine Frau, die durch Splitter einer eingeschlagenen Rakete mittelschwer verletzt worden seien, teilte der Rettungsdienst Magen David Adom mit. Laut „Jerusalem Post“ soll ein Gebäude in Dimona infolge des Einschlags eines Geschosses eingestürzt sein.  

Nadja Tausche

Israels Militärchef: Berlin in Reichweite iranischer Raketen

4000 Kilometer von der iranischen Küste entfernt liegt der Militärstützpunkt, den Iran mutmaßlich angegriffen hat. Der Raketenangriff auf die Insel Diego Garcia zeige, dass auch europäische Hauptstädte wie Berlin im Bedrohungsradius liegen, sagt nun der israelische Generalstabschef Ejal Zamir. „Diese Raketen sind nicht dafür bestimmt, Israel zu treffen“, so Zamir. Europäische Hauptstädte lägen innerhalb von ihrem Radius. „Berlin, Paris und Rom sind alle im direkten Bedrohungsradius.“

Der Angriff auf den von den USA und Großbritannien gemeinsam genutzten Stützpunkt ist bisher nicht bestätigt. Nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens hatte das Land zwei ballistische Raketen abgefeuert. Medienberichten zufolge verfehlten die beiden Geschosse ihr Ziel.

Mit Blick auf den Krieg mit Iran sagte Militärchef Zamir: Nach drei Wochen sei der iranische Machtapparat geschwächt. Man sei „auf halbem Weg“, sagte er mit hinsichtlich der Dauer des Kriegs. Dieser werde auch während des Pessachfests weitergehen. Das Fest beginnt am Abend des 1. April und dauert eine Woche.

Wo die Insel Diego Garcia liegt und welche weiteren Ziele Iran und die USA mit Israel aktuell angreifen:

Nadja Tausche

Iran greift Stützpunkte in Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait an

Die Marine der Revolutionsgarden hat offenbar Raketen und Drohnen auf die Luftwaffenstützpunkte Al-Minhad in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ali al-Salem in Kuwait abgefeuert. Das berichten staatliche iranische Medien. Beide Stützpunkte seien demnach für Angriffe auf iranische Inseln im Persischen Golf benutzt worden. 

Carolin Fries

USA: Haben bereits gut 8000 iranische Ziele angegriffen

Das US-Militär hat bei seiner seit drei Wochen andauernden Offensive gegen Iran nach eigenen Angaben mehr als 8000 Ziele angegriffen. Darunter befänden sich 130 iranische Schiffe, sagte der Befehlshaber des US-Regionalkommandos für den Nahen Osten (Centcom), Brad Cooper, in einem auf der Plattform X veröffentlichten Video. Er bekräftigte das Ziel, die iranische Bedrohung des freien Warenverkehrs durch die Straße von Hormus zu bekämpfen. Die Passage durch die etwa 55 Kilometer breite Meerenge zwischen Iran und dem Oman gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Ölexport und ist wegen des Iran-Kriegs nahezu zum Erliegen gekommen. 

Julia Bergmann

Irak: Offizier bei Angriff auf Geheimdienst-Gelände getötet

Bei einem Angriff auf das Gelände des Nationalen Nachrichtendienstes in der irakischen Hauptstadt Bagdad ist ein Offizier getötet worden. Der Geheimdienst sprach von einem „terroristischen Angriff, der von gesetzlosen Gruppen verübt wurde.“ Zunächst war unklar, wer für den Angriff verantwortlich war.

Dieser wurde als Versuch gewertet, den Nachrichtendienst von seiner Arbeit abzuhalten, wie es hieß. Die Behörde betonte, man werde die Täter verfolgen, festnehmen und der Justiz überstellen.
Zuvor hatte die irakische Nachrichtenagentur INA berichtet, dass eine Drohne auf dem Gelände des Hauptquartiers des Geheimdienstes im Stadtteil Mansur in Bagdad abgestürzt sei. Ob es einen Zusammenhang zum Iran-Krieg gibt, vor dessen Hintergrund es im Irak wiederholt zu Angriffen proiranischer Milizen kam, ist unklar. 

Julia Bergmann

Israel kündigt Verstärkung der Iran-Angriffe an

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat für die kommenden Tage eine weitere Verstärkung der Angriffe Israels und der USA in Iran angekündigt. Ziele seien dabei die iranische Führung und die Infrastruktur, auf die sie sich stütze, sagte Katz nach Angaben seines Büros nach einer Beratung mit ranghohen Militärs im Armeehauptquartier in Tel Aviv. „In dieser Woche wird die Intensität der Angriffe (...) deutlich zunehmen." 

In Israel beginnt die neue Woche jeweils sonntags. Man sei entschlossen, den Kampf gegen den iranischen Machtapparat fortzusetzen, „seine Kommandeure zu enthaupten und seine strategischen Fähigkeiten zu zerstören – bis jede Sicherheitsbedrohung für den Staat Israel und die Interessen der USA in der Region beseitigt ist“, sagte Katz.

US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag verkündet, dass er erwägt, die Angriffe auf Iran zurückzufahren. Die USA stünden kurz davor, die eigenen Ziele im Krieg zu erreichen. 

Katz erklärte mit Blick auf die israelische Zivilbevölkerung, die seit Kriegsbeginn mehrmals täglich iranischen Raketenangriffen ausgesetzt ist und teilweise Stunden in Schutzräumen ausharren muss, die Heimatfront sei stark – wie auch die israelischen Streitkräfte. „Wir werden nicht aufhören, bis alle Kriegsziele erreicht sind“, so der Verteidigungsminister.

Julia Bergmann

Neue gegenseitige Angriffe Israels und Irans

Israel und Iran setzen ihre gegenseitigen Angriffe fort. In der Nacht und am Morgen gab es nach israelischen Militärangaben Raketenangriffe aus Iran auf Israel. Rettungskräfte seien unterwegs zu mehreren Einschlagsorten im Großraum Tel Aviv, teilte die Armee mit. Es gab Bilder der Zerstörung, aber keine Berichte zu Verletzten. Nach Medienberichten wurde in Rischon Lezion südöstlich von Tel Aviv ein Kindergarten getroffen. Zu dem Zeitpunkt befanden sich dort jedoch keine Personen. Iran habe bei dem Angriff erneut gefährliche Streumunition eingesetzt.

Die israelische Armee griff in der Nacht einmal mehr Ziele in Iran und in Libanon an. Am Morgen teilte das Militär mit, israelische Bodentruppen hätten in Südlibanon mehrere bewaffnete Mitglieder der proiranischen Hisbollah-Miliz beschossen. Ein Hisbollah-Mitglied sei bei einem Schusswechsel getötet worden. Drei weitere seien durch Panzerfeuer ums Leben gekommen. Auch aus der Luft sei die Gruppe beschossen worden.

Am Freitag hatte es bei einem iranischen Raketenangriff erneut einen Einschlag in der Jerusalemer Altstadt gegeben. Nach Medienberichten war ein Raketenteil im jüdischen Viertel eingeschlagen, unweit auch der heiligen Stätten des Islams und des Christentums. 

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