Münchner Sicherheitskonferenz: Kaliforniens Gouverneur Newsom gibt den Anti-Trump

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Wichtige Updates

Kaliforniens Gouverneur Newsom gibt den Anti-Trump

Macron, Rubio, Selenskij: So geht es auf der Siko weiter

Der Kanzler hält ein Plädoyer für die Freiheit

Und plötzlich spricht Merz Englisch

Merz: "Partnerschaftliche Führung: Ja. Hegemoniale Fantasien: Nein"

Thomas Hummel

Kaliforniens Gouverneur Newsom gibt den Anti-Trump

Niemand greift US-Präsident Donald Trump derzeit wohl so direkt und scharf an wie Gavin Newsom, demokratischer Gouverneur von Kalifornien. In München setzte er sich auf ein Podium zum Thema Klimawandel, das Signal lautete: Seht her, hier kommt der Anti-Trump. 

Umweltschutz und Klimawandel hätten in Kalifornien ihren Ursprung unter Gouverneur Ronald Reagan Ende der 1960er-Jahre gehabt, sagte Newsom. Reagan ist ein Idol in der Republikanischen Partei. Jetzt wolle Trump mit Öl, Gas und Kohle zurück ins 19. Jahrhundert, wobei es nur darum gehe, einige Unternehmen zu beglücken, die Trump fast 500 Millionen Dollar Wahlkampfhilfe gespendet hätten. 

Am Freitag hatte Trump die Axt an die gesetzlichen Grundlagen von Klimaschutz in den USA gelegt. Treibhausgase sind demnach für den Menschen nicht mehr gesundheitsgefährdend, sie könnten wohl nicht mehr reguliert werden. Newsom sagte, er sei erbost über diesen Vorgang. Er glaube, dies sei etwa für die amerikanische Autoindustrie ein Todesurteil, weil es sie aus dem weltweiten Wettbewerb um saubere Technologien nehme. „Chinas Präsident Xi wird sich freuen“, erklärte Newsom. 

Der Kalifornier wurde gefragt, was geschehen müsse, damit sich die USA wieder der wissenschaftlich belegten Gefahr der Erderwärmung stellen? „Die Menschen müssen aufwachen“, rief Newsom in den Saal, „wir müssen Stellung beziehen, deutlicher, überzeugender.“ Er nannte auch Unternehmen, Universitäten, Kanzleien. Dann müsse man sich natürlich anschnallen, dann werde es ruppiger, Trump beschimpfe auch ihn mit unflätigen Ausdrücken.  Aber man dürfe nicht die Augen verschließen. Denn der Klimawandel gehe alle an.

Sebastian Gierke

Merz kritisiert Orbán deutlich

Ein Aspekt ging bei Merz fast etwas unter: Nach der Rede, im Frage-Antwort-Teil, ging er den ungarischen Regierungschef Viktor Orbán mit ungewohnt klaren Worten an - und zwar für dessen Reise 2024 nach Moskau zu Russlands Präsident Wladimir Putin. „Es gab jemanden aus der Europäischen Union, einen Premierminister, der allein, auf eigene Faust nach Moskau gereist ist. Das ist fast zwei Jahre her. Er hatte kein Mandat. Er ist dorthin gereist. Er hat nichts erreicht“, sagte Merz. Der Kanzler nannte dabei Orbán nicht beim Namen, betonte aber: „Und in der Woche danach erlebten wir die schwersten Angriffe auf zivile Infrastruktur, auf Privathäuser und Krankenhäuser, die wir bis dahin je gesehen hatten.“ Orbán nimmt innerhalb der EU immer wieder eine besonders Moskau-freundliche Position ein. 

Merz war von Wolfgang Ischinger gefragt worden, ob Europa nicht einen eigenen Kommunikationskanal nach Moskau brauche. „Diese Frage stellen wir uns selbst ständig“, sagte Merz.
„Wenn es sinnvoll ist zu reden, sind wir bereit“, betonte Merz. Aber „zumindest im Moment“ zeige sich, dass Russland nicht bereit zu Gesprächen über ein Kriegende sei. Dies werde erst geschehen, wenn Russland wirtschaftlich und militärisch erschöpft sei und einsehe, dass es ihm keine weiteren Vorteile bringe, den Krieg weiterzuführen.

Matthias Kolb

Wieso die Drogenschmuggler nicht zu besiegen sind

Mit US-Botschafter Waltz auf der Bühne ist auch Kolumbiens Verteidigungsminister Pedro Arnulfo Sánchez. Beide sprechen auch über den War on Drugs, also den von den USA erklärten Krieg gegen Drogen. Der Kolumbianer erinnert daran, dass mehr Amerikaner durch eine Überdosis an Fentanyl sterben als durch irgendwelche Kriege. Waltz begründet auch so den neuen Fokus der Trump-Regierung auf Mittel- und Lateinamerika. 

Allerdings hat der globale Drogenhandel in den letzten Jahren eine „Revolution“ erlebt, und viele Experten sind überzeugt, dass die Schmuggler diesen Krieg gewinnen. Diese Analyseerklärt, wieso man mit Kokain gerade in Europa so viel Geld verdienen kann, wie dieses gewaschen wird und mit welchen Tricks die Verbrecherbanden arbeiten:

Dominik Fürst

Merz trifft Rubio

In seiner Rede hat der Bundeskanzler sich auf Englisch an die US-Amerikaner gewandt. Er empfahl ihnen, ihr Heil in der Kooperation, nicht in der Isolation zu suchen. Ob er beim privaten Aufeinandertreffen mit dem US-Außenminister ähnliche Töne angeschlagen hat? Rubio hat bei seiner Rede am Samstagmorgen Gelegenheit zu antworten.

Dominik Fürst

Macron, Rubio, Selenskij: So geht es auf der Siko weiter

Die Münchner Sicherheitskonferenz folgt einem straffen Zeitplan, die Auftritte verschiedener hochkarätiger Rednerinnen und Redner stehen erst noch bevor. Am Freitagabend um 19 Uhr wird etwa der französische Präsident Emmanuel Macron das Wort ergreifen, ehe es am Samstagmorgen um 9 Uhr mit US-Außenminister Marco Rubio weitergeht. Auf ihn folgt der Chinese Wang Yi, danach wird EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen sprechen. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij wird am Samstagmittag auf der Bühne stehen. Auch der demokratische Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, wird auftreten. Es kommt also auch die amerikanische Opposition zu Wort – es ist schließlich nicht ausgeschlossen, dass diese eines Tages wieder die Regierung bilden wird.

Matthias Kolb

Waltz: Trump holt die Welt vom Abgrund zurück

Michael Waltz, der UN-Botschafter der Trump-Regierung, kritisiert das Motto der Diskussion „Die Welt am Abgrund“. Richtig sei, dass die USA die Welt vom Abgrund zurückholen würden. Wenig überraschend verteidigt er Trumps Friedensrat, den viele Kritiker als eine Art Konkurrenz zu den Vereinten Nationen ansehen. „Alle haben über Reformen geredet, aber keiner hat etwas gemacht“, sagt Waltz. Nun würde Trump für Reformen sorgen und Konflikte wie jener im Gazastreifen oder zwischen Armenien und Aserbaidschan würden gelöst werden. So optimistisch sind nicht alle. Der saudische Außenminister fordert noch mehr Anstrengungen, dass das Sterben in Gaza endet. Die Bevölkerung müsse besser versorgt werden. Die Palästinenser müssten mehr Rechte erhalten, sonst sei kein Frieden möglich. 

Matthias Kolb

US-Botschafter Waltz: Die Nato ist heute besser dran als vor 2016

Auf der Hauptbühne diskutieren nun die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und der saudi-arabische Außenminister Prinz Faisal bin Farhan mit dem US-Amerikaner Michael Waltz. Als J. D. Vance 2025 die Sicherheitskonferenz aufrüttelte, war Waltz noch Präsident Trumps Sicherheitsberater. Diesen Posten verlor er, nachdem er aus Versehen den Atlantic-Chefredakteur Jeffrey Goldberg zu einer Signal-Chatgruppe eingeladen hatte, in der US-Militärschläge gegen die Huthis im Jemen geplant wurden. 

Nun vertritt Waltz die USA als UN-Botschafter im Sicherheitsrat und betont, dass Trump die Vereinten Nationen genauso reformieren wolle wie die Nato. Er sei stolz, dass die UN ihren Haushalt kürzen und im New Yorker Hauptquartier 3000 Mitarbeiter entlassen würden. Die UN sollten sich darauf konzentrieren, sich auf Friedenssicherung und entsprechende Missionen zu konzentrieren. Waltz betont, dass die Verteidigungsallianz Nato heute in besserer Verfassung sei als vor zehn Jahren, als nur wenige Mitglieder zwei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung in Verteidigung steckten. 

Erstes Fazit zur transatlantischen Krise: Der erste Vertreter der Trump-Regierung tritt sehr selbstbewusst auf, aber er ist zumindest freundlich.   

Sina-Maria Schweikle

Der Kanzler hält ein Plädoyer für die Freiheit

Ein erstes Fazit: In seiner Grundsatzrede hat sich der Bundeskanzler pragmatisch geäußert und ein Plädoyer für die Freiheit gehalten. Der Bundeskanzler machte deutlich, dass es auch künftig nicht ohne die USA gehen werde, sich Europa aber langfristig unabhängig machen müsse und machen werde. Er bot an, dass Deutschland die europäische Führungsrolle in dieser neuen Weltordnung übernehmen könne. Die Verteidigung des europäischen Kontinentes könne aufgrund seiner Geschichte jedoch nicht von der Bundesrepublik alleine ausgehen, sondern könne nur europäisch gedacht werden und gelingen. Mit Frankreich habe er Beratungen über gemeinsame nukleare Abschreckung aufgenommen. Nicht zuletzt hat Merz die USA in seiner Rede daran erinnert, dass die transatlantische Zusammenarbeit auch zu ihrem Vorteil ist.

Sebastian Gierke

„Das vergessen wir euch nicht“

Bleibt noch Punkt vier. Nach Deutschland, Europa und den USA widmet sich Merz dem Rest der Welt. Der Kanzler will ein „starkes Netz globaler Partnerschaften“. Europäische Integration und transatlantische Partnerschaften würden nicht mehr ausreichen, um die Freiheit zu bewahren, so der Bundeskanzler. Eine Schlüsselrolle würden Kanada und Japan, die Türkei, Indien und Brasilien spielen. Mit diesen Ländern wolle man „näher zusammenrücken“. 

Ganz am Ende erinnert Merz an die historische Verantwortung Deutschlands. „Eine Welt, in der nur Macht zählt, wäre ein finsterer Ort. Unser Land ist diesen Weg im zwanzigsten Jahrhundert bis zum bitteren und bösen Ende gegangen.“ Er will einen anderen Weg einschlagen. Die USA seien es gewesen, die die Deutschen für die starken und hellen Gedanken begeistert hätten. „Das vergessen wir euch nicht“, ruft Merz. Und lässt damit zum ersten Mal etwas Pathos zu.

Sebastian Gierke

Und plötzlich spricht Merz Englisch

Der zweite Punkt in Merz’ „Programm der Freiheit“:  „Wir stärken Europa“. Der Bundeskanzler erklärt, Europa müsse sich auf „das Wesentliche konzentrieren, auf Wahrung und Mehrung unserer Freiheit, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit“. Und er nennt ausdrücklich Artikel 42 des Vertrags über die Europäische Union, der die europäischen Staaten verpflichtet, sich im Fall eines bewaffneten Angriffes beizustehen. Das wird im Kontext der Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland möglicherweise noch sehr wichtig werden. Sicherheitsgarantien sind für das angegriffene Land zentral. Sollte die Ukraine Mitglied der EU werden, wird der Artikel 42 hier eine große Rolle spielen. 

Als dritten Punkt kommt Merz dann auf die transatlantische Partnerschaft zu sprechen, die er „neu begründen will“. Denn zwischen Europa und den USA habe sich „eine Kluft aufgetan“. Das hab auch US-Vizepräsident J. D. Vance vor einem Jahr in München sehr offen gesagt. „Und er hatte Recht". Merz' Rede ist auch eine Antwort auf Vance, der im vergangenen Jahr die Zuhörer in München mit seiner heftigen Kritik an den europäischen Demokratien verstört hatte. Merz macht das geschickt. Mit seinem Konter greift er Vance nicht direkt an, gibt ihm nicht direkt die Schuld daran, dass sich die Kluft aufgetan hat. Aber er sagt an dieser Stelle seiner Rede auch: „Der Kulturkampf der Maga-Bewegung ist nicht unserer." Und dann wechselt Merz, der bis dahin Deutsch gesprochen hatte, ins Englische, spricht die Amerikaner quasi direkt an:  „So let’s repair and revive trans-atlantic trust together. Europe is doing its part.” An dieser Stelle seiner Rede bekommt er den bislang größten Zwischenapplaus.

Dominik Fürst

Der Kanzler eröffnet die Siko

Sina-Maria Schweikle

Merz: "Partnerschaftliche Führung: Ja. Hegemoniale Fantasien: Nein"

Merz betont, dass man dem rauen Wind trotzen werde, um die Freiheit zu wahren. Die Ziele der deutschen Sicherheits- und Außenpolitik ergeben sich laut Merz aus dem Grundgesetz, der Geschichte und Geografie. Über all dem stehe die Freiheit, welche die Sicherheit ermögliche. "Deutsche Außen- und Sicherheitspolitik ist europäisch verankert und dieses Europa ist heute wertvoller denn je", sagt Merz. 

Lange Zeit habe die Deutsche Außenpolitik Verletzungen der internationalen Ordnung in aller Welt kritisiert und gemaßregelt. Aber sie sei nicht besorgt genug darüber gewesen, dass oft die Mittel fehlten Abhilfe zu schaffen. Diese Schere zwischen Anspruch und Möglichkeiten habe sich zu weit geöffnet. "Wir schließen sie", sagt der Bundeskanzler. 

Aus guten Gründen tue man sich in Deutschland nicht leicht mit staatlicher Macht. Aber: Nicht nur zu viel staatliche Macht zerstöre das Fundament der Freiheit. Zu wenig führe auf anderem Weg zum 
selben Ergebnis. Diese Frage habe eine europäische Dimension. Die deutsche Verantwortung wachse. Dafür brauche es eine Strategie, die das Dilemma auflöst: Die Neuordnung der Welt durch große Mächte, welche sich schneller und tiefgreifender vollziehe, als man sich selbst stärken könne. Es werde nicht genügen, möglichst klug auf die Launen und Manöver der Größen rhetorisch zu begegnen. All das müsse europäisch gedacht werden. "Partnerschaftliche Führung: Ja. Hegemoniale Fantasien: Nein. Nie wieder werden wir Deutsche alleine gehen", sagt er. Die Freiheit behaupten wir "nur mit unseren Nachbarn, Verbündeten und Partnern", so Merz.

Sebastian Gierke

"Wir investieren massiv in glaubhafte Abschreckung"

Merz gibt seiner Rede die Überschrift „Programm der Freiheit". Dieses Programm umfasse vier Punkte. Erstens müsse sich Deutschland stärken. „Militärisch, politisch, wirtschaftlich, technologisch." So könnten Abhängigkeit und Verletzbarkeit vermindert werden. „Wir investieren massiv in glaubhafte Abschreckung”. Der Kanzler unterstreicht die Verpflichtungen für die Ukraine und sagt, man habe Moskau ungeahnte Verluste und Kosten aufgezwungen. Und führt dann Beispiele an, den Wehrdienst beispielsweise, Investitionen in die Verteidigungsindustrie. Manchmal klingt es arg technisch und etwas ungelenk, wie Merz da spricht: „In dieser neuen Welt ist Wettbewerbspolitik Sicherheitspolitik und Sicherheitspolitik Wettbewerbspolitik.” 

Sebastian Gierke

Merz über Großmachtpolitik: "Sie ist schnell, hart und unberechenbar"

Großmachtpolitik, die neue Ära der Großmächte, darüber hat Merz auch schon in Davos beim Weltwirtschaftsgipfel vor wenigen Wochen gesprochen. Jetzt geht er noch etwas weiter in die Tiefe, ins Detail. China erhebe einen globalen Gestaltungsanspruch, die internationale Ordnung deute China in seinem Sinn neu. Der Führungsanspruch der Vereinigten Staaten sei angefochten, „vielleicht verspielt“.  Großmachtpolitik funktioniere nach eigenen Gesetzen. „Sie ist schnell, hart und unberechenbar,“ sagt Merz. Sie fürchte eigene Abhängigkeiten. Die Abhängigkeiten anderer aber nutze sie, wenn nötig nutze sie sie aus.  

Sebastian Gierke

Merz: "Diese Ordnung gibt es so nicht mehr"  

Merz beginnt mit der Problembeschreibung. Er spricht ruhig und deutlich. Das Motto der Konferenz sei Under Destruction. „Das meint wohl, die internationale Ordnung, die auf Rechten und Regeln ruhte, ist im Begriff, zerstört zu werden." Für Merz geht das aber nicht weit genug. Er sagt: "Diese Ordnung, so unvollkommen sie selbst zu ihrer besten Zeit war, gibt es so nicht mehr."

Merz zitiert den Philosophen Peter Sloterdijk, der kürzlich geschrieben habe, dass Europa seinen langen Urlaub von der Weltgeschichte beendet habe. Der Bundeskanzler sagt: “Wir haben eine Schwelle in eine Zeit überschritten, die einmal mehr von Macht und Großmachtpolitik geprägt ist.

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