Es ist erst 13 Jahre her, dass sich Sony mit einem frechen Video ganz klar für Spiele auf physischen Datenträgern aussprach: Das Weitergeben eines Spiels, so der kurze Spot, erfolgt einfach, indem man die Disc einem Freund aushändigt. Das ist simpel, so lief das immer schon bei Spielen. Auf jedem Flohmarkt kann man auch heute noch Module, Discs, und bisweilen sogar Tapes und Disketten mit klassischen Spielen finden. Vieles davon funktioniert sogar.
Nico Ernst schreibt seit über 20 Jahren über IT-Themen und gelegentlich auch über Musik. Hardware, Wirtschaft und Netzpolitik sind seine bevorzugten Themen. Da er mit ZX81, C64 und Atari VCS aufwuchs kann er sich auch einem gelegentlichen Spiel noch immer nicht entziehen.
Natürlich hat der digitale Vertrieb, angestoßen primär durch Steam, die Notwendigkeit von Datenträgern reduziert. Aber, und das ist ein ziemlich großes Aber: Spiele auf Datenträgern sind nicht nur für Sammler attraktiv. Die bunten Verpackungen, edle Steelbooks, umfangreiche Beigaben in Collectors Editions sind genauso Teil der Spielkultur wie das Geschehen auf dem Bildschirm. Und dass auch ein digitales Spiel etwas zum Anfassen ist, von dem man ganz ohne Strom beim Blick ins Regal etwas hat, bleibt ein Wert an sich.
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Schon heute dient aber die Disc oft nur noch als stoffliches Dongle, als eine von mehreren Lizenzen für das Spiel – denn man muss sich häufig zusätzlich noch mit einem oder mehreren Accounts anmelden. Scheibe rein und losspielen, das ist immer seltener der Fall. Schon als das von den Spielern akzeptiert wurde, lief etwas schief.
Es gibt keinen Grund, den Wegfall einer Option für den Kauf von Spielen zu feiern, wie das in den Kommentarspalten zum Teil geschieht. Wie kann es denn etwas Gutes sein, wenn die Industrie die Möglichkeiten zum Konsum reduziert? Beim überschaubaren Materialaufwand an Kunststoff für Disc und Verpackung könnte man da vielleicht noch ansetzen. Doch auch das ist kein stichhaltiges Argument, denn: Die Möglichkeit zum rein digitalen Kauf gibt es ja. Wer sich für ein Spiel auf Scheibe entscheidet, macht das bewusst. Und will das auch behalten.
Ein Spiel auf einem Datenträger, der bei guter Lagerung auch Jahrzehnte übersteht, ist zudem ein Zeitdokument: Alle Bugs, vielleicht später entfernte Elemente, das ist noch da. So kam der Titel auf den Markt, so wurde er vom Hersteller beschrieben, das war der Stand zu dieser Zeit. Das ist für Spiele-Historiker unverzichtbar, man kann aus der Disc nichts aus der Ferne wegpatchen. Da Spiele zunehmend als Kulturgut angesehen werden, sollte aus „Stop Killing Games“ vielleicht auch „Stop Killing Game Discs“ werden.
Das eingangs erwähnte Video, bis heute auf dem offiziellen Playstation-Kanal zu finden, veröffentlichte Sony im Jahr 2013 übrigens als Reaktion auf Microsofts restriktive Pläne zur Xbox One. Die sollte, bis genügend Druck durch die Kundschaft das verhinderte, immer online sein und das Weitergeben von Spielen gleich ganz verhindern. Sony warb für seine Playstation 4 dann auch konsequent mit „This is for the Players“. Die Einstellung der Disc-Produktion ist nicht „für die Spieler“. Es ist nur konsumentenfeindlich und für Sony, das gerade eh schon ein Stück Tafelsilber nach dem anderen verkauft, schlicht billiger.
Sony, das ist armselig. Vielleicht solltet ihr die Spieler einfach mal fragen, ob sie für eine Disc-Version eines Spiels mehr bezahlen wollen? Oder den Vertrieb für andere Hersteller von physischen Versionen öffnen? Das macht die Filmbranche, die ihr ja auch gut kennt, gerade vor: Viele 4K-Versionen von Klassikern und modernen Filmen erscheinen bei kleinen Labels. Weil es für Liebhaber von Dingen zum Anfassen, nicht nur Sammler, eben einen lukrativen Markt gibt. Den lasst ihr euch entgehen, ebenso wie die Begeisterung über den ganzen Playstation-Kosmos als „for the players“. Ganz kurz gesagt: Sony, spinnt ihr?
(nie)









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