KI-Update kompakt: Google-Cloud, KI-Überwachung, KI-Test, Weltraumrechenzentren

vor 12 Stunden 1

Marianne Janik, Chefin von Google Cloud im DACH-Raum und Nordeuropa, bewertet die Lage der europäischen KI-Branche im Interview mit heise online deutlich positiver als üblich. Manchmal wirke die Stimmung wie erlernte Hilflosigkeit, sagte sie. Positiv sieht sie die Robotik, wo Start-ups wie Micro AGI oder Neurarobotics zuletzt hohe Investitionen einwarben. Auch bei KI-Rechenzentren setze Google Cloud auf Deutschland, weil Kunden das nachfragten. Vieles lasse sich hier vorab leichter klären als in den USA.

Janik war vor Google lange bei Microsoft, zuletzt als Deutschland-Chefin. Anders als ihr früherer Arbeitgeber setze Google Cloud stärker auf Offenheit und wolle möglichst modellagnostisch bleiben. Zu den deutschen Kunden zählen Deutsche Bank, Kärcher und die IT der Bundeswehr. Google Cloud liegt hinter Microsoft Azure und Amazon AWS auf Platz drei der Cloud-Hyperscaler.

Das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie entwickelt ein KI-Warnsystem gegen Deepfakes in Videokonferenzen. In Videocalls sind manipulierte Gesichter besonders schwer zu entlarven, weil Nutzer an Bildstörungen und Aussetzer gewöhnt sind. Ein KI-Klon muss deshalb nicht einmal perfekt aussehen.

Das System kombiniert Audio- und Videoanalyse mit maschinellem Lernen und zeigt eine Wahrscheinlichkeit an, ob das Gegenüber echt ist. Die Auswertung läuft lokal, Bild- und Tondaten verlassen den Rechner nicht. Die endgültige Prüfung soll beim Menschen bleiben, etwa durch gezielte Rückfragen. Das System befindet sich noch in der Erprobung. Ziel ist es, die Funktion in Plattformen wie Zoom oder Teams zu integrieren.

Die Berliner Polizei will noch in diesem Monat ein Pilotprojekt zur KI-gestützten Videoüberwachung starten. Laut Innenverwaltung soll das System zunächst am Kottbusser Tor, später auch an der Warschauer Straße, auffällige Bewegungsmuster erkennen und Einsatzkräfte alarmieren. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) betont, es gehe nicht um biometrische Identifizierung. Auf den Bildschirmen erschienen nur Strichmännchen und deren Bewegungen. Ob eine Situation ungewöhnlich sei, würden die Beamten entscheiden.

Rechtsgrundlage ist das im Dezember 2025 geänderte Allgemeine Sicherheits- und Ordnungsgesetz. Auch das Rote Rathaus und der Dienstsitz der Innenverwaltung sollen KI-überwacht werden. Für die Technik sind in den kommenden Jahren mehrere Millionen Euro eingeplant. Ein Einsatz im Abgeordnetenhaus ist nach Protesten vom Tisch.

OpenAI hat auf Apples Klage wegen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen reagiert und in einem Blogpost Chatverläufe und E-Mails veröffentlicht. Apple wirft dem Unternehmen vor, sich über abgeworbene Mitarbeiter Wissen für das KI-Gerät zu beschaffen, das OpenAI mit dem Designer Jony Ive entwickelt. Im Zentrum steht der ehemalige Apple-Ingenieur Chang Liu, der nach seinem Wechsel heimlich Dateien heruntergeladen haben soll.

Die veröffentlichten Nachrichten zeigen laut OpenAI ein anderes Bild: Apple-Mitarbeiter hätten Liu nach seinem Abgang selbst mehrfach kontaktiert, einer nannte ihn den Besten seines Fachs. Liu ist jedoch nur einer von vielen Streitpunkten. Laut Klageschrift arbeiten mehr als 400 ehemalige Apple-Angestellte inzwischen bei OpenAI.

Der KI-Forscher Andrej Karpathy sucht einen neuen Weg, die Fähigkeiten von Sprachmodellen zu prüfen. Er ließ Claude Opus 5 von Anthropic aus einem Absatz von „Herr der Ringe“ eine begehbare 3D-Szene im Browser bauen. Das Modell arbeitete zwei Stunden mit einem Budget von einer Million Token, was per API rund 10 US-Dollar kostet, und produzierte etwa 5500 Zeilen Code mit der Grafikbibliothek Three.js. Den Sound lieferte Elevenlabs.

Karpathy hält den bekannten Pelikan-Test von Simon Willison, bei dem Modelle eine Vektorgrafik eines radfahrenden Pelikans zeichnen sollen, für ausgereizt. Sein eigenes Ergebnis nennt er holprig, aber lustig. Er sieht Potenzial für Spielwelten auf Wunsch. Eines der Kernprobleme bei der agentischen Entwicklung: Das Modell konnte sich sein selbsterstelltes Video nicht ansehen und musste sich mit Screenshots behelfen. Harte Messwerte sind solche Vibe-Checks aber längst nicht. Karpathy war Mitgründer von OpenAI und KI-Chef bei Tesla, heute arbeitet er bei Anthropic.

Die US-Regierung erwog laut New York Times harte Maßnahmen gegen chinesische KI-Firmen: Sanktionen, Einträge auf die Blacklist des Handelsministeriums oder ein Verbot für US-Cloud-Anbieter, mit ihnen Geschäfte zu machen. Auslöser war eine Welle leistungsfähiger KI-Modelle aus China, allen voran Kimi K3 von Moonshot AI, das in Teilbereichen mit US-Spitzenmodellen mithält.

Der Vorstoß offenbarte einen Machtkampf in der Branche. OpenAI und Anthropic hielten mit Verweis auf nationale Sicherheit dagegen und drängten auf Beschränkungen. Nvidia, Microsoft, Google und Meta liefen dagegen Sturm, sie fürchten eine Zementierung der Marktführerschaft der geschlossenen Anbieter. Nvidia-Chef Jensen Huang wurde zum Gesicht des Widerstands und gründete eine Allianz für frei verfügbare Sicherheitswerkzeuge. Vor dem Besuch von Chinas Präsident Xi Jinping im September erwartet die Branche keine harten Schritte.

OpenAI hat die Preise seiner GPT-5.6-Reihe deutlich gesenkt, um gegen chinesische Konkurrenz zu bestehen. Das kleinste Modell Luna wird 80 Prozent günstiger und kostet nur noch 20 Cent pro Million Input-Token. Das mittlere Modell Terra sinkt um 20 Prozent, das Topmodell Sol bleibt unverändert.

Luna liegt damit preislich nahe an DeepSeeks V4 Pro, Terra unterbietet Kimi K3. Immer mehr Unternehmen prüfen die chinesischen Alternativen. Die Preissenkung zeigt, wie stark der Druck im KI-Markt inzwischen ist.

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US-Techkonzerne würden Rechenzentren gern im Orbit betreiben, doch im luftleeren Raum lässt sich Abwärme nicht per Luftstrom abführen. Das Start-up Sophia Space und das California Institute of Technology entwickeln dafür eine neue modulare Architektur für Rechenzentren im All. Statt ein irdisches Rechenzentrum ins All zu heben, setzen sie auf modulare Einheiten namens TILE, kurz für Thermal Integrated LEO Edge.

Jedes Modul enthält eine Recheneinheit, Solarpaneele und Kühlpaneele, die die Wärme direkt in den Weltraum abstrahlen. Laut Gründer Leon Alkalai ist das die einzige Kühlmöglichkeit im All. Mehrere Module lassen sich per Glasfaser zu einem großen Rechenzentrum verbinden, laut Entwicklern lässt sich die Architektur durch weitere Module erweitern. Die Technik ist patentiert, eine Demo soll im kommenden Jahr starten.

Alibaba, ein chinesischer Technologiekonzern, hat sein bislang leistungsfähigstes Sprachmodell vorgestellt. Qwen3.8-Max verfügt über 2,4 Billionen Parameter, von denen pro Anfrage 95 Milliarden aktiv sind. In den hauseigenen Benchmarks liegt das Modell auf Augenhöhe mit oder über westlichen Spitzenmodellen.

Das Qwen-Team präsentiert mehrere Beispiele für die Fähigkeiten. In einem Test bekam das Modell nur ein Forschungspapier und Zugriff auf GPUs, ohne Beispielcode oder Trainings-Pipeline. Nach fünf Tagen übertraf es die Methode des Papers auf einem Mathematik-Benchmark. In einer Handelssimulation vervierfachte es innerhalb eines Geschäftsjahres das Startkapital. Qwen3.8-Max ist über verschiedene APIs nutzbar, die Gewichte sollen bald kostenlos erscheinen. Das wäre ein Novum in der Max-Reihe.

Googles erster Lautsprecher, der von Grund auf mit Gemini arbeitet, ist in Deutschland für 120 Euro erhältlich. Der Google Home Speaker löst Nest Mini und Nest Audio ab. Frühere Modelle wurden lediglich nachträglich vom Google Assistant auf Gemini umgerüstet.

Zum Kauf gehören sechs Monate Google Home Premium, ein Smart-Home-Abo, das sonst 10 Euro monatlich kostet. Enthalten ist der Zugang zu Gemini Live mit einem Echtzeit-Sprachmodus für flüssigere Gespräche ohne wiederholtes „Hey Google“. Diese Funktion steht allerdings auch auf anderen Lautsprechern zur Verfügung, sofern man dafür zahlt.

Forscher von Sandisk und SK Hynix haben im Open Compute Project die erste Spezifikation für High Bandwidth Flash (HBF) veröffentlicht, einen neuen Speichertyp für KI-Computer. HBF fasst pro Baustein bis zu zehnmal mehr Daten als das heute übliche High Bandwidth Memory (HBM)Statt Arbeitsspeicher nutzt HBF NAND-Flash-Chips, die bislang vor allem in SSDs stecken. Um hohe Geschwindigkeiten zu erreichen, spricht HBF viele Speicherbereiche parallel an.

Da HBF etwas langsamer reagiert als klassischer Arbeitsspeicher, soll er ergänzend eingesetzt werden, nicht als Ersatz. Neben Sandisk und SK Hynix arbeiten Google und das KI-Chip-Start-up Tenstorrent an der Technik. Bis erste KI-Beschleuniger damit auf den Markt kommen, dürften noch mehrere Jahre vergehen.

(igr)

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