In Afghanistan jährt sich erneut die Machtübernahme der Taliban. Inzwischen stellen die Islamisten auch das Personal in diplomatischen Vertretungen in Deutschland.
Quelle: DIE ZEIT, dpa, lk 15. August 2026, 11:58 Uhr
Die islamistischen Taliban haben in Afghanistan den fünften Jahrestag ihrer Machtübernahme gefeiert. In der afghanischen Hauptstadt Kabul wurde der Tag mit Fahnen, Festreden und einem Korso mit Militärfahrzeugen begangen.
Die islamistische Terrorgruppe hatte Kabul am 15. August 2021 nach der Ankündigung des Abzugs der Nato- und US-Truppen praktisch ohne Gegenwehr eingenommen. Am Flughafen der Hauptstadt kam es anschließend zu chaotischen Szenen, als westliche Staaten eigenes Personal und afghanische Mitarbeiter außer Landes zu bringen versuchten.
Seit der Machtübernahme der Taliban befindet sich Afghanistan in einer schweren humanitären Krise. Der Zugang zu internationaler Hilfe ist stark begrenzt. Die Taliban beschneiden die Meinungsfreiheit. Die Rechte von Frauen sind beschnitten, ihr Zugang zu Bildung extrem eingeschränkt.
Bundesregierung arbeitet mit Taliban zusammen
Dem Machtwechsel vor fünf Jahren war ein fast zwanzigjähriger internationaler Militäreinsatz vorausgegangen. Nach den Anschlägen der Terrororganisation Al-Kaida am 11. September 2001 auf Ziele in den USA starteten diese gemeinsam mit Verbündeten eine Invasion in Afghanistan. Ziel war es, die Taliban zu stürzen, denen man vorwarf, Terroristen der Al-Kaida zu beherbergen. Bis 2021 starben mehr als 2.300 US-Soldaten und 59 Angehörige der Bundeswehr in Afghanistan. Die Brown University schätzt, dass in dem Krieg mehr als 46.000 Zivilisten und fast 70.000 afghanische Sicherheitskräfte getötet wurden.
Für ihren Umgang mit den Taliban wird die Bundesregierung unter anderem von Menschenrechtsorganisationen kritisiert. Deutschland erkennt die Taliban wegen ihrer Menschenrechtsverletzungen nicht als Regierung an. Zugleich macht die Bundesregierung praktische Zugeständnisse, um Abschiebungen nach Afghanistan zu ermöglichen. Inzwischen stellen die Taliban etwa das Personal in den diplomatischen Vertretungen in Deutschland.

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