Athen. Wer 4,75 Millionen Euro für einen Zweitwohnsitz ausgeben kann, bekommt dafür auf der Kykladeninsel Mykonos die Villa Chiara. Das Anwesen bietet auf 600 Quadratmetern Wohnfläche zehn Schlafzimmer, neun Bäder, einen Fitnessbereich, einen Jacuzzi und einen Infinitypool mit Panoramablick auf die Ägäis.
Objekte wie die Villa Chiara stehen exemplarisch für einen Markt, der sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert hat. Während der Schuldenkrise lockte Griechenland vor allem mit günstigen Kaufgelegenheiten. Die Immobilienpreise brachen während der achtjährigen Rezession um bis zu 40 Prozent ein, Ferienwohnungen waren vielerorts schon für weniger als 100.000 Euro zu haben.
Heute präsentiert sich das einstige Krisenland als Premiumstandort. Internationale Käufer treiben die Preise auf den Inseln und an der Athener Riviera auf das Niveau der Baleareninsel Mallorca oder der französischen Côte d’Azur.
Wir beobachten eine deutliche Verlagerung hin zum oberen Marktsegment. Savvas Savvaidis, Immobilienmakler
Nach Berechnungen der griechischen Zentralbank haben sich die Immobilienpreise seit ihrem Tiefpunkt im Jahr 2017 im Landesdurchschnitt mehr als verdoppelt. Die Preise für Ferienimmobilien legten noch stärker zu. Auf den Inseln stiegen sie allein im vergangenen Jahr um rund zwölf Prozent.
Die Villa Chiara gehört zum Portfolio von Sotheby’s International Realty. Mit einem Quadratmeterpreis von rund 7900 Euro bewegt sie sich im üblichen Rahmen für Mykonos. Marktbeobachter nennen dort Preise zwischen 7500 und 12.000 Euro pro Quadratmeter, außergewöhnliche Objekte erzielen sogar mehr als 20.000 Euro.
Athener Riviera wird zum neuen Prestigestandort
„Wir beobachten eine deutliche Verlagerung hin zum oberen Marktsegment“, sagt Savvas Savvaidis, Chef von Greece Sotheby’s International Realty. Griechenland konkurriere inzwischen um dieselbe internationale Klientel wie die Côte d’Azur, die italienische Toskana oder die spanischen Inseln Mallorca und Ibiza. Besonders gefragt sei das Land bei vermögenden Käufern, die Authentizität, Kultur, landschaftliche Vielfalt und die emotionale Bindung an Griechenland schätzten.
Ausländische Käufer stellen nach Angaben aus der Maklerbranche inzwischen 60 bis 80 Prozent der Kundschaft. Zu den wichtigsten Herkunftsländern zählen die USA, Großbritannien, Deutschland, die Schweiz und Israel. Die starke internationale Nachfrage habe dazu geführt, dass Griechenland inzwischen Preisniveaus erreicht habe, die mit etablierten mediterranen Luxusdestinationen vergleichbar seien, sagt Sotheby’s Landeschef Savvaidis.
Meterhoch wird der neue Riviera Tower werden.
Zu den klassischen Premiumstandorten zählen Korfu im Ionischen Meer, die Kykladeninseln, Kreta und die Dodekanes-Inselgruppe um Rhodos und Kos. Neben diesen Inseldestinationen kommt auch die Athener Riviera immer stärker in den Fokus ausländischer Immobilienkäufer. Sotheby’s registriert dort eine wachsende Nachfrage nach Immobilien im Preisbereich zwischen fünf und acht Millionen Euro.
Für die Region sprechen die gute Erreichbarkeit sowie die unmittelbare Nähe zur Vier-Millionen-Metropole Athen mit ihrem breiten kulturellen, gastronomischen und medizinischen Angebot – letzteres ein wichtiger Faktor insbesondere für ältere Zweitwohnungsbesitzer.
Käufer setzen auf Nachhaltigkeit und Sicherheit
Auch das Milliardenvorhaben „The Ellinikon“ wirkt preistreibend, eines der größten urbanen Entwicklungsprojekte in Europa. Auf dem 620 Hektar großen Gelände des ehemaligen Athener Flughafens baut der Immobilienentwickler Lamda Development nach Plänen des Architekturbüros Foster + Partners für rund acht Milliarden Euro einen neuen Stadtteil mit 10.000 Wohnungen, Hotels, Schulen, Sportanlagen, Universitätscampus, Marina, Casino-Resort und Einkaufszentren.

Geplante neue Stadt im Süden von Athen: So soll Ellinikon einmal aussehen. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen. Foto: Lamda Development
Zu der neuen Stadt gehört auch der Riviera Tower, mit 200 Metern eines der höchsten Wohngebäude am Mittelmeer. Obwohl der Turm noch im Bau ist, sind die darin geplanten 170 Eigentumswohnungen bereits ausverkauft – zu Quadratmeterpreisen von bis zu 32.000 Euro.
Auch Georg Petras, Griechenland-Chef des Luxusmaklers Engel & Völkers, sieht in Ellinikon einen entscheidenden Impuls. Athen entwickle sich zunehmend zu einer ernsthaften Konkurrenz für andere exklusive Küstendestinationen im Mittelmeerraum, sagt er. „Griechenland wird nicht länger als Opportunitätsmarkt wahrgenommen“, so der Makler.
Internationale Investoren suchten heute politische Stabilität, Lebensqualität und langfristigen Werterhalt. Dadurch habe sich das Land „eine starke Position auf der Weltkarte hochwertiger Immobilien“ erarbeitet. Auch Sicherheit, Energieautarkie und ökologische Resilienz gewinnen nach Beobachtung von Petras zunehmend an Bedeutung und gehören heute zu den wichtigsten Entscheidungskriterien.
Euro pro Quadratmeterkosten die günstigsten Luxusimmobilien auf den Kykladen.
Neben der Athener Riviera bleibt die Inselgruppe der Kykladen ein Schwerpunkt des Luxusmarktes. Mykonos behauptet dort seine Spitzenposition, auch wenn neue Bebauungspläne dort die Vergabe weiterer Baugenehmigungen weitgehend gestoppt haben. Das knappe Angebot an Neubauten stützt die Preise bestehender Luxusimmobilien zusätzlich.
Auch die Nachbarinseln Paros und Antiparos zählen derzeit zu den dynamischsten Märkten der Kykladen. Mit Quadratmeterpreisen zwischen 5500 und 10.200 Euro liegen sie nur knapp unter dem Niveau von Mykonos. Die Nachfrage komme vor allem von einkommensstarken ausländischen Käufern, die Privatsphäre, eine geringere Bebauungsdichte und weiteres Wertsteigerungspotenzial suchten, sagt Petras.
Wo sich noch attraktive Einstiegschancen bieten
Auch wenn Griechenland den Wandel vom Krisenmarkt zum Premiumstandort weitgehend vollzogen hat, gibt es entscheidende Unterschiede zu etablierten Luxusmärkten. Während in Frankreich, Italien und Spanien das Angebot knapp und die Preise seit Jahren hoch sind, sehen Marktbeobachter in Griechenland weiterhin Potenzial.
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Ein Beispiel dafür ist die Halbinsel Peloponnes. Vor allem die Region Messenien in ihrem Südwesten hat sich mit dem Luxusresort Costa Navarino international einen Namen gemacht.
Mit ihren langen Sandstränden, üppiger Vegetation und einer weitgehend unberührten Landschaft ist Messenien eine der attraktivsten Mittelmeer-Destinationen. Die Preise für Zweitwohnsitze sind hier mit 3000 bis 6000 Euro pro Quadratmeter noch vergleichsweise niedrig.
Auch die Kykladeninseln Andros, Syros und Tinos bieten mit Quadratmeterpreisen von 2500 bis 5000 Euro erschwingliche Einstiegschancen. Das macht diese Destinationen für Investoren interessant. Denn bisher weniger bekannte Orte eröffnen Chancen auf überdurchschnittliche Wertsteigerungen.

vor 9 Stunden
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