Hind Rajab war fünf, als sie in Gaza getötet wurde. Jetzt ermittelt erstmals der israelische Militärstaatsanwalt. Haben Soldaten Kriegsverbrechen begangen?
25. August 2026, 13:19 Uhr
Artikelzusammenfassung
Der Fall Hind Rajab zwingt Israels Militär nun doch in den Ermittlungsmodus. Chronologisch beginnt alles mit der Flucht einer Familie aus Nordgaza, dem Kugelhagel auf ihren Kia, den dokumentierten Notrufen der Cousinen und dem späteren Tod von Hind sowie zweier Sanitäter – ein Ablauf, den Forensic Architecture und der Palästinensische Rote Halbmond so präzise rekonstruierten, dass aus individuellem Grauen ein globales Symbol wurde, von Campus-Protesten bis Oscar-nominierter Doku. Mehr als zwei Jahre später leitet der israelische Militärgeneralstaatsanwalt erstmals Strafrechtsermittlungen ein, allerdings nur zum Beschuss des Rettungswagens und nicht zur zentralen Frage, warum überhaupt auf das Familienauto gefeuert wurde – ein juristischer Split-Screen, der eher nach Damage Control als nach lückenloser Aufklärung klingt. Genau darin liegt der politische Subtext: Kritiker und Völkerrechtsexperten vermuten, Israel wolle mit eigenen, womöglich partiellen Untersuchungen dem Internationalen Strafgerichtshof den Wind aus den Segeln nehmen, denn der greift meist erst ein, wenn nationale Justizsysteme offenkundig versagen oder auf Zeit spielen. Menschenrechtler bleiben deshalb skeptisch, die Mutter fordert keine Blackbox-Militärprüfung, sondern transparente Rechenschaft – und falls die Ermittlungen wieder versanden, könnte ausgerechnet dieses institutionelle Lavieren den IStGH erst recht auf den Plan rufen.
Diese Zusammenfassung wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt. Vereinzelt kann es dabei zu Fehlern kommen.
Hind Rajab Hamada war fünf Jahre alt, als sie
getötet wurde. Am 29. Januar 2024 floh ihre Familie vor Angriffen der
israelischen Armee im Norden des Gazastreifens. Ihr Onkel, seine Frau, deren
vier Kinder und Hind waren in einem kleinen schwarzen Kia unterwegs, als sie
unter Beschuss gerieten. 335 Kugeln feuerten die Soldaten ab, so rekonstruierten es später die Forscher
des Instituts Forensic Architecture der Universität
London.
Der Palästinensische Rote Halbmond (PRCS)
dokumentierte, was nach den Schüssen auf den Kia passierte. Die einzige
Cousine, die noch lebte, Layan Hamada, setzte einen Notruf ab, den der PRCS
später veröffentlichte: »Sie schießen auf uns. Der Panzer ist direkt neben mir.
Wir sitzen im Auto, der Panzer ist direkt neben uns«, schreit die
15-Jährige. Auf der Aufnahme ist weiterer Beschuss zu hören, und Layan antwortet den Rettungskräften nicht mehr. Dafür meldet sich Hind: »Kommt und holt mich.
Kommt ihr und holt mich? Ich habe solche Angst, bitte kommt!« Mit diesen
Worten ist sie in der Aufnahme zu hören. Auch Hind wird erschossen, ebenso wie
zwei Sanitäter, die ihnen zu Hilfe eilen. Die Leichen der Mädchen, ihrer
Angehörigen und der Rettungskräfte können erst Wochen nach dem Vorfall geborgen
werden.