heise+ | Klimaanlagen-Feindlichkeit: Warum Ideologie bei Hitze nicht hilft

vor 2 Tage 1
  1. Klimaanlagen-Feindlichkeit: Warum Ideologie bei Hitze nicht hilft
    • „Man müsste doch nur ...“
    • Klimaanlage sticht einfach
    • „Klimaanlagen heizen die Städte weiter auf.“
    • „Klimaanlagen brauchen Strom!“
    • Wir können einfach abwarten

Der Deutsche Wetterdienst hat nach der historischen Hitzewelle im Juni eine schöne, nüchterne Zusammenfassung und Einordnung veröffentlicht. Bemerken wir ganz nüchtern:

  • Eine solche Juni-Hitzewelle hat es in den Messdaten noch nicht gegeben (verbale Berichte aus dem Mittelalter sind schwer zu vergleichen).
  • Schon mal gegeben oder nicht: Die Hitzewelle war in der Spitze wärmer und in der zeitlichen Ausdehnung länger als bisherige – direkt kausal durch die Erderwärmung.
  • Alle Prognosen gehen für Deutschland davon aus, dass die steigenden Durchschnittstemperaturen kommende Hitzewellen länger, häufiger und (moderat) heißer machen werden.

Hitzewellen seit 1950 ab 3 Tage Länge: Die Anomalie der Juniwelle zeigt sich beim Blick auf die Saison oder Ausprägung der anderen Hitzewellen. Für den Juni war das ein Rekord. Auch die Junihitze des hier nicht vorkommenden Hitzejahres 1947 wurde deutlich übertroffen in Länge, Durchschnitt und Maxima.

(Bild: DWD)

Diese paar Punkte dürften einen Konsens von über 95 Prozent unter Klimaexperten finden, und sie kommen ohne Sensationen, Katastrophenszenarien oder dringende Appelle aus. Daher müssten sie auch in der Laienbevölkerung mehrheitsfähig sein. Als viel lesender Presseprofi habe ich bemerkt: Die übliche Argumentation à la „aber die Klimaanlage ist BÖSE!“ kam nach Juni kaum noch vor. Die meisten üblichen Verfechter sind ob der Realität eingebrochen und gestehen zu: Klimaanlagen sind in vielen Gebäuden sinnvoll! Dass wir so viele Krankenhäuser und Altenheime ohne haben, ist nicht besonders tugendhaft, sondern einfach nur dumm.

Dennoch haben sich ein paar Ultras eingegraben und bringen die alten Argumente weiterhin vor. Wie so oft sind die Argumente an sich gar nicht falsch. Sie ignorieren lediglich den breiteren Kontext, die Alternativen und deren Kosten. Mein Lieblingsargument der verbliebenen Antiklimatisierer ist: Mit Sommerhitze bedacht schlau gebaute Gebäude brauchen weniger Klimatisierung. Das ist vollständig richtig. Aber es ist nicht richtig vollständig.

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