„Gesinnungsprüfung“: Börsenverein: Weimer stellt Buchhandlungen „unter Generalverdacht“

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09.03.2026, 06:38Lesezeit: 1 Min.

„The Golden Shop“ in Bremen

Kulturstaatsminister Weimer streicht linke Buchläden von der Preisliste, angeblich wegen Extremismusverdachts. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hält das für „vollkommen inakzeptabel“.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hält die Entscheidung von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos), drei linke Buchläden wegen Extremismusverdachts von der Nominiertenliste für den Deutschen Buchhandlungspreis zu streichen, für „vollkommen inakzeptabel“. Börsenvereins-Vorsteher Sebastian Guggolz sprach in der „Süddeutschen Zeitung“ (Montag) von einer „Gesinnungsprüfung“. Weimer beschädige „die Verfassung, den Verfassungsschutz und diesen Preis“. „Er stellt alle Buchhandlungen unter Generalverdacht und sorgt für extreme Unsicherheit“, fügte Guggolz hinzu.

Weimer hatte wegen „verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse“ von der Empfehlung der Jury zur Auszeichnung der drei Buchhandlungen Abstand genommen. Vorausgegangen war eine Abfrage beim Verfassungsschutz gemäß dem sogenannten Haber-Verfahren. „Das Haber-Verfahren wurde zur Bekämpfung extremistischer und terroristischer Organisationen entwickelt“, kritisierte Guggolz. Im Kulturbereich hab es nichts zu suchen.

Die betroffenen Buchläden wollen klagen

Betroffen von der Entscheidung Weimers sind die Buchläden „Rote Straße“ in Göttingen, „The Golden Shop“ in Bremen und „Zur schwankenden Weltkugel“ in Berlin. Sie wollen gegen den Ausschluss vom Preis klagen. Der Börsenverein unterstützt sie dabei.

„Zum einen ist die Entscheidungsgrundlage vollkommen unklar“, sagte Guggolz. Zum anderen sei das Haber-Verfahren eben nicht für die Kulturförderung entwickelt worden, sondern um zu verhindern, dass extremistischen oder terroristischen Vereinigungen Staatsgeld zugutekommt. „Mir konnte noch niemand erklären, wo hier eine Gefährdung vorliegt und woher die Verdachtsmomente kommen“, sagte der Chef des Börsenvereins.

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