Düsseldorf. Um die 80 Kilometer ist Wolfgang Krüger oft mit Freunden geradelt. Vom Stadtrand aus wollten sie dann nach Berlin mit der S-Bahn zurückfahren. Doch die Freunde sagten dann, sie hätten noch Lust, mit dem Rad zurückzufahren. „Die hatten aber gar keine Lust. Sie hatten einfach nicht das Geld“, sagt Krüger.
Das habe er erst später verstanden. Mit einer Freundin, mit der er auch später noch oft geradelt ist, habe er dann einen Deal gemacht: Alle Kosten, die auf Radtouren entstehen, übernehme er. Sie solle im Gegenzug einen Salat mitbringen.
Wolfgang Krüger ist Psychotherapeut, Betriebswirt und hat über Geld und Beziehungen Bücher geschrieben. Er sagt: „Damit Freundschaften mit unterschiedlichem Geldbeutel glücken, muss derjenige, der mehr Geld hat, die Verantwortung übernehmen, solche Situationen zu erspüren, ohne zu beschämen.“
Warum Geld in Beziehungen heute so wichtig ist
Geld nehme eine viel wichtigere Rolle in Freundschaften ein, als wir denken, sagt Krüger. Und heute werde Geld immer wichtiger. Das liege zum einen an der Tatsache, dass die Schere zwischen Arm und Reich größer wird, zum anderen daran, dass wir in unsicheren Zeiten leben. „In denen spielt Geld eine größere Rolle. Und insofern leben wir momentan in einer Zeit, in der wir uns stärker über Geld definieren.“
Die Studentenbewegung etwa sei dagegen in einer Zeit der Vollbeschäftigung und einer einigermaßen sorglosen Zeit entstanden: „In solchen Zeiten wird Geld unwichtiger.“
Manchen mag daher das Gefühl beschleichen, dass es aktuell teurer wird, Freundschaften zu halten: Da sind die kostspieligen Junggesellenabschiede, bei denen Freundesgruppen manchmal gar erwarten, auch mal eben eine Gruppenreise nach Mallorca finanziell mitzutragen. Da sind aber auch die Cafébesuche, die Dinner im Restaurant und die Kinobesuche, bei denen wir teure Zeit mit Freunden verbringen.

Kaffee und Kuchen: Gemeinsame Zeit, die kostet. Foto: Christoph Soeder/dpa
Die „Financial Times“ bezeichnete dieses Gefühl gar als „Friendflation“. Ein Wort, zusammengesetzt aus den Begriffen „Freund“ und „Inflation“, das die steigenden Kosten, Freundschaften zu erhalten, beschreiben soll.
Kaum Alternative für kostspielige Erlebnisse
Für den Verhaltensökonomen Stefan Trautmann von der Universität Heidelberg ist Friendflation daher nichts anderes als eine Ausprägung der Inflation, die sich etwa in gemeinsamen Erlebnissen offenbaren kann.
Hierzulande verzeichnet insbesondere die Gastronomie deutliche Preisanstiege. Laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) wurden Besuche in Gaststätten zwischen Januar 2022 und Juli 2025 um mehr als 26 Prozent teurer – auch weil die Mehrwertsteuer angehoben wurde.

Finanzpsychologin
„Bei Geld kann die Freundschaft aufhören und natürlich auch die Liebe“
Die Inflation trifft auch Cafés – und die sind immerhin besonders typische Orte, um Freunde und Freundinnen zu treffen. „Wir sehen, dass Menschen bei Teuerungen im Einzelhandel die Produkte durch billigere Varianten ersetzen“, sagt Trautmann. Ein Produkt, etwa Nutella, ersetzt der Konsument also durch die Eigenmarke. „Nur ist diese sogenannte Substituierbarkeit in der Gastronomie viel schwieriger“, sagt Trautmann.
Restaurant- oder Cafébesuche kann man zwar in einem gewissen Maße ersetzen, indem Konsumenten etwa in Schnellrestaurants verzehren oder zum Mitnehmen ordern, doch das gemeinsame Erlebnis geht dabei unter. Für Cafés gibt es kaum eine günstigere Alternative, da Ketten, wie etwa Starbucks, nicht als billigere Variante herhalten. Das kann für bestimmte Beziehungen zum Problem werden.
Dann spielt Geld in Freundschaften eine Rolle
Schon zum ersten Date wurde Maresa* mit dem Porsche abgeholt. Erst war sie beeindruckt, später entfernte die beiden das Geld immer weiter voneinander. Sie, die Studentin, und er, der Unternehmer in der Weinbranche, verbrachten oft ihre Freizeit nicht miteinander. Er hatte einen Freundeskreis, in dem es wichtig war, kostspielige Erlebnisse zu teilen – etwa in Restaurants für 300 Euro zu speisen. Sie studierte und hatte dementsprechend einen sparsamen Freundeskreis aus der Universität.
Die Freundeskreise vermischten sich – nur bei gemeinsamen Erlebnissen wurde der unterschiedliche Umgang mit Geld offensichtlich. Während er mit seinen Freunden für Kurztrips nach Ibiza flog und in teuren Hotels schlief, blieb sie oft mit ihren Studentenfreunden zu Hause. Irgendwann trennte sich Maresa. Heute sagt sie, dass ein Trennungsgrund sicher der unterschiedliche Umgang mit Geld war. „Mir war es einfach nicht so wichtig wie ihm und seinen Freunden.“ Das Geld stand zu oft zwischen ihnen.
Wir kommen aus unterschiedlichen Elternhäusern, die unsere Einstellung zu Geld vorgeben. Wolfgang KrügerPsychologe und Betriebswirt
Nicht in jedem Freundeskreis spiele Geld eine so zentrale Rolle, sagt Psychotherapeut Krüger. „Im Normalfall suchen wir uns Freunde, die eine ähnliche Geldprägung haben.“ Allerdings spiele das Finanzielle besonders dann eine Rolle, wenn Geld in unserem Wertesystem verankert ist. Also etwa, wenn ich mich über eine neue Rolex oder einen Porsche definiere.
Der entscheidende Faktor ist also nicht die Menge des Geldes, sondern unsere Geldprägung. „Wir kommen aus unterschiedlichen Elternhäusern, die unsere Einstellung zu Geld vorgeben“, so Krüger. Also ob wir etwa sparsam oder großzügig sind.
Geld kann aber insbesondere dann zum Problem werden, wenn wir finanzielle Unterschiede im Freundeskreis thematisieren. „Geld ist eines der letzten Tabuthemen unserer Gesellschaft“, so Krüger. Selbst über die Partnerschaft und über Sex redeten wir mehr. Wenn jemand weniger Geld hat und sich nicht traut, dies anzusprechen, führe dies häufig dazu, dass er sich still von dem wohlhabenderen Freund entferne.
Solche Differenzen könnten nur überwunden werden, wenn der Wohlhabendere die Differenz spürt und gesichtswahrend dagegensteuert oder wenn der mit weniger Geld lernt, sich nicht mehr über das Geld zu definieren. „Im Allgemeinen gelingt Letzteres aber nicht“, sagt Krüger.
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Dabei sind Freundschaften essenziell. Unsere Lebensdauer werde erheblich von zwei Faktoren bestimmt, von Einsamkeit und Unzufriedenheit, sagt Krüger. „Freundschaften können erheblich zu einem langen Leben beitragen.“ Um gute Freundschaften zu halten, rät Psychotherapeut Krüger dazu, dort wöchentlich zwei Stunden Zeit hineinzuinvestieren, etwa anzurufen. Dabei könnten kreative Fragen die Freundschaft – ähnlich wie in Partnerschaften – lebendig halten. Sein Vorschlag für eine kreative Frage: „Welche Rolle spielte Geld bisher in deinem Leben, und wie geht es dir damit?“
*Name von der Redaktion geändert
Dieser Artikel erschien bereits im September 2025. Der Artikel wurde am 13.04.2026 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.

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