Forscher: Deutschlandticket bleibt stabil, Preissensibilität wächst deutlich

vor 19 Stunden 1

Das Deutschlandticket behauptet sich auch 2026 als eines der erfolgreichsten Mobilitätsprojekte der Bundesrepublik, sieht sich aber mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert. Ein Zwischenbericht der laufenden Evaluation des Bundesverkehrsministeriums unter Leitung des Infas-Instituts bescheinigt dem Fahrschein eine anhaltend hohe Grundakzeptanz. Rund ein Fünftel der Bevölkerung nutzt das Abo-Angebot kontinuierlich.

Zugleich verweisen die Experten auf Belastungsgrenzen: Die jüngsten Preiserhöhungen hinterlassen deutliche Spuren in den Nutzungsmustern und verändern die Kundenstruktur.

Die Daten der repräsentativen Langzeitstudie ergeben ein klares Bild der Marktlage. Mit monatlich konstant mehr als 14 Millionen verkauften Abonnements bindet das Deutschlandticket inzwischen mehr als die Hälfte aller ÖPNV-Fahrten und rund zwei Drittel der zurückgelegten Personenkilometer. Die Fahrgastzahlen haben nach dem Einbruch der Pandemiejahre wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht. Parallel konzentriert sich das Angebot zunehmend auf Intensivnutzer. Die durchschnittliche Fahrtenanzahl pro Käufer stieg von 25 im Jahr 2024 auf über 30 im Frühjahr 2026. Das deutet darauf hin, dass Gelegenheitsnutzer bei steigenden Preisen häufiger abspringen oder auf Einzeltickets ausweichen.

Auf verkehrlicher Ebene entfaltet das Angebot messbare Wirkung. Rund ein Drittel der Wege von Ticketinhabern wäre ohne das Angebot nicht mit dem öffentlichen Nahverkehr zurückgelegt worden. Die bundesweite CO₂-Einsparung wird erneut auf bis zu drei Millionen Tonnen pro Jahr geschätzt, der volkswirtschaftliche Nutzen auf bis zu fünf Milliarden Euro. Während in Großstädten vor allem Staus vermieden werden, verlagern Pendler im ländlichen Raum überdurchschnittlich oft Autofahrten auf Bus und Bahn.

Die Forscher entdeckten aber regionale Unterschiede: Stadtstaaten wie Hamburg und Berlin erreichen hohe Besitzquoten. In strukturschwachen Regionen bleibe das Ticket wegen lückenhafter Nahverkehrsangebote aber hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Auch sozialpolitisch fällt das Fazit überwiegend positiv aus. Mehr als die Hälfte der Nutzer berichtet von einer spürbaren Verbesserung ihrer Mobilität. Doch in einkommensschwächeren Haushalten erreicht der tatsächliche Ticketbesitz nicht den ausgemachten Bedarf.

Laut Berechnungen des Tagesspiegels könnte der Preis des Pauschaltarifs 2027 nach dem von der Verkehrsministerkonferenz beschlossenen Preisindex um weitere 3,40 Euro auf 66,40 Euro pro Monat steigen. Hintergrund sind erhöhte Personal- und Energiekosten bei gedeckelten Zuschüssen.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert daher, das Ticket durch zusätzliche Zuschüsse von Bund und Ländern in Höhe von jeweils 400 Millionen Euro jährlich dauerhaft bezahlbar zu halten und durch ein bundesweites Sozialticket für höchstens 29 Euro zu ergänzen. Das komme deutlich günstiger als die Spritpreisbremse.

Die Wissenschaftler sehen trotz der hohen Preissensibilität weiterhin erhebliches Potenzial. Durch gezielte Vermarktung, stärkere Kundenbindung und tarifliche Optimierungen wie eine bundesweit einheitliche kostenlose Kindermitnahme könnten mittelfristig bis zu fünf Millionen zusätzliche Abonnenten gewonnen werden. Ob dieses Reservoir ausgeschöpft wird, hängt nach Einschätzung der Autoren entscheidend davon ab, ob Bund und Länder auf einer Sonder-Verkehrsministerkonferenz am Donnerstag eine langfristige Finanzierung des Deutschlandtickets sichern.

(cku)

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