Aller Augen auf George Russell: Mercedes feierte in Melbourne den ersten Doppelsieg seit mehr als einem Jahr
Foto:William West / AFP
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Mercedes ist zurück: Nach nur 91 Tagen Pause ist die Formel 1 in die neue Saison gestartet, angetrieben werden die Rennautos nun von rund 50 Prozent elektrischer Energie, auch Chassis und Kraftstoff sind neu. Für Fahrer und Fans ist vieles noch ungewohnt: Die Boliden klingen anders, sie blinken mehr (die Formel 1 hat Warnblinker an den Außenspiegeln vorgeschrieben) und im TV werden Batterieladestände und Begriffe wie »Boost« und »Overtake« eingeblendet (Details hier ). Doch zwei Erkenntnisse lassen sich nach den 58 Runden auf dem Albert Park Circuit bereits destillieren:
Mercedes galt aufgrund der Stärke im Motorbau als Favorit und stellte seinen Weltmeisteranspruch beim Großen Preis von Australien unter Beweis
Auch Ferrari kann vorn mitspielen, besonders in der Startphase zeigt sich das Auto der Scuderia stark
Das Ergebnis: Mercedes feierte den ersten Doppelsieg seit 16 Monaten. George Russell wurde Erster vor seinem Teamkollegen Kimi Antonelli, Dritter wurde Charles Leclerc im Ferrari. Die Silberpfeile waren die Dominatoren der ersten Hybridära ab 2014, mit den »Groundeffect-Autos« der vergangenen Jahre konnte der Rennstall jedoch nicht an vergangene Erfolge anschließen. Nun deutet sich die Wende an. »Sehr schön, sehr schöööön, ich mag dieses Auto, ich mag diesen Motor«, funkte Russell erleichtert an die Box. Den Rennbericht lesen Sie hier.
Der Start: Schon bei den Probestarts bei den Tests in Bahrain zeigte sich: Der Ferrari kommt am besten weg. Und auch in Melbourne schossen Leclerc und Hamilton von den Positionen vier und sieben vor. Leclerc übernahm die Führung, Hamilton war neuer Dritter, dazwischen Polesitter Russell. Für Mercedes-Teamkollege Kimi Antonelli ging es vorerst sogar von Platz zwei auf sieben zurück. Verstappen, wegen eines Unfalls im Qualifying nur als 20. gestartet, konnte sich zunächst nur wenige Positionen vorarbeiten.
Hatz an der Spitze: Es dauerte nur zwei Runden, bis Russell Leclerc wieder überholen konnte. In Folge duellierten sich beide über mehrere Umläufe, es kam zu diversen Führungswechseln. In Runde neun war auch Hamilton an Russell dran, doch auch Antonelli schloss wieder auf. Hier dürften jene Fans kurz aufgeatmet haben, die eine erneute erdrückende Dominanzphase von Mercedes befürchten. Beim Gerangel um die Spitze kam auch der neue »Overtake Modus« zum Einsatz, ein Extraschub aus dem Elektromotor. Wer weniger als eine Sekunde hinter dem Vordermann fährt, darf ihn einsetzen. Gerade am Anfang sei es »ein harter Kampf« gewesen, die neuen Regeln hätten es »fast unmöglich« gemacht, die Führung zu behaupten, bilanzierte Russell später.
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Schon wieder die Strategie: Dass Ferrari die Führung nicht halten konnte, lag wohl auch am Boxenstopp-Timing. Nach dem Ausfall von Isack Hadjar in Runde 12 holte Mercedes beide Fahrer während einer Virtuellen Safety-Car-Phase zum Reifenwechsel, Ferrari ließ seine Piloten draußen. »Zumindest einer von uns hätte reinkommen sollen«, funkte Hamilton. Eine spätere VSC-Phase (Runde 19) konnte die Scuderia nicht nutzen, um bei einem Stopp Zeit zu sparen: Valtteri Bottas hatte seinen kaputten Cadillac nahe der Boxengasseneinfahrt abgestellt, diese wurde dann geschlossen, um das Auto wegschieben zu können. Die Ferrari-Piloten bekamen erst einige Runden später neue Reifen, nun lagen sie hinter Russell und Antonelli. Mercedes konnte dann das Tempo an der Spitze bestimmen, am Ende fehlten Leclerc über 15 Sekunden auf Sieger Russell.
Ein bisschen Schwund ist immer: Und bei Einführung eines neuen Reglements sogar ein bisschen mehr, die Autos kämpfen noch mit der Zuverlässigkeit. Mit Neuling Cadillac sind in dieser Saison 22 Rennwagen dabei, in Melbourne kamen nur 17 ins Ziel. Oscar Piastri, WM-Dritter aus dem Vorjahr, hatte allerdings selbst auch Anteil daran, dass er es gar nicht erst an den Start schaffte. Der Australier crashte beim Heimrennen noch vor der Einführungsrunde. Unverschuldet schied hingegen Hadjar aus, der frisch zu Red Bull befördert wurde und dem Rennstall nach seinem dritten Platz im Qualifying zarte Hoffnungen macht, endlich wieder einen Fahrer gefunden zu haben, der an der Seite von Verstappen bestehen kann.
Freud und Leid: Der einzige deutsche Fahrer Nico Hülkenberg gehörte ebenfalls zu jenen, die materialbedingt zurückgeworfen wurden. Schon auf dem Weg in die Startaufstellung traten an seinem Audi Probleme mit der Telemetrie auf. So verpasste er das erste Rennen des deutschen Werksteams. Die ersten WM-Punkte für Audi gab es aber: Der Brasilianer Gabriel Bortoleto wurde Neunter.
Gabriel Bortoleto im Audi: Das Werksteam hatte den Schweizer Rennstall Sauber übernommen und die neue Power Unit gebaut
Foto: Asanka Brendon Ratnayake / AP / dpa
Schwarz-rot: Kimi Antonelli, George Russell und Hywel Thomas, Managing Direktor bei Mercedes, feiern mit Ferrari-Pilot Charles Leclerc auf dem Podium in Melbourne
Foto: Joel Carrett / EPAAbgeschlagen: Bei Aston Martin hingegen heißt es dagegen wohl eher Leid und Leid. Teamchef Adrian Newey hatte schon vor dem Rennen angekündigt, dass die Autos wohl keine gesamte Distanz durchhalten werden. Während Altmeister Fernando Alonso seinen Boliden dann auch tatsächlich abstellen sollte, kam Teamkollege Lance Stroll ins Ziel – allerdings mit 15 Runden (!) Rückstand.
Wie sind die Reaktionen der Fahrer? Kommt darauf an, wen man fragt. Bei Verstappen und Vorjahressieger Norris ist die Laune entsprechend ihrer Ergebnisse nicht so rosig wie bei den Siegern von Mercedes. Beide Fahrer hatten sich schon im Vorfeld über die neuen Autos beschwert. »Es war super, hat viel Spaß gemacht. Es war eigentlich ein Top-Rennen«, sagte Verstappen, der Sechster wurde, danach mit einem ironischen Ton in die Kameras vom Sender Sky. Und Norris (5. Platz) antwortete auf die Frage, ob sich seine Einschätzung zu den Regularien geändert habe: »Nein«.
Bessere Laune bei Ferrari: Differenzierter äußerte sich Leclerc: »Ganz ehrlich: Am Start wusste keiner von uns so genau, was zu erwarten war – bei den Zweikämpfen und beim Energiemanagement«, sagte der Monegasse. Man wisse nicht genau, wann die Batterie auf der Geraden leer sei und wann sie wieder einsetze. Dadurch gebe es große Geschwindigkeitsunterschiede. Hamilton zeigte sich guter Dinge: »Ja, es war super, um ehrlich zu sein, ein sehr spaßiges Rennen«, sagte der Rekordweltmeister.
Gibt es eigentlich Rookies? Ja, einen. Mit 18 Jahren debütierte Arvid Lindblad als viertjüngster Fahrer in der Formel 1 für das Red-Bull-Nachwuchsteam Racing Bulls. Er ersetzt dort den Japaner Yuki Tsunoda. Einen PKW-Führerschein hat der britisch-schwedische Teenie bisher nicht. Um die 1000-PS-Boliden in der Formel 1 zu steuern, benötigt er aber auch keinen. Mit dem achten Platz gelang ihm ein guter Einstieg.
500 Rennen im Safety Car: In Melbourne feierte ein Deutscher ein Jubiläum, auch wenn er gar nicht ausrücken musste. Bernd Mayländer steuert seit über 25 Jahren das Safety Car in der Formel 1. Wenn es dort kracht und Trümmerteile auf der Strecke liegen, kommt Mayländer auf die Strecke und bremst das Feld ein, bis die Gefahr beseitigt ist. Der Große Preis von Australien war sein 500. Grand Prix. Mitgezählt hat er aber lange nicht, sagte Mayländer im SPIEGEL-Interview. Dort können Sie auch nachlesen, welche Fahrer am meisten drängeln.
Wie geht’s weiter: Zunächst am 15. März mit dem Großen Preis von China (8.00 Uhr MEZ, TV: Sky). Was danach folgt, ist momentan allerdings noch unklar. Denn: Aufgrund der militärischen Eskalation im Nahen Osten ist die Austragung der für den 12. und 19. April angesetzten Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien fraglich. Eine Entscheidung darüber steht aus.

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