Horizontal in der Holzklasse Airline führt Stockbetten in der Economy ein
Kein Scherz: Eine Fluggesellschaft möchte mit einem Hochbett eine Schlafmöglichkeit in der Holzklasse etablieren. Was es kostet, sich langzumachen – und wann das böse Erwachen droht.
21.04.2026, 17.14 Uhr
Etagenbett von Air New Zealand: Himmlische Horizontale
Foto: Air New ZealandWeit zu reisen ist ja etwas Schönes. Wenn da nicht die weite Reise wäre! Und die Tatsache, dass man auf dem weiten Weg irgendwann auch mal schlafen muss. Auf Langstreckenflügen gerät die Nachtruhe verlässlich zu einem eher unwürdigen Erlebnis, solang man kein Geld für die Businessclass oder gar First Class hat. Dort ist es möglich, den Körper in eine Position zu bringen, die zu den Bedürfnissen müder Menschen passt: die Horizontale.
Auf den billigen Plätzen aber ist das in der Regel nicht drin. Den Wunsch, sich einmal so richtig in der Holzklasse auszustrecken, will Air New Zealand seinen Kunden künftig erfüllen. Ab November führt die neuseeländische Fluggesellschaft das sogenannte Economy Skynest ein. Es handele sich um die ersten »sleep pods in the sky«, schreibt das Unternehmen auf seiner Website , also die ersten Schlafkapseln im Himmel. Die Buchung für einen Hochbettplatz gilt nicht für den gesamten Flug, sondern nur für vier Stunden.
Skynest von Air New Zealand: Treppe rauf und hineingerollt
Foto: Kyodo News / IMAGOIm Skynest wird es den Angaben zufolge sechs Liegeflächen geben, jede rund 203 Zentimeter lang. Auf Schulterhöhe sind sie 64 Zentimeter breit, weiter unten im Fußbereich nur noch 41 Zentimeter. Die an ein Etagenbett erinnernde Konstruktion ist an Bord eines Boeing 787-9 »Dreamliners« verbaut. Verfügbar sein soll das Angebot auf bestimmten Flügen zwischen New York und Auckland – einer 18-Stunden-Strecke, die für deutsche Reisende eher mit Umwegen verbunden sein dürfte. Falls dennoch relevant: Ab Mitte Mai ist das Skynest buchbar.
Gute Nacht – und ihr Preis
Es ist vielleicht ein schwacher Trost für alle, die mit anderen Airlines einen Langstreckenflug zurücklegen oder keinen dieser Schlafplätze abbekommen. Aber man könnte sich in seinem herkömmlichen Sitz folgende Szenarien ausmalen – alles Tatsachen, die das Skynest eher unattraktiv erscheinen lassen:
Es ist ohnehin wahnsinnig teuer: Laut »Forbes« kostet eine vierstündige Schlafsession 495 US-Dollar (umgerechnet etwa 420 Euro) – zusätzlich zum Flugticket, versteht sich.
Das Schnarchen der anderen wird auch nicht erträglicher, wenn diese liegen.
Überhaupt: auf Knopfdruck einschlafen, um bloß keine Minute des Schlaf-Slots mit Wachzustand zu verplempern? Wie soll das gehen?
Und stellen Sie sich erst den Moment vor, in dem das Schlafvergnügen vorbei ist! Die im Skynest liegenden Mitreisenden werden gerade in die Tiefschlafphase versunken sein, wenn es heißt: »Aufstehen, bitte! Ihre gebuchte Zeit ist vorbei!«
Perfekt für Familien? Nicht ganz
Wer mit kleinen Kindern reist, dem kommt das Skynest vielleicht wie ein Gamechanger für Fernreisen vor: Sich mit Kind für eine Weile einzukuscheln, wirkt auf den ersten Blick wie die Lösung aller Reiseprobleme. Doch da haben sich Familien zu früh gefreut. »Nesters« – wie Air New Zealand die Skynest-Nutzerinnen und -Nutzer nennt – müssen mindestens 15 Jahre alt sein.
Und Eltern, die für vier Stunden im Etagenbett verschwinden und dem Kind die billigen Plätze überlassen wollen, haben auch schlechte Karten. Die Airline weist darauf hin, dass Kinder unter zwölf Jahren im Flugzeug jederzeit von jemandem über 15 Jahren betreut werden müssen. Tipp der Airline: »Sofern Ihre Reisegruppe aus zwei Erwachsenen besteht, kann einer das Skynest nutzen, während der andere beim Kind bleibt.«
Schade! Dabei verspricht das Erlebnis in der Schlafkapsel laut Air New Zealand, dass man dabei ein wenig »knien, kriechen und klettern« müsse. Immerhin lägen die oberen und mittleren Liegen etwas erhöht.
Im Flugzeug liegen, das ist übrigens auch bei anderen Airlines möglich. Die kasachische Air Astana bietet etwa den »Economy Sleeper« an, eine Art Matratze, die über mehrere Sitze gelegt wird. Und die japanische All Nippon Airways (ANA) hat mit der sogenannten COUCHii ebenfalls eine Art Sofa konzipiert, bei dem gegen Extragebühr aus drei regulären Sitzen eine komfortablere Sitz- oder Schlafgelegenheit wird.
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vor 3 Stunden
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