Physische Robotik soll das nächste große Ding für die KI sein: Nach dem „ChatGPT-Moment“ mit der Durchsetzung der Large Language Models sollen Sprach- und sogenannte Weltmodelle nun in die Echtwelt geholt werden und Humanoide und andere Roboter steuern. In der Maschinenbaunation Deutschland tut sich hier eine Menge: Firmen wie Neura Robotics sammeln viel Geld ein und das Münchner Start-up Microagi versucht sich an einer Kombination aus Datenerfasser, KI-Marktplatz und Systemintegrator. Dabei geht es der Firma um nicht weniger als die Rettung der technischen Basis der europäischen Region.
Bercan Kilic, Chef von Microagi, spricht im Interview mit heise online über Europas industrielle Schwächen, den Schutz von geistigem Eigentum beim Robotik-Training, warum Videodaten aus seiner Sicht besser skalieren als Teleoperation – und weshalb er Automatisierung nicht als Option, sondern als Überlebensfrage für Europa versteht.
Bercan Kilic, Chef von Microagi.
(Bild: Microagi)
heise online: Herr Kilic, Sie sind einst zum Studieren nach Deutschland gekommen. Wie sah Ihr Weg bis zur Gründung von Microagi aus?
Bercan Kilic: Ich bin vor rund neun Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen, tatsächlich zum Studium nach Aachen an der RWTH. Deutsch kann ich auch schriftlich ganz gut, aber nach längerer Zeit in Großbritannien fällt mir Englisch heute leichter – gerade bei KI-Themen, deshalb sprechen wir heute auf Englisch. Nach meiner Zeit in Aachen bin ich zunächst für die Formel 1 nach Großbritannien gegangen und war dort Ingenieur bei Red Bull Racing. Später habe ich noch darüber nachgedacht, vielleicht einen Master in Machine Learning in Aachen zu machen, aber dazu kam es dann nicht.
heise online: Stattdessen haben Sie gegründet.
Kilic: Genau.
„Es war immer klar, dass unser Feld sehr kapitalintensiv ist.“
heise online: Viele kennen Microagi vor allem wegen der ungewöhnlich großen Seed-Investitionsrunde, der bislang größten in Deutschland überhaupt. War das von Anfang an das Ziel – oder ist die Finanzierung im Nachhinein selbst zur Geschichte geworden?
Kilic: Dass es die größte Seed-Runde in Deutschland war, wurde uns erst im Nachhinein richtig bewusst. Aber unabhängig davon war immer klar, dass unser Feld sehr kapitalintensiv ist. Man braucht viel Compute, viele Daten, sehr gute Talente und starke operative Strukturen. Das ist alles nicht günstig. Mit der Finanzierung können wir jetzt anfangen zu zeigen, wie unsere Deployments konkret aussehen und wie wir realen wirtschaftlichen Wert schaffen wollen.
heise online: Wie haben Sie sich bis dahin finanziert? Von außen wirkte das Unternehmen ja schon vor der großen Runde nicht wie ein ganz frühes Projekt.
Kilic: Wir hatten zunächst eine kleine Pre-Seed-Runde. Danach kamen im Wesentlichen Erweiterungen darauf, also Seed-Extensions. Der große Teil des Teams ist erst nach der eigentlichen Finanzierungsrunde gewachsen.
heise online: Über Ihre tatsächliche Bewertung sprechen Sie nicht öffentlich. Aber die Frage, ob da schon am nächsten deutschen Unicorn gebaut wird, steht natürlich im Raum.
Kilic: Hoffentlich bald.












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