Die Lage in den östlichen Teilen der Demokratischen Republik Kongo spitzt sich immer weiter zu, noch ist kein Ende des Ebola-Ausbruchs in Sicht. Dabei kommt es regional zu teils dramatischen Szenen. Im Streit um die Leiche eines Ebola-Toten ist ein Krankenhaus im in Brand gesetzt worden. Nach Tumulten zwischen Angehörigen und Ärzten brannten zwei Behandlungszelte in Rwampara in der Provinz Ituri nieder.
Die Familie des Mannes, der mit Ebola-Symptomen gestorben war, habe die Leiche für eine Bestattung abholen wollen, doch die Ärzte hätten dies verweigert, sagte der zuständige Anführer der Volksgruppe Bahema, Batangura Zamundu, der Nachrichtenagentur dpa.
Vier Patienten hätten sich retten können, während in dem anderen Zelt eine Leiche verbrannt sei, sagte Zamundu. Der Streit zwischen Angehörigen und Ärzten sei davor eskaliert. »Es kam zu Steinwürfen. Ich rief die Polizei, aber sie traf zu spät ein. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Demonstranten bereits zwei Zelte in Brand gesetzt, die als Teil der Hilfsmaßnahmen aufgestellt worden waren.« Ein Mediziner bestätigte den Vorfall.
Die Leiche eines Menschen, der an Ebola gestorben ist, ist hoch ansteckend und muss daher nach bestimmten Regeln begraben werden. Die Gefahr für Angehörige und Bestatter ist sehr hoch, zumal in der Region das Waschen und Berühren von Toten üblich ist.
Die Zahl der Infektionen im Ostkongo steigt derweil nach örtlichen Behördenangaben weiter rasch an. Mittlerweile gibt 671 Verdachtsfälle und 160 vermutete Todesfälle, wie das Gesundheitsministerium der Demokratischen Republik Kongo mitteilte. 64 Infektionen und sechs Todesfälle wurden dem Gesundheitsministerium zufolge im Labor bestätigt.
Am Mittwoch hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch von fast 600 Verdachtsfällen und mehr als 130 vermuteten Todesfällen gesprochen. Sie geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Infektionen deutlich höher liegt, weil nicht alle Krankheitsfälle gemeldet werden.
Im Nachbarland Uganda teilte das Gesundheitsministerium mit, dass außer den bislang bekannten zwei Fällen bei kongolesischen Staatsbürgern keine neuen Infektionen bekannt geworden seien. Einer der Patienten war gestorben. Die zweite Patientin sei am Mittwoch zum zweiten Mal negativ auf das Virus getestet worden und befinde sich weiter in Behandlung. Die Regierung in Kampala kündigte am Donnerstag an, als Vorsichtsmaßnahme innerhalb der nächsten 48 Stunden alle Flüge in den Kongo einzustellen.
Der Ebola-Ausbruch begann laut der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC im Kongo in der nordöstlichen Provinz Ituri, die an Uganda und den Südsudan grenzt. Es handelt sich um den insgesamt 17. registrierten Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976. Der Ausbruch des seltenen Bundibugyo-Typs des Ebolavirus, für die es weder einen Impfstoff noch eine Therapie gibt, macht die Lage besonders schwer einzudämmen (mehr dazu hier ).
Rebellengruppe meldet Toten in Süd-Kivu
Inzwischen haben die Behörden auch einen ersten Infektionsfall in der östlichen Provinz Süd-Kivu bestätigt. Die Behörden sprachen am Donnerstag von einem bestätigten Fall und einem Verdachtsfall in der Provinz. Ein Sprecher der M23-Miliz sagte, der Infizierte sei bereits an den Folgen der Infektion gestorben. Der Fall sei in der Provinzhauptstadt Bukavu registriert worden, die seit Februar vergangenen Jahres unter Kontrolle der bewaffneten Gruppe steht. Der Infizierte kam den Angaben zufolge aus Kisangani, einer Stadt in der östlichen Provinz Tshopo, in der bislang keine Ebola-Fälle verzeichnet worden waren.
Bei dem Patienten in Süd-Kivu handelt es sich um einen 28-Jährigen, der nach Angaben der Rebellen unter sicheren Bedingungen bestattet worden ist. Ein Sprecher der Behörden in Süd-Kivu sagte, ein weiterer Patient befinde sich in Isolation und warte auf ein Testergebnis.
Die gewaltsamen Konflikte im Kongo wie die Kämpfe zwischen der M23-Miliz und der kongolesischen Armee erschweren die Eindämmung enorm.
Experten gehen davon aus, dass das Virus in der nördlichen Provinz Ituri bereits rund zwei Monate unbemerkt zirkulierte, bevor es in der vergangenen Woche identifiziert wurde. Ebolafieber ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einer Ebola-Epidemie in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben.
Der Ebola-Ausbruch in Afrika dürfte größer und weiter verbreitet sein, als die offiziellen Zahlen nahelegen. Für den seltenen Virustyp Bundibugyo gibt es bisher keinen zugelassenen Impfstoff. Mehr dazu hier .

vor 2 Tage
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