Digitale Bildung: 4 von 5 Lehrkräften sehen zu wenig politische Unterstützung

vor 16 Stunden 1

Eine aktuelle Erhebung des Branchenverbands Bitkom zeichnet ein recht klares Bild: Lehrkräfte in Deutschland setzen KI-Werkzeuge mittlerweile häufiger ein als im Vorjahr und sehen KI auch mehrheitlich als Chance für die Bildung. Zugleich bemängeln sie, wie die Digitalisierung der Schulen politisch unterstützt wird – unter anderem, welche Ausstattung ihnen zur Verfügung gestellt wird. Zudem spricht sich eine große Mehrheit für die Vermittlung von Kompetenzen statt den Ausschluss von KI aus den Schulen aus, selbst wenn sie die Auswirkungen von KI auf Heranwachsende zum Teil als deutlich negativ einstufen.

Geht es nach den befragten Lehrkräften, sollte jede Schülerin und jeder Schüler lernen, wie KI genutzt wird (89 Prozent). 42 Prozent sagen allerdings, KI führe zur Verdummung von Heranwachsenden – 36 Prozent unterstützten sowohl diese Aussage als auch jene, dass jeder Schüler lernen sollte, wie KI genutzt wird. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst kommentierte, dass KI das eigenständige Denken nicht ersetzen dürfe. Es gehe aber nicht mehr darum, ob in den Schulen KI eingesetzt wird, sondern um das „Wie“. Schulen müssten die Chancen, Grenzen und einen verantwortungsvollen Umgang mit KI vermitteln. KI-Kompetenzen gehörten deshalb fest in die Lehrpläne.

Dass Lehrkräfte KI zunehmend für ihre eigene Arbeit nutzen, zeigte etwa der Blick auf Zahlen des Vorjahrs. Inzwischen setzen 58 Prozent der Lehrkräfte künstliche Intelligenz für schulische Zwecke ein, im Vorjahr waren es 51 Prozent. 18 Prozent können sich das überdies vorstellen. Zudem unterstützten 66 Prozent der Befragten die Aussage, dass KI eine Chance für die Bildung sei, während 29 Prozent sie eher als Risiko einstuften.

Die Zahl der Lehrkräfte, die KI für die Schule nutzen, ist seit 2024 von 51 Prozent auf 58 Prozent in 2026 gestiegen. Außerdem sind weitere 18 Prozent offen für die Nutzung.

(Bild: Bitkom)

Möchten Lehrkräfte KI allerdings für ihre Arbeit nutzen, stoßen sie auf recht unterschiedliche Voraussetzungen. So ist ein zentrales Ergebnis der Bitkom-Umfrage, dass nur knapp die Hälfte der Lehrkräfte (46 Prozent) eine KI-Lizenz oder ein Konto von der Schule gestellt bekommt. Rund 26 Prozent der Lehrkräfte nutzen stattdessen oder auch ausschließlich private Konten für den schulischen Einsatz. 19 Prozent erhalten gar keine Lizenz und greifen deshalb auf eigene Zugänge zurück. Der Bitkom bezeichnet dies als eine Art „Schatten-KI“, die in den Schulen ihren Einsatz findet.

Lehrkräfte sehen KI eher als Chance (66 Prozent) denn als Risiko (29 Prozent) für die Bildung. Unterrichten Lehrkräfte MINT-Fächer oder/und am Gymnasium votieren sie noch eher für „Chance“ als Lehrkräfte anderer Fächer und Schulformen.

(Bild: Bitkom)

Wie unterschiedlich Schulen und Lehrkräfte ausgestattet werden, zeigte sich auch bei allgemeineren Fragen zu Rahmenbedingungen: Die technische Ausstattung und Infrastruktur an ihrer Schule bewerten nur rund die Hälfte (48 Prozent) der Lehrkräfte als eher gut (23 Prozent) oder sehr gut (25 Prozent), während 49 Prozent sie als eher schlecht (27 Prozent) oder sogar sehr schlecht (22 Prozent) einstufen. Wintergerst kritisierte das hart: „Eine vergleichbare technische Ausstattung ist das Mindeste, um allen Schülerinnen und Schülern die gleichen Bildungsvoraussetzungen zu bieten. Das ist auch eine Frage der Bildungsgerechtigkeit und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Gute digitale Bildung darf kein Zufall sein.“

Die technische Ausstattung der Schulen ist so unterschiedlich in Deutschland, dass nur 48 Prozent der Lehrkräfte eine eher gute oder sehr gute Ausstattung bezeugen.

(Bild: Bitkom)

Die Lehrkräfte, die bereits KI für ihren Berufsalltag nutzen, machen dies für vielfältige Zwecke. 44 Prozent nutzen sie, um der Schülerschaft KI-Kompetenzen zu vermitteln, 43 Prozent zur Wissensvermittlung im Unterricht. 26 Prozent setzen KI bei der Unterrichtsvorbereitung ein, 23 Prozent zur Individualisierung von Unterrichtsmaterialien, 20 Prozent zur Kontrolle von Aufgaben und Prüfungen und 15 Prozent zur Vorbereitung von Prüfungen, Tests oder Klassenarbeiten. 13 Prozent geben zudem Hausaufgaben auf, bei denen KI genutzt werden soll.

Bereits 32 Prozent der Lehrkräfte geben an, dass KI ihnen den Arbeitsalltag erleichtert. Zugleich fühlen sich 58 Prozent aber noch unsicher im Umgang mit KI. So ist es nicht verwunderlich, dass 78 Prozent der Lehrkräfte fordern, regelmäßige Fortbildungen zu digitalen Themen und Methoden verpflichtend zu machen. Unter den Befragten befanden sich offenbar auch kaum Fortbildungsmuffel: 51 Prozent von ihnen gaben an, dass sie sich im vergangenen Schuljahr 2025/2026 zum Einsatz digitaler Technologien und Medien fortgebildet haben. 43 Prozent antworteten, dass dies zwar nicht im vergangenen Schuljahr der Fall gewesen sei, aber dafür in den Jahren zuvor.

Die Digitalisierung der Schulen wird in der Lehrerschaft auch kaum noch kritisch gesehen. 95 Prozent sehen sie als Chance für die Bildung in Deutschland (2024: 88 Prozent) und nur noch 2 Prozent meinen, digitales Lernen sei ein Hype, der bald vorübergehen werde. 2024 waren noch 9 Prozent dieser Meinung.

Von der Politik erhoffen sich die Lehrkräfte indessen mehr Unterstützung. 80 Prozent unterstützten die Aussage, dass Schulen bei der digitalen Bildung nicht ausreichend von der Politik unterstützt werden, und 83 Prozent sehen Deutschland bei der Digitalisierung der Schulen international im Hintertreffen. Mit Blick auf die Schülerschaft wird von 83 Prozent ganz allgemein die übermäßige Smartphone-Nutzung als dringlichstes aktuelles Problem in den Schulen benannt, dicht gefolgt von der eigenen Überlastung (82 Prozent, 2024: 74 Prozent).

Der Bitkom fordert vor diesem Hintergrund einen DigitalPakt 2.0 mit einem dauerhaften Finanzierungsmodell für die Schul-Digitalisierung sowie einen gemeinsamen KI-Aktionsplan der Bundesländer, der eine Liste geprüfter Tools und ein jährliches KI-Budget von 15 Euro je Schülerin und Schüler umfasst. Damit ließen sich zentrale Lizenzen beschaffen und der Wildwuchs privater Konten eindämmen.

Für die repräsentative Umfrage befragte Bitkom Research 501 Lehrerinnen und Lehrer der Sekundarstufe 1 und 2 an Hauptschulen, Schulen mit mehreren Bildungsgängen, Realschulen, Gymnasien, integrierten Gesamtschulen und Waldorfschulen telefonisch im Zeitraum von Ende Mai bis Ende Juni 2026.

(kbe)

Gesamten Artikel lesen