Xaver von Cranach, DER SPIEGEL:
»›Denis, ich kann dich nicht mehr leiden.‹ Das sagt Schriftstellerin Ildikó von Kürthy. Aber wer ist dieser Denis? Und warum kann sie ihn nicht leiden?
Leute, wir müssen lesen.
Denis Scheck ist DER Literaturkritiker der ARD. In seiner letzten Sendung hat er die Bücher von Ildikó von Kürthy und Sophie Passmann… ja, was eigentlich? ›Verrissen‹ kann man nicht sagen. Das impliziert eine Auseinandersetzung. Scheck wirft die Bücher in eine Mülltonne und sagt ein paar Sätze dazu. Was soll das?
Dazu muss man wissen: Scheck macht das immer so. Das ist einfach sein Format. Dieses Mal wehren sich die Autorinnen halt dagegen. Ildikó von Kürthy hat einen Text darüber geschrieben, Sophie Passmann hat auf Insta darüber gesprochen. Und auch Autorin Elke Heidenreich mischt sich ein. Der Tenor: Scheck ist »arrogant« und die Kritik an ihren Büchern »sexistisch«.
Da kann man jetzt eine lange Diskussion anfangen, wo Kritik aufhört und Sexismus anfängt. Die Autorinnen sind sich selbst auch nicht einig. Kürthy findet zum Beispiel die Kritik von Scheck an Passmann nicht sexistisch, nur die an ihr selbst. Es ist kompliziert.
Ich habe auch keine Lust, den Sexismus-Schiedsrichter zu spielen. Das ist hier auch gar nicht so einfach: Scheck sagt, Kürthys Buch seien ›Nachrichten aus der Schnatterzone einer Damentoilette‹. Das klingt schon sehr frauenverachtend. Aber: Die Damentoilette kommt in Kürthys Buch halt schon mehrfach vor. So eine Formulierung aufzugreifen und aufzuspießen, ist eigentlich ein valider Kritiker-Move.
Was mich am meisten ärgert an der ganzen Debatte, ist das Argument von Kürthy: So viele Leute hätten ihre Bücher gelesen. Auch das Framing in der »Zeit« geht in diese Richtung. Das Argument »Wir sind viele, wir haben recht« – das ist einfach Quatsch. Nur, weil viele Leute ein Buch kaufen, heißt das nicht, dass es gegen Kritik immun sein darf.
Und ehrlich gesagt: Wer schaut noch mal »Druckfrisch«?! Autorinnen wie Kürthy, Passmann, Heidenreich haben doch eine viel größere Plattform als diese Sendung. Sie müssen sich gar nicht gegen einen vermeintlich so großen Literaturkritiker wehren. Sie sind selbst doch viel größer.
Mich würde mal interessieren, welchen Verriss ihr gelesen habt, der euch nicht nur Spaß, sondern auch weitergebracht hat.«

vor 2 Tage
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