Dax-Sentiment: Am deutschen Aktienmarkt gibt es noch genügend Käufer

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Für das Sentiment befragt das Handelsblatt jeden Freitagmorgen bis Samstagabend mehr als 10.000 Privatanlegerinnen und -anleger nach ihrer aktuellen Markteinschätzung. Die Antworten wertet Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX, aus und ergänzt sie um weitere Indikatoren.

Hinter der Sentiment-Theorie stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben können. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Insofern ist die aktuelle Marktstimmung (Sentiment) als unterstützend zu sehen: Der Dax notierte bereits zum Zeitpunkt des Umfragestarts am Freitag knapp unter seinem Rekord. Die Stimmung ist zwar gegenüber der Vorwoche von minus 2,8 Punkten auf plus 1,3 Zähler deutlich gestiegen und signalisiert damit einen Stimmungsumschwung.

Aber der Wert bedeutet keine Warnung, dass Anleger zu optimistisch werden – denn er liegt bisher auf moderatem Niveau. Als „extrem gut“ gilt die Marktstimmung erst ab plus vier Punkten. Aktuell sehen immerhin 41 Prozent der Befragten den Dax denn auch bisher in einem Seitwärtstrend.

Unterstrichen wird diese Entwicklung durch den Fünf-Wochen-Durchschnitt des Sentiments. Dieser liegt aktuell sogar im leicht negativen Bereich. In der Vergangenheit waren erst Fünf-Wochen-Durchschnittswerte jenseits der Marke von 20 Punkten ein Zeichen für eine überhitzte Marktstimmung.

Verunsicherung hat sich fast komplett aufgelöst

„Erleichtert nehmen Anleger die gute Wochenperformance im Dax zur Kenntnis, die Verunsicherung der Vorwoche ist wie weggeblasen“, sagt Heibel. Der entsprechende Umfragewert klettert von minus 3,4 Punkten in der Vorwoche auf nunmehr nur noch minus 0,3 Zähler.

Die Verunsicherung wird gemessen, indem die Umfrageteilnehmer angeben, ob sich ihre Erwartungen in der vergangenen Handelswoche erfüllt haben. Je weniger die Erwartungen erfüllt werden, desto größer ist die Verunsicherung.

Gleichzeitig steigt die Zuversicht unter den Anlegern, erklärt Heibel: „Das Bullenlager füllt sich, wie wir der Zukunftserwartung mit einem Wert von plus 2,2 Punkten entnehmen.“ Als Bullen werden optimistische Anleger bezeichnet, die einen Aufwärtstrend erwarten.

Der Optimismus unter den Umfrageteilnehmern wird gemessen, indem sie angeben, welche Marktphase sie in drei Monaten erwarten. Je mehr einen Aufwärtstrend erwarten, desto höher ist der Wert für die Zukunftserwartung.

Mittlerweile gehen immerhin 31 Prozent der Befragten davon aus, dass sich der Dax in drei Monaten in einem Aufwärtstrend befinden wird. „Diese Zuversicht soll sich nach dem Willen unserer Umfrageteilnehmer auch im Portfolio widerspiegeln“, sagt Heibel.

Das zeigt sich an der steigenden Kaufbereitschaft. Sie legt von plus 1,2 auf plus 1,4 Punkte zu. Auch dieser Wert liegt noch im moderat positiven Bereich.

Heibel sagt daher mit Blick auf die Umfrageergebnisse: „Die gute Laune unter den Anlegern in Deutschland ist nach der guten Wochenperformance des Dax nicht überraschend, sondern eine logische Folge, die uns keine Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Und auch der angestiegene Zukunftsoptimismus wird durch die hohe Absicherungstätigkeit an der Euwax relativiert.“

Die Euwax gehört zur Börse Stuttgart. Hier können Privatanleger mit Call-Optionen auf steigende Kurse setzen oder sich mit Put-Optionen gegen fallende Kurse absichern. Welche Produkte mehr gekauft werden, zeigt das Euwax-Sentiment. Je niedriger der Wert ist, desto mehr Put-Optionen werden gekauft.

Anleger haben sich gegen Kursrisiken abgesichert

„Das Euwax-Sentiment pendelt diese Woche um den Wert von minus 25 Punkten. Offensichtlich bleiben diese Anleger vorsichtig und kaufen nach wie vor Absicherungsprodukte gegen Kursverluste“, sagt Heibel.

Das stabilisiert den Dax für den Fall eines Kursrücksetzers. In diesem Fall würden die Absicherungen eingelöst und der Kursverfall gebremst oder sogar gestoppt.

Für Heibel ist die Sentiment-Verfassung daher neutral, was seiner Ansicht nach zu einer neutralen Börsenlage führt: „Das heißt aber auch, dass fundamentale Entwicklungen, also Krieg, Zölle, Zinsen et cetera, durchaus auf eine Börse treffen, die auf solche Änderungen reagieren kann“, sagt er.

Die Kursreaktion am Montag auf die abgesagten US-Angriffe auf den Iran unterstreicht diese Einschätzung. Das bedeutet aber auch: Negative Nachrichten könnten auch in die andere Richtung wirken.

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