Crans-Montana: Benefizkonzert-Erlös soll nicht bei Opfern angekommen sein

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»Die Opfer haben noch keinen Rappen gesehen«: Die Einnahmen eines Benefizkonzerts sollen die Betroffenen der Brandkatastrophe von Crans-Montana und deren Angehörige bisher nicht erreicht haben, berichtet der Schweizer »Tages-Anzeiger« . Der Verein, an den die Ticketeinnahmen zunächst gehen sollten, sei nirgends registriert. Einer der Mitorganisatoren des Konzerts sei vorbestraft.

Zu dem Konzert »Aux cœurs de Crans« in Lausanne waren Ende April laut ARD rund 2000 Menschen gekommen. Unter anderem traten auf: Gjon’s Tears, der beim Eurovision Song Contest 2021 für die Schweiz den dritten Platz belegt hatte, Mitglieder der französischen Band Gold und die französischen Popsänger Julie Pietri und Jean-Baptiste Guégan. Alle Künstler verzichteten auf eine Gage.

Karten gab es ab 90 Schweizer Franken, rund 98 Euro. Der »Tages-Anzeiger« spricht von Einnahmen in Höhe von mehr als 150.000 Franken, fast 165.000 Euro. Das Geld sollte den Hinterbliebenen der Todesopfer und schwer verletzten Überlebenden der Brandkatastrophe zugutekommen. Die Veranstaltung sei deshalb auch steuerbefreit gewesen, berichtet der »Tages-Anzeiger«.

Auf eine Anfrage, wie viel Geld zusammengekommen und was genau damit geschehen sei, hätten die Veranstalter »höchst ungehalten« reagiert, heißt es in dem Bericht weiter. Eine versprochene Antwort sei nicht geliefert worden. Weder die Stadt Lausanne noch der Kanton Wallis hätten Erkenntnisse über den Verbleib des Geldes.

Ende April hatte sich der Vater eines schwer verbrannten 18-Jährigen in der ARD beklagt : »Niemand übernimmt Verantwortung.« Viele Familien der Brandopfer müssten hohe Kosten bestreiten. Er selbst könne kaum noch arbeiten, weil er so viel Zeit im Krankenhaus verbringe, und habe bisher nur 10.000 Franken vom Kanton Wallis als Entschädigung bekommen. Selbst für das Ausbildungsdiplom seines Sohns hätten die Behörden keinerlei Zugeständnisse gemacht.

Mitorganisiert wurde das Solidaritätskonzert laut »Tages-Anzeiger« von einer Eventagentur unter der Leitung eines Mannes, der angeblich in Crans-Montana lebt. Eine Anfrage bei der Gemeinde habe allerdings ergeben, dass er dort nicht gemeldet sei. Bekannt sei der Mann hingegen in Paris: Dort sei der Immobilienhändler 2018 wegen Vertrauensmissbrauchs verurteilt worden. Er habe eine langjährige Freundin um 20.000 Euro betrogen.

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