Bosnien-Krieg: Zahl der mutmaßlichen Menschenjäger von Sarajevo wächst

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Der Mailänder Justizpalast ist ein architektonisches Zeugnis aus Zeiten des Mussolini-Faschismus. Ein weißer Marmorklotz, an dessen Stirnseite in lateinischer Sprache die Mahnung prangt, »ehrbar« zu leben und andere nicht zu »schädigen«.

Wer sich daran nicht hält, läuft Gefahr, auf dem sechsten und vorletzten Stockwerk in den Fängen von Marcello Viola und Alessandro Gobbis zu landen. Die beiden elegant gekleideten Staatsanwälte sind Größen ihrer Zunft. Der 68-jährige Viola hat sein Handwerk auf Sizilien im Kampf gegen die Cosa Nostra gelernt. Sein jüngerer Kollege Gobbis erwarb sich in der Strafverfolgung von Terrorismus und Spionage einen Ruf.

Derzeit untersuchen beide die sogenannten »Sarajevo Safaris«. Das Ermittlungsverfahren, von Viola koordiniert und von Gobbis geleitet, geht dem Verdacht nach, Kriegstouristen aus westlichen Ländern hätten sich des »mehrfachen Mords aus niedrigen Beweggründen« in der bosnischen Hauptstadt schuldig gemacht.

Im Klartext: Sie hätten aus purer Mordlust Greise und Kinder, Männer und Frauen während des bis 1995 andauernden Bosnienkriegs erschossen. In Sarajevo starben während der 1425-tägigen Belagerung mehr als 11.000 Menschen, unter anderem durch »Sniper«-Kugeln aus Scharfschützengewehren.

Mordlustige »Wochenend-Sniper«

Von bis zu fünfhundert möglichen Tätern spricht Ezio Gavazzeni in seinem Buch »Die Wochenend-Sniper«. Der Mailänder Autor hat die Sache mit seiner Anzeige juristisch erst ins Rollen gebracht. Gegen vier Verdächtige wurde bereits ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Gesichter hinter Masken oder Basecaps verborgen, versuchen die Männer auf dem Weg zur Vernehmung den Kameras zu entgehen.

In den Justizpalast einbestellt wurde bereits der mittlerweile über sechzigjährige Chef eines alteingesessenen Metallbau-Unternehmens aus dem Mailänder Umland. Er verweigerte die Aussage und ließ seinen Anwalt sämtliche Vorwürfe bestreiten.

Dieselbe Strategie wählte ein in etwa gleichaltriger Hobbyjäger aus dem Piemont, der zuvor in einem Interview öffentlich eingeräumt hatte, er habe in Bosnien auf Menschen gezielt, weil er »Muslime hasse«. Allerdings nicht im Rahmen von Wochenend-Safaris, sondern als Freiwilliger, als Söldner. Am Ende sei es für ihn psychisch belastend gewesen: »Einen Toten zu sehen, ist das eine; aber zu sehen, wie ein großkalibriges Projektil einen Arm oder ein Bein wegschießt, ist etwas Anderes; ich habe bis heute noch Albträume«. Vor den Ermittlern ließ er via Anwalt erklären, er habe in jenem Interview mit seinem Wissen über andere nur prahlen wollen.

Der dritte bereits in den Justizpalast geladene Verdächtige ist ein 80-jähriger ehemaliger Lastwagenfahrer aus dem Friaul. Auch er gibt an, sich die Vorwürfe nicht erklären zu können. Ein Verfahren läuft außerdem gegen einen Mann aus der Toskana. Weit gediehen sind die Vorermittlungen gegen einen bereits aktenkundigen adligen Mailänder Waffenliebhaber.

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