Die Leitung der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM) verlangt von rund 58.000 Studienanwärtern eine erneute Aufnahmeprüfung in Präsenz. Die größte Hochschule des Landes reagiert damit auf ungewöhnlich gute Testergebnisse bei einer im Frühsommer 2026 erstmals komplett digital durchgeführten Eignungsprüfung. Sie folgt dabei der Empfehlung einer Untersuchungskommission, die von umfangreichen Betrugsversuchen ausgeht.
Wie die Universitätszeitung Gaceta UNAM berichtet, erzielten zwischen 2021 und 2025 durchschnittlich nur 3,5 Prozent der Teilnehmer 100 oder mehr von möglichen 120 Punkten. Bei der diesjährigen Online-Prüfung stieg der Anteil sprunghaft auf 16,3 Prozent. Bei Ergebnissen von über 110 Punkten stieg der Wert sogar auf mehr als das Sechsfache von 0,9 auf 5,5 Prozent. Die eingesetzte Kommission schätzt, dass bei etwa der Hälfte der insgesamt knapp 160.000 Prüfungen von Betrug auszugehen ist. Rund 2 Prozent der Prüfungen seien zuvor bereits offiziell wegen Regelverstößen annulliert worden.
Betrug trotz Überwachung
Nach einem Bericht von El País setzte die Universität für die Prüfungen die Software LockDown Browser und eine KI-gestützte Webcam-Überwachung ein. Laut dem LockDown-Entwickler verhindert der Spezialbrowser unter anderem das Kopieren von Texten, das Minimieren des Fensters sowie den Aufruf anderer Webseiten und Anwendungen. Zudem überwachten menschliche Aufsichtspersonen KI-gestützt das Videobild der Kandidaten.
Laut der New York Times zirkulierten allerdings schon vorab Anleitungen, die etwa zweite Bildschirme für KI-Anwendungen außerhalb des Kamerawinkels oder das Verstecken von In-Ear-Kopfhörern unter dem Haar empfahlen. Zudem sollen Testfragen während des 19-tägigen Prüfungsfensters online zum Verkauf angeboten worden sein. Wegen etwaiger Betrugsangebote hat die Universitätsleitung bereits vor Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse Strafanzeige erstattet.
Neben den bereits vorläufig zugelassenen Prüflingen betrifft die Wiederholung auch jene, die verglichen mit Vorjahren ausreichende Punktzahlen erreichten, wegen der verzerrten Ergebnisse aber zunächst keinen Platz erhielten. Rektor Leonardo Lomelí Vanegas entschuldigte sich bei den geprüften Kandidaten für den Mehraufwand, nannte den Schritt aber notwendig für die Chancengleichheit. Er kündigte zudem an, den Semesterbeginn vom 10. auf den 31. August zu verschieben, um die zehntausenden Präsenzprüfungen zu organisieren.
(egia)












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