Bergunfälle in Österreich Mehrere deutsche Wanderer sterben binnen weniger Tage in den Tiroler Alpen
In den Alpen in Österreich ist es zu einer Reihe schwerer Bergunfälle gekommen. Ein 19-jähriger Hamburger stürzte am Großglockner in den Tod, ein 64-Jähriger im Zillertal.
23.08.2026, 13.22 Uhr
Zillertaler Alpen in Tirol: Mehrere tödliche Unfälle im August
Foto: Daniel Breuer / APA-Images / picture allianceDie Sonne strahlt am Himmel, die Temperaturen sind herrlich, und die Tage sind noch lang – der August ist einer der beliebtesten Monate für das Bergsteigen und Wandern in den Alpen. Abzulesen ist das auch an der regelmäßig hohen Zahl der Einsätze der Bergrettung in diesem Monat, zum Beispiel in Tirol. Dort kam es in den vergangenen Tagen zu einer Reihe tödlicher Vorfälle:
Am Samstag kam ein 64-jähriger Mann aus dem Landkreis Darmstadt am 3476 Meter hohen Olperer in den Zillertaler Alpen ums Leben. Er war mit seinem 38-jährigen Sohn und einem 36-jährigen Neffen schon auf dem Abstieg, als er etwa 80 Meter über steiles und felsiges Gelände abstürzte. Laut der Polizei in Tirol setzten seine Begleiter einen Notruf ab und stiegen sofort zu ihm ab, auch weitere Bergsteiger kamen zu Hilfe. Dem Notarzthubschrauber gelang es wetterbedingt nicht, die Unfallstelle direkt anzufliegen. Der Notarzt habe von einem etwas tiefer gelegenen Landeplatz des Hubschraubers erst noch 200 Meter zu dem Verunglückten hochklettern müssen, so die Polizei. Trotz weiterer Rettungsmaßnahmen sei der 64-Jährige an der Unfallstelle gestorben.
Am Freitagnachmittag stürzte ein 19-jähriger Hamburger am Großglockner 40 Meter in den Tod. Seine drei Freunde im Alter von 19 bis 21 Jahren mussten den tödlichen Unfall im Klettergarten in Kals mitansehen. Sie wurden laut Polizei von einem Kriseninterventionsteam des Rettungsdienstes betreut. »Die Alpinpolizei ermittelt, sie hat die Ausrüstung sichergestellt und die Staatsanwaltschaft hat eine Obduktion der Leiche angeordnet, wie in solchen Fällen üblich«, sagte ein Polizeisprecher. Ermittelt werden soll etwa, ob es ein Problem mit dem Material oder an der Wand gab, ob ein menschlicher Fehler oder ein medizinischer Grund bei dem Unglück eine Rolle spielten.Die Kletteranlage mit mehr als 30 ausgewiesenen und gesicherten Routen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden liegt auf rund 1930 Metern und war am Sonntag geschlossen.
In der Woche davor starb ein Wanderer aus dem Sauerland in den Zillertaler Alpen bei Mayrhofen vor den Augen seines Schwiegervaters und seiner Schwäger. Der 36-Jährige hatte auf einem schmalen Pfad das Gleichgewicht verloren und stürzte über steiles und felsiges Gelände 50 bis 100 Meter in die Tiefe. Er war auf die Mörchnerscharte gewandert – ein mehr als 2800 Meter hohes Bergjoch zwischen zwei Tälern.
Ein anderer Wanderer aus dem Sauerland stürzte in der Osttiroler Venediger-Gebirgsgruppe über Felswände in den Tod. Ermittler gehen davon aus, dass der 74-Jährige beim Abstieg verunglückte.
Zahl der Einsätze nimmt zu
In den Statistiken der Alpenländer und von Bergsportvereinen werden als häufigste Unfallursache bei Bergunfällen im Sommer Stürze und Abstürze aufgeführt, außerdem medizinische Notfälle und Erschöpfung. Unter den medizinischen Notfällen verursachen Herz-Kreislauf-Ereignisse die meisten Todesfälle.
Für die Alpen insgesamt ist kein einheitlicher, dauerhafter Trend tödlicher Bergunfälle zu erkennen: Der Schweizer Alpen-Club (SAC) registrierte für 2025 mit 98 Toten den niedrigsten Wert seit zehn Jahren, das österreichische Innenministerium gab mit 269 Toten eine Zahl an, die leicht unter dem zehnjährigen Schnitt liegt – Unglücke in den Wintermonaten sind inbegriffen. Zugenommen hat allerdings die Zahl der Einsätze : In Tirol zum Beispiel kamen die Bergretter im vergangenen Jahr mehr als 4000-mal zu Hilfe – ein Plus von 550 Einsätzen im Vergleich zu 2024 –, davon etwa ein Drittel bei Skiunfällen.
Christian Eder von der Bergrettung Tirol erklärte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk, dass schlicht mehr Menschen in den Bergen unterwegs seien als früher, wodurch auch mehr Unfälle passierten. »Ursachen können sein, dass Wege rutschig sind oder dass Leute unvorbereitet in schlechtes Wetter kommen«, sagte Eder.
Neue Rekordzahl an Steinschlägen und Felsstürzen
Neben Abstürzen, Erschöpfung und Unerfahrenheit spielt auch der Klimawandel in den Alpen eine Rolle bei Bergunfällen – wenn auch bisher nur eine geringe.
Wegen Felsstürzen wurden zwei Berghütten auf dem Mont Blanc , mit 4806 Metern der höchste Berg Europas, gesperrt. Mitte Juli waren dort zwei tschechische Bergsteiger im sogenannten Grand couloir ums Leben gekommen, der wegen der häufigen Steinschläge auch »Todeskorridor« genannt wird. Mitte August kam an einer anderen Stelle am Mont Blanc ein 31 Jahre alter Bergsteiger ums Leben.
In diesem Extremsommer ist es zu einer neuen Höchstzahl an Steinschlägen und Felsstürzen gekommen. Auslöser der Felsstürze ist laut Forschern das Abtauen des Permafrosts. Gefrorenes Wasser im Gestein wirkt wie Zement. Wenn es auftaut, lösen sich Gesteinsbrocken. Bergsteiger veröffentlichten in den vergangenen Wochen im Internet erschreckende Videos von Steinschlägen in den Alpen. Allein im Mont-Blanc-Massiv gab es etwa 450 größere Felsstürze, vor zehn oder 20 Jahren waren es nur wenige Dutzend pro Sommer.
Und noch einen Effekt hat der Klimawandel: Die abtauenden Gletscher geben die Leichen von seit Jahrzehnten vermissten Bergsteigern frei. Ende Juli entdeckte ein Wanderer zwei Leichen auf dem Triftgletscher im Schweizer Wallis nahe der Grenze zu Italien. Ein DNA-Abgleich ergab laut der Polizei, dass es sich um die sterblichen Überreste von zwei seit 1992 in der Region Weissmies vermissten Belgiern handelt. Sie waren zum Zeitpunkt des Todes 39 und 41 Jahre alt. Im vergangenen Jahr wurde am Obergabelhorn nahe Zermatt das Skelett eines seit 1994 vermissten Mannes entdeckt.
Mit Material von dpa und AFP
Mit Material von dpa und AFP

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