Andy Burnham in Kyjiw: Britischer Premierminister übergibt Marschflugkörper-Baupläne an Ukraine

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Andy Burnham tritt seine erste Auslandsreise als britischer Premierminister nach Kyjiw an und wird der Ukraine offenbar Baupläne für die Storm-Shadow-Marschflugkörper übergeben, damit das Land solche Langstreckenwaffen künftig selbst herstellen kann. Das berichten mehrere britische Medien übereinstimmend.

»Die Sicherheit der Ukraine ist unsere Sicherheit«, erklärte Burnham. Großbritannien erlaube dem europäischen Raketenhersteller MBDA, geheime Informationen über britische Bauteile des Marschflugkörpers Storm Shadow weiterzugeben, teilte ​das Büro des Premierministers mit. Dies solle Frankreich und der Ukraine helfen, lokale Produktionslinien für die Waffe aufzubauen.

Die Storm Shadows werden von einem Flugzeug abgefeuert und haben eine Reichweite von mehreren Hundert Kilometern. Damit kann die Ukraine auch Ziele in Russland angreifen, etwa Kommandozentralen des russischen Militärs oder Munitionsdepots. Die Marschflugkörper lieferte Großbritannien bereits ab 2023  an Kyjiw, mit einer eigenen Produktion wäre die Ukraine jedoch nicht mehr auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen. Wie die BBC berichtet , kosten die Storm Shadows etwa eine Million US-Dollar pro Stück.

Premierminister Burnham wird in Kyjiw unter anderem mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zusammentreffen ⁠und eine Sitzung der sogenannten Koalition der Willigen leiten, einer Gruppe von Unterstützerstaaten der ​Ukraine. Anlässlich des 35. Unabhängigkeitstags der Ukraine beraten Bundeskanzler Friedrich Merz und andere Staats- und Regierungschefs über die weitere Unterstützung des von Russland angegriffenen Landes. Nach Angaben eines EU-Vertreters werden neben Burnham rund zehn Teilnehmer der Koalition der Willigen für das Treffen nach Kyjiw reisen, unter anderem EU-Ratspräsident António Costa. Merz und andere Teilnehmer sind per Video-Übertragung zugeschaltet.

EU gibt weitere Milliarden für Kyjiw frei

Anlässlich des Unabhängigkeitstags hat die EU weitere 6,1 Milliarden Euro aus ihrem 90-Milliarden-Euro-Darlehen für die Ukraine freigegeben. Das Geld sei für Flugabwehrsysteme, Lenkwaffen, Munition und Radarsysteme bestimmt, erklärte die EU-Kommission. »Am ukrainischen Unabhängigkeitstag zeigen wir unsere unerschütterliche Unterstützung«, erklärte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor geplanten Gesprächen zwischen der Ukraine und ihren Verbündeten über die weitere militärische Unterstützung im Kampf gegen Russland.

Der 90-Milliarden-Euro-Kredit für Kyjiw sieht 60 Milliarden Euro Militärhilfe vor. Vor der nun angekündigten Tranche von 6,1 Milliarden Euro wurden bereits 16 Milliarden Euro bewilligt, von denen 8,5 Milliarden Euro schon ausgezahlt wurden. Die Verteidigung der Ukraine müsse angesichts von 376 russischen Raketenangriff allein im Juli »dringend« gestärkt werden, erklärte die EU-Kommission.

Unterdessen setzen sich die Kämpfe fort. Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben bei einem Angriff in der Nacht ein russisches Kampfflugzeug vom Typ MiG-29 sowie zwei russische Schiffe im Schwarzen Meer getroffen. Bei den Schiffen handelt es sich um einen Tanker und einen Massengutfrachter, wie der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Brovdi, auf dem Messagingdienst Telegram mitteilte.

Wiederum will das russische Militär einen Tanker mit Treib- und Schmierstoffen für ukrainische Truppen in der Nähe von Odessa getroffen haben. Das Schiff habe sich im Hafen von Piwdennyj befunden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Zudem seien Anlagen der Hafeninfrastruktur getroffen worden, ​die zum Entladen und Lagern von militärischen Gütern genutzt würden. Eine Stellungnahme der Ukraine dazu lag zunächst nicht vor. Russland greift oft Hafeninfrastruktur in Odessa und Umgebung an, was den für Öl- und Getreideexporte wichtigen Schiffsverkehr im Schwarzen Meer beeinträchtigt.

Die Ukraine greift weiter russische Onlinehändler an: Nach den Schlägen gegen Wildberries  hat die Ukraine nach Angaben des russischen Onlinehändlers Ozon vier seiner Logistikzentren im Süden Russlands mit Drohnen angegriffen. In einer Anlage in Machatschkala in der Republik ⁠Dagestan sei ein Feuer ausgebrochen, teilt der Wildberries-Rivale mit. Ersten Erkenntnissen zufolge ⁠seien dort mehrere Menschen verletzt worden. Der Betrieb sei eingestellt worden. Auch in einem Zentrum in der Region Krasnodar sei ein Großbrand ausgebrochen. Zwei weitere Logistikzentren in der Region Stawropol und in der Kaukasus-Republik Adygeja seien evakuiert worden. Diese Anlagen seien jedoch nicht beschädigt worden, erklärt Ozon weiter. In den vergangenen Tagen waren bereits zwei Ozon-Standorte angegriffen worden. Zuvor hatte die Ukraine schon auf zahlreiche Wildberries-Anlagen gezielt und dort größere Schäden verursacht.

Zivilisten auf beiden Seiten getötet

Bei ​einem russischen Angriff am Stadtrand von Charkiw im Nordosten der Ukraine wurden nach Angaben des regionalen Gouverneurs in der Nacht zum Montag drei Menschen getötet. Zudem gab es zahlreiche Verletzte, die Suche nach weiteren möglichen Opfern dauere an.

In der südrussischen Stadt Krasnodar kamen nach Angaben des örtlichen Gouverneurs zwei Kinder durch herabstürzende Drohnentrümmer ums Leben. Neun weitere Menschen, darunter sieben Kinder, seien verletzt worden, als die Trümmerteile in der Nacht eine private Kindertagesstätte trafen, teilte Gouverneur mit. Zudem stürzten Trümmer auf Wohnhäuser und lösten einen Brand in Lagerhallen aus. Auch in der russischen Region ​Dagestan im Nordkaukasus setzten herabstürzende Drohnentrümmer Lagerhallen in ‌Brand, wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf regionale Behörden meldete.

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Nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj strebt die Ukraine ein Ende des ‌Krieges an, ist jedoch nicht bereit, bedingungslos aufzugeben. »Die Ukraine will unbedingt Frieden, doch sie ist nicht bereit, sich einfach zu ergeben«, sagte Selenskyj am Montag in einer Rede zum Unabhängigkeitstag in Kyjiw.

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